27.06.2012 | Virtuelle Teams

Führen auf Distanz stößt auf wenig Gegenliebe

Virtuelle Teams zu führen, ist für viele Manager noch eine große Herausforderung.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Bereits ein Drittel der Fach- und Führungskräfte arbeitet in virtuellen Teams. Ein Trend, den nicht alle einhellig begrüßen. Zu sehr überwiegen noch die Vorbehalte, zeigt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Com Team.

Nur 20 Prozent der Chefs, die auf Distanz führen, gefällt diese Form der Mitarbeiterführung. Bei ihren Mitarbeitern sind es 30 Prozent. Zwar wird mit fast 50 Prozent Zustimmung die Kosteneinsparung als größter Vorteil gesehen. Dennoch haben nur 20 Prozent bessere Ergebnisse beobachtet. Mehr Effektivität bringe die Virtualisierung auch nicht, so der Tenor der 447 befragten Fach- und Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Letztlich werden die Abhängigkeit vom Funktionieren der Technik von zwei Dritteln und die erschwerte persönliche Kommunikation von knapp 60 Prozent als größte Nachteile bewertet.

Offensichtlich leidet das Modell der virtuellen Führung noch unter erheblichen Akzeptanzschwierigkeiten. Ein Grund für die Vorbehalte: "Im virtuellen Raum verlassen Führungskräfte bekanntes Terrain. Bewährte Muster wie physische Präsenz oder Statussymbole wirken hier nicht mehr", erklärt Lorenz Forchhammer, Leiter der Studie und Com Team-Vorstand.

Management by Smartphone

Der Austausch zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern findet derzeit überwiegend über Smartphone und Telefonkonferenz statt. In Zukunft werden verstärkt auch Videokonferenzen und Tablet-PCs hinzukommen. Gerade die Auswirkungen der neuen Medien werden von den Befragten jedoch zwiespältig betrachtet: Einerseits erwarten 80 Prozent künftig eine starke Belastung durch „always on“ und fast ebenso viele eine Informationsüberflutung.

Anderseits würden die neuen Technologien und Arbeitsformen mehr Freiheit, besseres Wissensmanagement und schnellere Ergebnisse bringen, sind viele der Fach- und Führungskräfte überzeugt. "Belastungen einerseits, Freiheit andererseits sind zwei Seiten einer Medaille", so Forchhammer. Sein Rat: "Unternehmen sollten einen klaren Rahmen für die Nutzung neuer Kommunikationsmedien und -formen setzen, um Mitarbeitenden die Sorge vor den Belastungen zu nehmen."

Gute Kommunikationsfähigkeit wichtiger denn je

Jungen Führungskräften wird – wenig überraschend – die höchste, dem Top-Management die geringste Medienkompetenz zugeschrieben. "Generell müssen Führungskräfte die Technik- und Medienkompetenz noch stark verbessern, um die Potenziale neuer Medien und Arbeitsformen besser auszuschöpfen", sagt Forchhammer. Noch wichtiger aber sei Kommunikationskompetenz: "Führen aus der Ferne braucht manchmal ein paar Worte mehr, um Verbindung und Verbindlichkeit zu schaffen. Die Beziehungsebene wird zu oft außen vor gelassen."

Ohnehin ist Kommunikationsfähigkeit ganz oben auf der Liste der Kompetenzen, die Führungskräfte nach Einschätzung der Befragten verstärken oder neu entwickeln müssen, um künftigen Herausforderungen gewachsen zu sein. Es folgen Empathie und Zuhören.


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