0

| Recruiting

Künftige Azubis wählen die Papierbewerbung

Bewerber für eine Ausbildung schicken weiterhin am liebsten Bewerbungsunterlagen in Papierform.
Bild: Michael Bamberger

Unternehmen wie Bewerber klagen immer wieder über den "Mismatch": Es gibt immer Unternehmen, die keine Azubis finden, und Bewerber, die keinen Job finden. Das könnte auch daher rühren, dass beide Seiten unterschiedliche Vorstellungen vom Recruiting-Prozess haben, zeigt eine Studie.

Die heutige Generation der Schüler und Azubis ist auf der einen Seite so online-affin wie keine Generation vor ihr. Das zeigt sich zum Beispiel in der Einstellung gegenüber E-Learning-Formaten in der Ausbildung: 73 Prozent der Azubis, die an der Studie "Azubi Recruiting Trends 2015" teilgenommen haben, finden sie gut. Allerdings setzen erst 23 Prozent der an der Studie teilnehmenden Unternehmen sie überhaupt ein. Auf der anderen Seite sind die Azubi-Bewerber jedoch im Hinblick auf die Bewerbungsformen zum Teil konservativer als die Ausbildungsbetriebe.

Mobile Bewerbung durchgefallen

So ist der mit Abstand beliebteste Weg die Papierbewerbung. Sie gilt unter den Azubis als seriös sowie verlässlich und lässt aus Sicht der Zielgruppe besonders viel Raum für die Darstellung der Persönlichkeit. Rund 71 Prozent der befragten Schüler und Azubis bewerben sich deshalb gerne oder sehr gerne traditionell mit Mappe und Anschreiben. Bei mobilen Bewerbungen liegt diese Zustimmung nur noch bei 18 Prozent. "Wer mit dem Handy eine Bewerbung schreibt, hat auch keine Lust auf Arbeiten", so ein Azubi-Teilnehmer.

Schwindende Aussagekraft von Schulnoten

Wert auf die Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit legen Azubi-Bewerber auch in den Auswahlverfahren. Persönlichkeits- und Kompetenztests stoßen bei ihnen auf größere Zustimmung als Leistungs- und Wissenstests. Tests finden Bewerber zu 65 Prozent generell gut oder sehr gut, bei den Ausbildungsverantwortlichen sind es nur 44 Prozent. Im Hinblick auf die Aussagekraft von Schulnoten für die Auswahl von Azubis zeigen sich die Ausbildungsverantwortlichen skeptisch. Nur zwölf Prozent von ihnen schätzen sie als hoch oder sehr hoch ein, was den langfristigen Berufserfolg von Auszubildenden angeht.

Lottofrage und Sinn der Ausbildung

Im vergangenen Jahr ergaben die Studienergebnisse das Bild einer Azubi-Bewerber-Generation der selbstbewussten Sinnsucher. 2015 gewinnt dieses Bild dank der erstmals gestellten "Lottofrage" weiter an Kontur: „Stell Dir vor, ein Lottogewinn oder eine Erbschaft sichert Dir lebenslang ein müheloses Einkommen. Hättest Du dann bzw. Würdest Du trotzdem eine Ausbildung machen?“ 90 Prozent der Azubi-Teilnehmer antworten hier mit "Ja". Die meisten sehen in ihrer Ausbildung offenbar mehr als die langfristige Sicherung einer Einnahmequelle.

Über die Studie "Azubi-Recruiting Trends 2015"

Die regelmäßig von U-Form Testsysteme durchgeführte Studie Azubi-Recruiting Trends erscheint in diesem Jahr zum sechsten Mal. Den Fragebogen haben 799 Ausbildungsverantwortliche und 1.428 Auszubildende sowie Bewerber im Frühjahr 2015 ausgefüllt. Professor Daniela Eisele von der Hamburg School of Business Administration (HSBA) begleitet die Studie wissenschaftlich.

Haufe Online Redaktion

Recruiting, Ausbildung, Bewerbung

Aktuell

Meistgelesen