19.06.2013 | External Peer Reflection

Kollegiale Beratung: Probleme firmenübergreifend lösen

Probleme in der kollegialen Beratung angehen
Bild: Eric Audras / PhotoAlto

Kollegiale Beratung als Ausweg: Ein Perspektivenwechsel ist manchmal die einzige Lösung. Aus diesem Grund haben sich fünf süddeutsche Unternehmen zusammengetan, um ihren Führungskräften mithilfe der Methode "Kollegiale Beratung" die Möglichkeit zu geben, durch neue Sichtweisen Probleme besser in den Griff zu bekommen.

In einem Joint Venture der besonderen Art haben BMW, BSH Bosch und Siemens Hausgeräte, Giesecke und Devrient, Munich RE und Andreas Stihl schon vor fünf Jahren das Projekt zur kollegialen Beratung - auch "External Peer Reflection" genannt - gestartet. Mittlerweile liegen sehr positive Ergebnisse vor. Wie Andrea Mehde, Abteilungsleiterin bei BSH Bosch, der Zeitschrift "wirtschaft + weiterbildung" (Ausgabe 6/2013) berichtet, haben die Teilnehmer vor allem viel über sich selbst gelernt, was sich auch positiv auf ihren Führungsstil auswirkt. Bei internen Mitarbeiterbefragungen haben sich die Werte für Führungskräfte über vier Prozent verbessert.

Bei der Teilnehmerzusammenstellung achtet die Projektgruppe vor allem darauf, nicht Mitarbeiter aus derselben Branche dabei zu haben. Schließlich steht bei der kollegialen Beratung nicht das Konkurrenzdenken, sondern die gegenseitige Hilfe im Vordergrund.

Was ist Kollegiale Beratung?

Doch nicht nur fehlender Konkurrenzzwang macht die kollegiale Beratung aus. Es handelt es sich um eine Beratungsform, bei der es in regelmäßigen Abständen zu Meetings zwischen fünf bis zehn Personen kommt, die berufliche Probleme diskutieren und so Lösungsansätze entwickeln. Im Unterschied zu bisherigen Methoden steht bei der kollegialen Beratung das kollegiale Verhältnis im Vordergrund. Die Probanden sind nicht nur auf derselben Stufe der Karriereleiter, sie führen die kollegiale Beratung auch ohne Hilfe eines externen Trainers durch.

Allerdings gibt es für die kollegiale Beratung feste Kommunikationsregeln, die den Ablauf vorgeben: Im ersten Schritt stellt ein Teilnehmer seinen Praxisfall vor und stellt eine Schlüsselfrage zu seinem Problem. Im zweiten Schritt analysieren die anderen Teilenehmer anhand einer vorab festgelegten Methode den Fall. In dieser Zeit hört der "Fallgeber" zu, darf sich aber nicht einmischen. Die Teilnehmer kommen nach festgelegtem Zeitraum zu mehreren Hypothesen und Lösungsvorschlägen. Der "Fallgeber" kann diese danach kommentieren, muss sich aber nicht auf eine Lösung verpflichten.

Diese Regeln werden vorab in einem gesonderten Seminar behandelt und beinhalten konkrete Übungen zum einfühlsamen Nachfragen oder Vermeiden von rechthaberischen Äußerungen.

"External Peer Reflection" in der Führungspraxis

So machen es auch die fünf süddeutschen Unternehmen. Vor jedem Durchgang halten sie einen Workshop ab, in dem spezielle Trainer den praktischen Ablauf der kollegialen Beratung und die damit verbundene Kommunikationskompetenz schulen. Bei der Auswahl der Teilnehmer achten die Firmen darauf, dass die Personen bereits mehrere Personalentwicklungsmaßnahmen durchlaufen haben und eine stabile Persönlichkeit aufweisen, damit sie Kritik auch richtig annehmen können.

Zukunftsmodell der Personalentwicklung

Experten loben die Zusammenarbeit als einzigartig und bemerkenswert. Kim-Oliver Tietze, der bereits Grundlagenwerke zur kollegialen Beratung veröffentlicht hat, hält das Projekt für einzigartig und bemerkenswert, da Firmen in der Regel eher auf Kooperationsformen mit dem Kunden oder Lieferanten setzen. Auch die Teilnehmer der kollegialen Beratung sprechen von einer sehr wirksamen Methode des Lernens. Sie sehen darin die ideale Form der firmenübergreifenden Vernetzung.

Schlagworte zum Thema:  Personalentwicklung, Führung, Kollegiale Beratung

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