Troubleshooter fühlen sich überfordert
Die Organisationsberatung OSB International befragte für ihre Studie 600 Führungskräfte und 1.500 Mitarbeiter in österreichischen und deutschen Unternehmen. Demnach erleben die Mitarbeiter ihre Führungskräfte häufig als getriebene und gehetzte Troubleshooter. Das passt auch zur Selbsteinschätzung der Vorgesetzten: Jede zweite Führungskraft (56 Prozent) sieht sich der Befragung zufolge nicht mehr in der Lage, die Dinge zu steuern, und fühlt sich vom Unternehmen unablässig überfordert. Nahezu die Hälfte (49 Prozent) gab an, ihre Mitarbeiter klagten über fehlende Orientierung und ihren Workload. Dabei ginge es den Führungskräften ebenso, sie ließen sich aber nichts anmerken.
"Diese Ergebnisse sind sehr beachtlich. Viele Führungskräfte schrammen am Burnout vorbei. Da noch die Kraft aufzubringen, Mitarbeiter bei unsicheren Rahmenbedingungen dennoch Sicherheit zu geben und die Vision für das Unternehmen klar zu machen, ist sehr herausfordernd", so Tania Lieckweg, Partnerin der OSB. Für die Vorgesetzten sollte es sich jedoch lohnen, diese Herausforderung anzunehmen, denn 55 Prozent der Führungskräfte und 50 Prozent der Mitarbeiter sind der Studie zufolge der Meinung, eine gute Führungskraft solle sich für das Wohlergehen und die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter verantwortlich fühlen. Zum Vergleich: Nur jeweils rund zehn Prozent nannten hier die Verantwortlichkeit für den (wirtschaftlichen) Erfolg des Unternehmens.
Rund die Hälfte wünscht sich mehr persönliche Gespräche
Doch wie kann eine Führungskraft unter den schwierigen Umständen das Vertrauen der Mitarbeiter gewinnen? Den Studienerkenntnissen zufolge entsteht Vertrauen in die Führung in erster Linie durch die Fairness im Umgang mit den Mitarbeitern, die Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Verbindlichkeit von Entscheidungen und die Fähigkeit, Mitarbeitern zuzuhören. Die Autoren der Studie empfehlen außerdem, dass sich Führungskräfte unbedingt mehr Zeit für die Kommunikation mit ihren Mitarbeitern nehmen sollten: "Erfolgreiche Führung wird unter anderem dadurch verhindert", so Margit Oswald, Partnerin der OSB, "dass Führungskräfte zu wenig Zeit in die Anliegen ihrer Mitarbeiter investieren. Diese Zeit benötigt man allerdings, um das Vertrauen zu gewinnen – sie wäre also sehr gut investiert." Laut Studie wünschen sich rund die Hälfte der Führungskräfte und Mitarbeiter mehr Zeit für persönliche Gespräche.
Weiterhin hinge erfolgreiche Führung davon ab, wie es Führungskräften gelänge, Mitarbeiter zu mobilisieren und zu motivieren, so Oswald. "Dazu sind verbindliche Entscheidungen, Offenheit für Neues und Flexibilität bezüglich der Strukturen und Prozesse wichtig. Unverzichtbar sind aber vor allem Sozialkompetenz, Glaubwürdigkeit und Konfliktfähigkeit der Führungskräfte."
Die Studienautoren werten übrigens die kritische Selbsteinschätzung der Führungskräfte als positive Entwicklung, denn "ganz offensichtlich gehen Führungskräfte heute ehrlicher mit sich selbst um und suchen Auswege. Hier greifen zunehmend auch Coaching und Führungskräfte-Training," so kommentiert Lieckweg die Ergebnisse.
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