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In zahlreichen Berufen werden die Fachkräfte knapp. Viele Mittelständler müssen deshalb sogar Aufträge ablehnen. Bild: Corbis

Der Mittelstand klagt schon lange über einen massiven Fachkräftemangel. Auch die globalen Unternehmer scheinen zunehmend Probleme zu haben, freie Stellen zügig zu besetzen. Für Personaler gibt es mehrere Ansatzpunkte, wie sie dem Fachkräftemangel entgegenwirken können.

Die gute Nachricht vorweg: Der deutschen Wirtschaft geht es gut. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin prognostiziert im April 2017 in seinem Konjunkturbarometer für das zweite Quartal des laufenden Jahres solides Wachstum und auch das aktuelle Frühjahrsgutachten der Bundesregierung gibt Anlass zu positiver Stimmung: Die anhaltend gute Konjunktur soll dem Arbeitsmarkt Aufschwung geben.

Damit müsste die Stimmung bei deutschen Unternehmen eigentlich zwischen gut bis euphorisch schwanken. Wäre da nicht ein entscheidendes Detail, das Anlass zur Sorge gibt. Woran liegt es, dass es zwar viele freie Stellen zu besetzen gibt, sich aber kein passender Kandidat finden lässt?

Der Fachkräftemangel bremst die Unternehmen aus

Wie die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit deutlich machen, ist die durchschnittliche Vakanzzeit einer Stelle von 63 Tagen im Jahr 2007 auf mittlerweile 98 Tage angestiegen. Zahlreiche weitere Studien belegen das Dilemma: Knapp ein Drittel der Unternehmen will laut EY Mittelstandsbarometer in den kommenden sechs Monaten Personal aufbauen. 62 Prozent der Unternehmen können aber bereits jetzt ihre vakanten Stellen nicht besetzen. Besonders im Alten- und Krankenpflegebereich fehlen qualifizierte Arbeitskräfte. Bei den technischen Berufen ist die Lage ähnlich. Auch das Handwerk sieht sich zunehmend mit dem Fachkräftemangel konfrontiert: Hier werden vor allem Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker gesucht.

Der Schaden, der durch den akuten Fachkräftemangel in der Wirtschaft entsteht, ist nicht von der Hand zu weisen: Die Auftragslage ist gut, kann aber aufgrund mangelnder Fachkräfte nicht länger voll ausgeschöpft werden. Fast die Hälfte der mittelständischen Unternehmen muss deshalb sogar Aufträge ablehnen. Hochgerechnet gehen dadurch fast 46 Milliarden Euro an Jahresumsatz verloren. Inzwischen befürchtet jeder zweite deutsche Mittelständler Umsatzeinbußen, weil Mitarbeiter fehlen. Insgesamt mangelt es an 326.000 Fachkräften.

Langfristig planen und zügig reagieren

Doch woran liegt der Engpass auf dem Arbeitsmarkt speziell bei den Fachkräften mit Berufsausbildung? Und warum bleiben so viele Stellen unbesetzt, obwohl Personalabteilungen nach geeigneten Mitarbeiten suchen?

Die Antwort ist komplex: Der demografische Wandel ist sicherlich ein Faktor, verrät aber nur die halbe Wahrheit. Ein weiterer Grund liegt bei den Unternehmen selbst, denn nur wer langfristige Personalplanung betreibt, kann den Fachkräftemangel vermeiden.

Es wird also für Unternehmen immer wichtiger, eine effiziente Personalplanung zu haben und zügig zu reagieren. Sie müssen es unbedingt vermeiden, Bewerber lange auf eine Antwort warten zu lassen oder nur standardisierte Antworten zu versenden. Denn gute Bewerber suchen schnell woanders ihr Glück. Die qualifiziertesten Fachkräfte haben meist größere Auswahl. Schleppende Rückmeldungen oder unfreundlicher Umgang können schnell zum Bumerang werden.

In die Ausbildung investieren

Eine langfristige Planung muss darüber hinaus frühzeitig ansetzen und den Aspekt Fachkräftenachwuchs konkret berücksichtigen. Um zu verhindern, dass das Problem überhaupt entsteht, müssen deutsche Unternehmen wieder verstärkt ausbilden. Denn gerade die nichtakademischen Berufe werden zum Engpass für die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit. Darauf deutet eine im Februar veröffentlichte Statistik der Bundesagentur für Arbeit hin. Wer es als Arbeitgeber schafft, junge Menschen wieder für eine Ausbildung zu begeistern, gewinnt langfristig nicht nur kompetente, sondern auch loyale Mitarbeiter. Dies belegt eine Befragung von Meinestadt.de unter mehr als 5.000 Arbeitnehmern. Sie zeigt, dass es Fachkräfte mit Ausbildung am längsten am gleichen Arbeitsplatz hält. Über 37 Prozent der Befragten gaben an, bis zu sieben Jahre und sogar länger im Job zu bleiben. Das Resultat belegt, dass sich die Förderung einer Fachkraft bezahlt macht und für die langfristige Bindung ans Unternehmen sorgt. Wer also in die Ausbildung seiner Mitarbeiter investiert, spart später Kosten für Rekrutierung und Einarbeitung.

Mehr Sichtbarkeit bei potenziellen Bewerbern

Weitere Fehler auf der Suche nach neuen Mitarbeitern sind überzogene Ansprüche an die Bewerber und Rückständigkeit im Bewerbungsprozess selbst. Zwar galt die Rekrutierung von Fachkräften lange Zeit als letztes nicht-digitales Reservat im Recruiting, mittlerweile erfolgt aber auch hier die Jobsuche überwiegend online und via Smartphone.

Nicht nur Global Player, auch mittelständische Unternehmen müssen deshalb mobil gut aufgestellt sein und sich die Reichweite etablierter Jobportale zu Nutze machen, um ihre Zielgruppen zu erreichen. Denn häufig ist auch einfach mangelnde Sichtbarkeit ein Problem. Die meisten Bewerber landen bei den großen und bekannten Unternehmen – auch wenn zu diesen weniger als ein Prozent aller deutschen Unternehmen zählen. Die Ursache klingt banal, trifft aber den Kern der Sache: Bewerber kennen die kleineren Unternehmen nicht, weil sie sich nicht sichtbar machen. Fachkräfte können sich nur bei Firmen bewerben, die sie bei der Jobsuche finden. Die Arbeitgeber müssen sich deshalb bei potenziellen Mitarbeitern bemerkbar machen.

Denken Sie um und werden Sie aktiv

Für Unternehmen gilt es also umzudenken und aktiv zu werden. Nur wer flexibel ist und sich auf die veränderten Bedingungen im Markt einstellt, kann auch in Zukunft passende Fachkräfte für sich gewinnen.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Fachkräfte, Mobile Recruiting

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