Reines Geklüngel oder echte Hilfe für HR?
Nach der Stellenanzeige ist die Empfehlung durch Freunde oder Verwandte mittlerweile der zweithäufigste Weg, einen neuen Job zu finden. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des E-Recruiting-Anbieters Softgarden unter 2.436 Bewerbern: 78 Prozent der Befragten haben in den vergangenen Jahren schon einmal per Stellenanzeige einen neuen Arbeitsplatz gefunden, 60 Prozent waren dank einer Empfehlung aus ihrem persönlichen Netzwerk erfolgreich.
Mitarbeiterempfehlung als "Gütesiegel" für den Arbeitgeber
Dabei zeigen sich die meisten Befragten zufrieden mit den Mitarbeiterempfehlungen: 20 Prozent geben diesem Weg zum Job eine Schulnote „Sehr gut“. 54 Prozent vergeben ein „Gut“, 20 Prozent ein „Befriedigend“, vier Prozent urteilen mit „Ausreichend“ und zwei Prozent mit „Mangelhaft“.
Aus der Bewerberperspektive stellt eine Empfehlung vor allem ein „Gütesiegel“ dar. Das zeigen einige der Kommentare in der Umfrage:
„Wenn Mitarbeiter ihren Arbeitgeber weiterempfehlen, schließe ich auf ein gutes Betriebsklima und zufriedene Mitarbeiter.“
„Aus der Perspektive der Mitarbeiter wirkt eine Empfehlung immer ehrlicher und aussagekräftiger als die vom Arbeitgeber, welche auf die reine Besetzung einer Stelle ausgelegt ist.“
#Mitarbeiterempfehlungen: Kritiker sprechen von der Gefahr von "Klüngelbildung" oder negativen Folgen von "Vitamin B-Empfehlungen".
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Werden Bewerber ohne Beziehungen benachteiligt?
Diejenigen Freitextkommentare, die Empfehlungen kritisch betrachten, weisen dagegen vor allem auf „Klüngelbildung“ oder den subjektiven Charakter der Empfehlungen, die eher auf Sympathie als auf der Einschätzung von Fachkenntnissen beruhen: „Es erleichtert den Recruitment-Prozess, könnte aber auch dazu führen, dass nicht die geeignetsten Kandidaten, sondern nur die Kandidaten, die die Mitarbeiter empfehlen, eingestellt werden.“ „Neulinge sollten die gleiche Chance auf Stellen haben. Diese ist durch Mitarbeiterempfehlungen reduziert, welche im Prinzip ‚Vitamin B‘ darstellen.“
Meist geht es ohne Mitarbeiterempfehlungsprogramm
Ein Großteil der Befragten hat selbst schon einmal jemanden empfohlen, allerdings haben die meisten den Tipp ohne ein spezielles Mitarbeiterempfehlungsprogramm abgegeben (53 Prozent). Nur neun Prozent der Befragten haben ihre Empfehlung innerhalb eines solchen Programms ausgesprochen. Insgesamt ist die Akzeptanz der Empfehlungen hoch, nur vier Prozent schließen kategorisch aus, Menschen aus ihrem Netzwerk weiter zu empfehlen.
Negatives Feedback: Wenn die Empfehlenden enttäuscht werden
Die Erfahrungen der Empfehlenden waren überwiegend positiv (67 Prozent). Bei 19 Prozent fällt die Bilanz durchwachsen oder neutral aus, aber 14 Prozent bewerten ihre Empfehlung als negativ. Bei den negativen Kommentaren kommen mögliche Risiken für die Empfehlenden zur Sprache: „Eher schlechte Erfahrung, da die eher bescheidene Arbeitsleistung wie auch -einstellung auf mich zurückgefallen ist.“ „Die Empfehlung hat sich später als falsch herausgestellt, da der Mitarbeiter beruflich eine ganz andere Seite als im privaten Umfeld gezeigt hat.“
Aber auch der Prozess hat in einigen Fällen gehakt: „Die interne Kommunikation läuft oftmals nicht schnell genug, sodass der empfohlene Mitarbeiter bereits eine andere Stelle angetreten hat.“ „In einem konkreten Fall hat der Freund leider schlechte Erfahrungen im Umgang mit seiner Bewerbung seitens der Personalabteilung gemacht.“ „Schlechte Erfahrung, da es keinerlei Feedback gab.“
Mitarbeiterempfehlung aus Überzeugung – oder wegen der Prämie?
Die wichtigsten Beweggründe, jemanden aus dem persönlichen Netzwerk dem eigenen Arbeitgeber zu empfehlen, sind nach Auskunft der Teilnehmer der Wunsch, dem Unternehmen einen „tollen Mitarbeiter“ zu empfehlen, sowie das Motiv, dem Freund, Bekannten oder Verwandten einen Gefallen zu tun. Aber auch eine ausgesetzte Prämie spielt als Motiv eine Rolle. 57 Prozent der Befragten finden Prämien-Regelungen gut oder sehr gut. Allerdings fürchten einige auch, dass von Prämien ein falscher Anreiz ausgeht, der an dem eigentlichen Sinn der Mitarbeiterempfehlung vorbeigeht: „Wenn die Prämie im Vordergrund steht, verliert die Empfehlung ihren Sinn. Die Empfehlung sollte aus Überzeugung geschehen, nicht wegen der Prämie“, so eine Reaktion.
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