Report zu Rebellen im Team: Impulsgeber und Unruhestifter

In mehr als der Hälfte der Unternehmen gibt es sie: Mitarbeitende, die ihre starke, vom Mainstream abweichende Meinung offen vertreten – die "Rebellen" im Team. Sie bringen Unruhe ins Team, sorgen aber auch für bessere Ergebnisse, glauben ihre Führungskräfte, die für den Hernstein Management Report befragt wurden.

"Rebellinnen und Rebellen sind eine wertvolle Ressource im Team und im Unternehmen, für die es starke Führungskräfte braucht", erklärt Michaela Kreitmayer, Leiterin Hernstein Institut für Management und Leadership. "Ein gutes Gefühl zu haben, wie man mit ihnen umgeht, ist notwendig, sodass die Balance im Team erhalten bleibt. Denn einerseits benötigen Rebellinnen und Rebellen Freiräume, um sich konstruktiv-kritisch entfalten zu können, andererseits bedarf es empathischer Führungsarbeit, um die Energie zu fokussieren und das Teamgefüge intakt zu halten."

Hernstein Management Report: "Rebellen" sorgen für gute Ergebnisse

Wie gut gelingt den Führungskräften der Umgang mit den "Rebellen" im Team? Über 1.500 Führungskräfte haben am Hernstein Management Report teilgenommen. Sie stehen den rebellischen Mitarbeitern erst einmal positiv gegenüber. 57 Prozent der Führungskräfte sehen positive Auswirkungen von "Rebellinnen" und "Rebellen" im Team auf die Arbeitsergebnisse. 49 Prozent der Befragten sehen auch positive Folgen für die Unternehmensziele. Gerade die Vertriebsverantwortlichen im Unternehmen bewerten die "Rebellen" positiv: Sie sehen zu 64 Prozent positive Effekte auf die Arbeitsergebnisse und zu 57 Prozent auf die Unternehmensziele.

Was die Auswirkungen auf das Teamgefüge angeht, sind sich die Befragten jedoch uneins: 46 Prozent geben an, dass das Teamgefüge von "Rebellen" profitiert. Jedoch verorten mit 44 Prozent fast ebenso viele hier nachteilige Wirkungen.

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Interessant ist auch hier ein Blick auf die Unternehmensbereiche, aus denen die Befragten kommen. So weicht die Meinung der Personalverantwortlichen hier etwas ab: Sie schätzen die Effekte auf das Team etwas positiver ein; 50 Prozent geben positive Folgen an. Die Studienautoren erklären sich dies damit, dass Führungskräfte im HR-Bereich sich berufsbedingt mit gruppendynamischen Effekten beschäftigen. Vor diesem Hintergrund würden "Rebellen" weniger als Herausforderung für die gegebenen Strukturen und mehr als kreative und produktive Bereicherung erscheinen.

Kritik ist gern gesehen – Unruhe im Team nicht

Welche Eigenschaften der Rebellen sind es, die besonders positiv auf die befragten Führungskräfte wirken? 59 Prozent der Führungskräfte schätzen es, dass die "Rebellen" für frisches Denken und Innovationsimpulse im Unternehmen sorgen. 23 Prozent wollen auf ihre ehrliche Kritik und 18 Prozent auf ihre unkonventionellen Ideen nicht verzichten.

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Allerdings meinen auch 64 Prozent, dass von diesen Mitarbeitenden zumindest zeitweise Unruhe im Team ausgeht. Nur 14 Prozent glauben, dass die Rebellen Ansporn für alle darstellen. 32 Prozent der Befragten sehen Herausforderungen für die Zusammenarbeit mit der jeweiligen Führungskraft; diese wird als zeitaufwendig und emotional anstrengend eingeschätzt.

Führungskräfte würden ihre "Rebellen" vermissen

In Summe überwiegt die positive Sichtweise auf "Rebellen": 64 Prozent aller Führungskräfte würden sie vermissen, sollten diese das Team verlassen – 19 Prozent würden sie "sehr" vermissen, 45 Prozent "eher". Dabei ist auffällig, dass dieser Wert mit der Hierarchieebene steigt: Während 34 Prozent der Inhaberinnen und Inhaber von Unternehmen die "Rebellen" in ihrem Team sehr vermissen würden, sind es unter den Angehörigen der unteren Führungsebene lediglich 16 Prozent. Ebenfalls klar über dem Durchschnitt sind Führungskräfte mit generalistischer Verantwortung: Hier würden 26 Prozent nur mit großem Bedauern auf ihre "Rebellen" verzichten wollen.

Die Stärken der "Rebellen" nutzen

"Die Chancen und Herausforderungen sind offensichtlich, in Summe überwiegt aber klar die Wertschätzung für die Rebellinnen und Rebellen", so das Fazit von Kreitmayer. "Immerhin meinen zwei Drittel der Führungskräfte, dass sie auf diese nicht verzichten wollen." Wichtig sei, die Kommunikations- und Beziehungsebene zu pflegen, um kritische Diskussionen auf die Sachebene zu konzentrieren.

Über den Hernstein Management Report

Der Hernstein Management Report erhebt seit über 20 Jahren ein jährliches Stimmungsbild unter Führungskräften und Unternehmerinnen und Unternehmern in Österreich und Deutschland. Befragungszeitraum für die aktuelle Ausgabe war der Mai 2020, insgesamt wurden 1.548 Führungskräfte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer, davon 632 in Österreich und 916 in Deutschland, per Online-Befragung befragt. Diese wurde von Triple M Matzka Markt- und der Meinungsforschung KG durchgeführt.

Der vollständige Report steht auf der Homepage des Hernstein Instituts zum Download bereit.


Beiträge über frühere Erhebungen des Hernstein Instituts für Management und Leadership:

Leadership bedeutet Freude - zumindest für die meisten

Leadership on Demand ergänzt Selbstorganisation von Teams


Lesen Sie auch die Titelgeschichte im Personalmagazin 01/2019: Organisationsrebellen. Die neue Lust am Regelbruch.

Schlagworte zum Thema:  Leadership, Führung, Teamarbeit, Innovation