Bitte recht humorvoll
So sollten Führungskräfte ihren Humor etwa nicht dadurch ausdrücken, dass sie Teammitglieder zur Belustigung anderer verspotten. Denn als Voraussetzungen dafür, dass Humor in der Führung von Erfolg gekrönt ist, stellten die Studienautoren fest, müsse dieser sozial, wohlwollend und positiv sein.
Forscher unterscheiden sozialen von aggressivem Humor
Das ist die Quintessenz einer Studie, die die Mannheimer Psychologen Alexander Pundt und Felicia Herrmann gerade im "Journal of Occupational and Organizational Psychology" veröffentlicht haben. Für ihre Studie baten die Autoren insgesamt 152 Personen aus verschiedenen Berufsbranchen in einem Online-Fragebogen, ihre Beziehung zu ihren Führungskräften und deren Humor zu beurteilen. Dabei unterschieden die Autoren sozialen Humor – etwa, mit anderen freundschaftlich zu scherzen, um sie zu erheitern – von aggressivem Humor, der durch Auslachen oder Verspotten zum Ausdruck kommt.
Die Befragten sollten den Humor ihrer Führungskraft anhand einer Reihe von Äußerungen beurteilen wie "Meine Führungskraft mag es, andere zum Lachen zu bringen" oder "Wenn meine Führungskraft jemanden nicht leiden kann, nutzt sie oft Humor, um denjenigen zu verspotten". Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler auch Fragen zur Beziehung der Probanden zu ihrer Führungskraft, etwa wie stark sich diese mit ihrem Chef identifizieren und wie stark dieser das Potenzial der Mitarbeiter fördert.
Die Teilnehmer füllten den Fragebogen nach sechs Wochen erneut aus. Damit wollten die Studienautoren untersuchen, wie sich die Beziehung zwischen Proband und Führungskraft in der Zwischenzeit verändert hatte, und ob die erste Humoreinschätzung sich auf die Beziehungseinschätzung bei der zweiten Befragung auswirkte.
Humor als Identifikationsangebot an Mitarbeiter
Die Analyse der Zusammenhänge zwischen den Humor- und den Beziehungsbewertungen zeigten: Mitarbeiter, deren Führungskräfte häufig positiven Humor nutzten, bewerteten die Beziehung zu ihren Vorgesetzten nach Ablauf der sechs Wochen positiver. Zudem identifizierten sie sich mehr mit ihrer Führungskraft. Mitarbeiter hingegen, deren Führungskräfte aggressiven Humor zeigten, beurteilten die Beziehung zu ihrem Vorgesetzten schlechter.
Die Autoren vermuten, dass Mitarbeiter das humorvolle Auftreten einer Führungskraft als ein Angebot ansehen, sich mit ihr zu identifizieren, während aggressiver Humor eher zu Distanz führt.
"Auch im seriösen Wirtschaftsleben hat Humor also einen berechtigten Platz", sagt Ko-Studienautor Pundt. "Aufgrund der Ergebnisse unserer Studie sehe ich jedenfalls keinen Grund, Humor - zumindest positiven Humor - aus der Führung von Mitarbeitern zu verbannen."
"Humor ist die Würze der Suppe, die man täglich auslöffelt"
Dass Humor auch in der Weiterbildung positive Effekte haben kann, haben Verena Gerner, Leiterin für Geschäftsfeldentwicklung und Marketing bei der Professio GmbH, und der Kabarettist Oliver Tissot in Ausgabe 02/2015 der Wirtschaft + Weiterbildung beschrieben. In ihrem Beitrag stellen die beiden Autoren Studienergebnisse vor, die belegen, dass Humor den Lernerfolg steigern kann. Anhand von Beispielen aus der Praxis beschreiben sie zudem, wie Tissot beim Einsatz in Organisationen bereits erfolgreich Humor eingesetzt hat, und geben Tipps, wie Personalentwickler und Trainer sich Humor in der Mitarbeiterweiterbildung zunutze machen können.
Trotz aller positiver Erfahrungen mit Humor warnen die Autoren jedoch davor, diesen als Allheilmittel einzusetzen. "Es gibt Situationen, in denen man für voll genommen werden möchte, ohne befürchten zu müssen, veralbert zu werden. Es braucht Momente der Ernsthaftigkeit und Würde, der Konzentration und der Anspannung", schreiben Gerner und Tissot in der Wirtschaft + Weiterbildung . Ein Beispiel dafür sind Prüfungssituationen. "Doch darüber hinaus ist Humor die wohlschmeckende Würze für die Suppe, die man täglich auszulöffeln hat", so das Resümee der Autoren.
Den kompletten Beitrag zum Zusammenhang zwischen Humor und Lernerfolg, "Humorvoll rangehen", lesen Sie in Ausgabe 02/2015 der Wirtschaft + Weiterbildung .
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