Führungskräfte zeigen erschütternd wenig Kenntnis von ESG
Seit der Verabschiedung der Corporate Social Responsibility Directive (CSRD) durch das EU-Parlament ist es amtlich: In naher Zukunft werden auch kleinere kapitalmarktorientierte Unternehmen in einem Nachhaltigkeitsbericht Rechenschaft über Ihre Aktivitäten im Bereich ESG (Environment, Social, Governance) Rechenschaft ablegen müssen.
Doch obwohl die Anforderungen hinsichtlich nachhaltigen Wirtschaftens und nachhaltiger Unternehmensführung steigen, scheint sich nur ein Bruchteil der Führungskräfte in Deutschland der Bedeutung des Themas bewusst zu sein. Das zeigt das Odgers Berndtson Manager Barometer 2022-2023, in dem über 1.500 Führungskräfte in Deutschland unter anderem auch zur Verankerung des Themas Sustainability in ihrem Unternehmen befragt wurden.
Führungskräfte kennen die eigenen ESG-Kriterien nicht
Zwar beteuerten fast 75 Prozent der befragten Führungskräfte, dass ESG ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie oder auch der Unternehmenskultur sei, gleichwohl kannten aber nur 43 Prozent der Befragten die ESG-Faktoren in ihrem Unternehmen. Nur etwas mehr als ein Fünftel der Führungskräfte geht davon aus, dass auch ihre Mitarbeitenden die Inhalte der strategischen ESG-Projekte und -Maßnahmen kennen.
Durch besondere Unkenntnis, so die Studienautoren, zeichneten sich die Befragten aus den Unternehmensbereichen Recht, Steuer und Compliance aus. In dieser Gruppe konnten nur 13,6 Prozent sagen, dass ihnen die ESG-Faktoren im Unternehmen bekannt seien. Keiner der Befragten aus diesen Unternehmensbereichen glaubt, dass seine Mitarbeitenden über ESG-Kriterien informiert sind.
Umsetzung von ESG-Zielen in den Unternehmen noch schwach
Und auch an der konkreten Umsetzung hapert es: Weniger als die Hälfte (47,3 Prozent) der Befragten hält es für wichtig, dass ESG-Ziele mit konkreten Maßnahmen belegt sind. 15,2 Prozent gaben an, dass ESG-Ziele auch auf Mitarbeitendenebene definiert worden seien. Bei den Maßnahmen im Unternehmen, die mit ESG-Kriterien belegt werden, handelt es sich in erster Linie um Anstrengungen zum Klimaschutz (70 Prozent), es folgen mit 50 Prozent Weiterbildungsmaßnahmen.
Doch obwohl, so die Studienautoren, gerade Maßnahmen zum Klimaschutz gezeigt haben, dass sie ein Innovationstreiber sein können, sieht der Großteil der Befragten zwischen ESG und Innovationen keinen Zusammenhang. Lediglich 21 Prozent konnten in der Umfrage bestätigen, dass ESG-Themen ins Innovationsmanagement ihres Unternehmens einfließen, nur 9,4 Prozent der Teilnehmenden sagten, dass in ihrem Unternehmen Innovationen nach ESG-Kriterien beurteilt werden. Viel eher nehmen die meisten der Befragten ESG-Themen als externe Anforderung der Stakeholder denn als Innovationstreiber wahr.
Die Überzeugung fehlt - ESG wird in vielen Unternehmen rein shareholdergetrieben betrachtet
Das zeigt sich auch hinsichtlich des inneren Engagements der Führungskräfte für die Themen Umwelt, Soziales und Governance. Im Manager Barometer zu ihrer Einschätzung befragt, ob das ESG-Engagement bereits Teil der Unternehmensstrategie oder vornehmlich kapitalmarktgetrieben ist, erklärte lediglich ein Drittel der Führungskräfte, dass ESG ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie sei. Etwas mehr, nämlich 44,5 Prozent, sehen ESG als ein Element der Unternehmenskultur in ihrem Unternehmen. Gleichzeitig gaben 23,3 Prozent an, dass in ihrem Unternehmen die Teams für Nachhaltigkeits-, Risiko- und Finanzberichterstattung sowie das Investor- Relations-Team eng zusammenarbeiten. Für die Studienautoren ein weiterer Beleg dafür, dass ESG von den Führungskräften als Shareholdergetrieben gesehen wird.
Nicola Müllerschön, Partnerin Odgers Berndtson resümiert: "Wir wollten wissen, ob das Bewusstsein für die ESG-Faktoren bereits in den Unternehmenswerten verankert ist oder vornehmlich als strategisches Asset für die Bewertung am Kapitalmarkt dient. Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass ESG noch längst nicht ins Herz der Unternehmen gedrungen ist."
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