MBA: Folgen des Coronavirus für Business Schools

Covid-19 macht auch vor MBA-Programmen keinen Halt. Fast alle Business Schools haben die Präsenzlehre ausgesetzt und auf digitalen Lernbetrieb umgestellt. Derzeit gibt es mehr Fragen als Antworten, wie es weitergeht.

Vorübergehend geschlossen – so hieß es ab Mitte März in Business Schools weltweit. Um die Corona-Pandemie einzudämmen und den internationalen Reiseeinschränkungen gerecht zu werden, laufen Vorlesungen und Austauschformate derzeit nur digital. Das hat Auswirkungen auf Auswahlgespräche, Forschungskolloquien, Zulassungstage, Firmenpräsentationen und inzwischen auch auf die finanzielle Situation der Business Schools. Die Krise könnte für einige Business Schools in dem ohnehin schon umkämpften Markt vor allem in den USA das Aus bedeuten - das geht aktuell aus einer Befragung der Consulting-Firma Eduvantis hervor.

Business Schools: nur teilweise vorsichtige Öffnung

Hierzulande haben die MBA-Anbieter im März flächendeckend reagiert: Zunächst schlossen sie nur vorübergehend, inzwischen stellten beispielsweise die Mannheim Business School und die WHU Otto Beisheim School of Management bis auf Weiteres auf digitale Lernformate und Online-Interviews um. Die ESMT Berlin setzt die Lehre auf dem Campus mindestens bis zum 10. Mai 2020 aus, während die HHL Leipzig School of Management den Stopp der Präsenzlehre vorerst bis 4. Mai 2020 verkündet hat. Die Frankfurt School of Finance & Management bietet bis Ende Mai 2020 prüfungsrelevante Kurse von Studiengängen nur online an, öffnet allerdings seit Ende April das Learning Center wieder schrittweise. "Stühle werden herausgenommen, sodass ein Mindestabstand eingehalten werden kann. Sicherheitspersonal wird dies auch prüfen", heißt es auf der Website.

Online-Status der Business Schools ist ausbaufähig

Der Unterricht vor Ort wird wohl in nächster Zeit bestenfalls in begrenztem Umfang möglich sein, zum Beispiel in kleinen Gruppen und unter Einhaltung strenger Infektionsschutzmaßnahmen. Die Schulen kommen nicht darum herum, ihre Online-Inhalte weiterhin massiv auszubauen. "Das ist ein echter Weckruf", sagte John Katzman, Gründer und CEO der Online-Bildungsplattform Noodle Partners dem Online-Magazins Poets & Quants (P&Q) in Bezug auf die Entwicklungen durch die Corona-Krise. Business Schools hinkten bei der Einführung von Kursen für die Online-Bereitstellung bisher noch hinterher. Oft fehle die Erfahrung mit anspruchsvoller Online-Bildung, sowohl in Bezug auf Technik als auch Pädagogik.

Das Angebot umfasse bisher tendenziell eher Zoom-Sitzungen als hochwertige MOOCs, Massive Open Online Courses, die verschiedene Formen der Online-Wissensvermittlung mit virtuellen Lerngruppen verbinden. Es sind Innovationen in der digitalen Programmstruktur vonnöten, wie beispielsweise virtuelle Veranstaltungen oder Online-Willkommenswochenenden für zugelassene Studenten. Einen Vorteil hat die Online-Umstellung allerdings schon jetzt: Die Schulen können digital leichter Gastredner aus der ganzen Welt einbeziehen.

Rückläufige Bewerberzahlen bei MBA-Programmen

Die Bewerberzahlen für Vollzeit-MBA-Programme sind seit Jahren rückläufig. Nun werden voraussichtlich angesichts von Reisebeschränkungen, restriktiven Visavergaben, unsicheren Zuständen und wegfallenden Netzwerkerfahrungen die Zahlen im nächsten Semester weiter bröckeln. Fast die Hälfte der Business Schools erwartet einen Rückgang der Einschreibungen in allen Programmen in den nächsten sechs Monaten, so das Ergebnis einer am 6. Mai 2020 veröffentlichten Umfrage der "Association to Advance Collegiate Schools of Business". Laut einem zugehörigen Bericht ziehen die Business Schools insbesondere im Hinblick auf die Einschreibungs- und Rekrutierungsbemühungen verschiedene Szenarien in Betracht. Neun Prozent der Befragten geben an, dass sie sich für ein Verschiebungssystems entschieden haben, und weitere 27 Prozent sagen, dass sie dies in Erwägung ziehen. Mehr als ein Viertel erwägt eine "Modularisierung" des Semesters.

Mehr Fragen als Antworten

Bis vor Kurzem war der Arbeitsmarkt für MBA-Absolventen zwar besser denn je – sowohl bezüglich der Beschäftigtenquoten als auch in Sachen Anfangsgehalt. Mit Corona ändert sich die Lage aber derzeit. Langfristig ist mit einem Einbruch am Stellenmarkt zu rechnen – auch für MBA-Kandidaten.

Derweil gibt es vor allem viele offene Fragen: Werden die Schulen im Herbst öffnen? Was wird sich im Sommer ergeben? Wird der Unterricht persönlich oder online stattfinden? Und wie wird sich die Pandemie langfristig auf die internationale Mobilität auswirken? "Eine Reihe von Business Schools werden aus dem Geschäft ausscheiden", prognostiziert Jeffrey Pfeffer, langjähriger Professor an der Stanford Graduate School of Business, laut P&Q. Er zeigt sich wenig optimistisch, dass die Online-Begeisterung an den Top-Business-Schools lange anhält. "Die Leute wollen die persönliche Erfahrung."


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