Kaum Maßnahmen zur mentalen Gesundheit im Mittelstand
Knapp jede zweite Führungskraft (48,2 Prozent) in mittelständischen Unternehmen nimmt eine steigende psychische Belastung bei den Mitarbeitenden wahr. Gleichzeitig sehen sie die mentale Gesundheit der Beschäftigten als Schlüssel für den Unternehmenserfolg an. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Ias Stiftung (Institut für Arbeits- und Sozialhygiene Stiftung der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V.), für die im November 2024 über 300 Personen aus Geschäftsführung, Management und Führung aus mittelständischen Unternehmen (10 bis 5.000 Mitarbeitende) in Deutschland befragt wurden.
Mentale Gesundheit: Nur wenige KMU ergreifen Maßnahmen
Laut der Umfrage schätzen 78,5 Prozent den Einfluss der mentalen Gesundheit auf die Motivation der Mitarbeitenden als eher beziehungsweise sehr stark ein. Auch die Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden (76,6 Prozent), die Produktivität des Unternehmens (76,2 Prozent) und die Resilienz der Mitarbeitenden (74,6 Prozent) werden von einer deutlichen Mehrheit als eher beziehungsweise sehr stark eingeschätzt.
Der Blick auf die implementierten Maßnahmen zeigt allerdings, dass trotz dieser Wahrnehmung aktuell noch wenig für die Förderung der mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz getan wird. Nur in jedem dritten Unternehmen gibt es bereits konkrete Maßnahmen. So führt trotz gesetzlicher Verpflichtung nur knapp ein Drittel der Unternehmen (31 Prozent) eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen durch. Knapp 30 Prozent haben die Umsetzung zumindest geplant.
Auch bei der Sensibilisierung der Mitarbeitenden ist noch Luft nach oben: Jeweils nur rund ein Drittel der Unternehmen bietet Führungskräfte-Schulungen zur psychischen Gesundheit (36,3 Prozent) sowie Mentoring-Programme (35,3 Prozent) an oder bildet kollegiale Vertrauenspersonen für psychisch belastete Mitarbeitende aus (29,7 Prozent). Immerhin: Knapp 60 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen bietet ihren Mitarbeitenden flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten und hilft ihnen so, Arbeits- und Privatleben besser in Einklang zu bringen.
Digitale Tools zur Förderung der mentalen Gesundheit spielen keine große Rolle
"Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel, wirtschaftlicher Unsicherheit und steigenden Krankenständen müssen Unternehmen sich stärker um ihr wichtigstes Gut kümmern: ihre Mitarbeitenden. Maßnahmen zur Förderung der mentalen Gesundheit sind kein Luxus, sondern eine notwendige Investition in Produktivität, Mitarbeiterbindung und langfristigen Unternehmenserfolg. Wer jetzt handelt, stärkt nicht nur seine Belegschaft, sondern auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit", sagt Dr. Alexandra Schulz-Wrusch, Sprecherin des Vorstands der Ias Stiftung und Fachärztin für Arbeitsmedizin.
Die Studie zeigt auch: Niedrigschwellige Angebote wie digitale Tools zur Förderung der mentalen Gesundheit sind im Mittelstand noch nicht angekommen. Maßnahmen wie das Bereitstellen von Online-Plattformen zur Selbsthilfe nutzen aktuell nur 22,8 Prozent der Unternehmen, Apps (17,8 Prozent) oder Online-Plattformen zur mentalen Gesundheit (19,8 Prozent) werden noch seltener umgesetzt. Knapp die Hälfte der mittelständischen Unternehmen plant auch zukünftig keine Implementierung von Online-Maßnahmen bzw. -Tools zur Förderung der psychischen Gesundheit.
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