Auf dem Absolventenkongress Köln überraschte Aldi Süd mit einer Blackbox, auf dem weder Bewerber noch Recruiter sehen konnten, wer ihnen gegenüber saß. HR-Spezialist Sabine Grobara erklärt, was es mit den Jobinterviews in völliger Dunkelheit auf sich hat.

Haufe Online-Redaktion: Was steckte hinter der „Aldi Süd Blackbox“ auf dem Absolven­tenkongress?

Sabine Grobara: Es war ein Blind Date mit der Zukunft – und das im wahrsten Sin­ne des Wortes. Die Gespräche fanden in völliger Dunkelheit statt, so konnten die Teilnehmer über sich hinauswach­sen, weil sie viele Sinne, die in einer solchen Situation besonders geschärft sind, einfach ausschalten konnten. Das Konzept entstand in der Vorbereitung auf den Absolventenkongress. Die Mes­se hat Event-Charakter und wir wollten den Besuchern etwas bieten, das Spaß macht und mehr ist als ein normales Vorstellungsgespräch. Wir modernisie­ren aktuell unsere Filialen, nutzen neue Kommunikationskanäle und gehen viele neue Wege. Mit der Blackbox wollten wir zeigen, dass wir in unserer rasanten Weiterentwicklung auch großen Wert auf Vielfalt und Diversity legen. Bei Bewerbern zählen nicht Herkunft oder Aussehen, es geht um die Inhalte. Weil wir diesen Blick für das Wesentliche stärken wollten, kam uns die Idee für die Blackbox – zusätzlich zu unserem Mes­sestand auf dem Absolventenkongress.

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Haufe Online-Redaktion: Wie liefen die Gespräche in der Blackbox ab? 

Grobara: Wir hatten die Blackbox auf einer 30 Quadratmeter großen Fläche abseits unseres Messestands errichtet. Sie trug kein Logo und es gab keinerlei Hinweise auf Aldi Süd. Im Inneren herrschte völli­ge Dunkelheit. Die Besucher führten also ein Vorstellungsgespräch, wussten aber nicht, um welches Unternehmen es dabei geht. Auch wir haben nicht gesehen, wer uns gegenüber saß. Das Outfit spielte kei­ne Rolle, die Frisur war egal, es kam nur auf die Persönlichkeit des Gesprächspart­ners an. Das schaffte eine völlig neue und spannende Situation, die sich natürlich stark von den klassischen Gesprächen auf unserem Messestand unterschied.

Bewerber erfahren im Nachgang, dass Aldi Süd das mysteriöse Unternehmen ist 

Haufe Online-Redaktion: Wie kam das Format bei Ihrer Zielgruppe an?

Grobara: Der Höhepunkt der Aktion er­folgte um 16.15 Uhr am ersten Messetag. Durch den Rapper Fargo, der unseren „Einfach-Song“ und anschließend einen Freestyle-Rap über den Hintergrund der Blackbox performte, sowie durch einen Sprayer, der parallel dazu unser Logo auf einer Leinwand vor der Blackbox sprayte, wurde aufgelöst, dass Aldi Süd hinter der Aktion steht. Überraschte Be­werber schilderten uns im Nachgang, dass sie eher die großen US-Technologieunternehmen oder ein junges Start-up als Unternehmen hinter der Aktion vermuteten.

Verbessertes Arbeitgeberimage, erhöhter Bewerbereingang 

Haufe Online-Redaktion: Haben Sie mit der Black­box Ihr Ziel erreicht?

Grobara: Mit der Blackbox konnten wir viele Erfolge feiern. Wir konnten die Ziel­gruppe überraschen und dadurch unser Image verbessern. Außerdem verzeich­neten wir einen erhöhten Bewerberein­gang. Jeder Kandidat bekam im Nach­gang des Gesprächs eine Visitenkarte mit einem Code überreicht, die es uns ermöglicht, bei einer etwaigen Bewer­bung nachzuverfolgen, dass der Kan­didat sich bei uns in der Blackbox vor­gestellt hat. Wie auch in den Vorjahren haben wir bereits einige Einstellungen nach dem Absolventenkongress ver­zeichnen können.

Haufe Online-Redaktion: Planen Sie weitere Expe­rimente?

Grobara: Ja, planen wir. Allerdings melden wir für unsere Blackbox zunächst Patent an. Aber die gleiche Aktion werden wir vorerst nicht wiederholen, da der Über­raschungseffekt – wie es ihn bei der Premiere auf dem Absolventenkongress gab – nicht mehr vorhanden wäre.

 

Das Interview führte Daniela Furkel, Redaktion Personalmagazin.


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Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Employer Branding