08.02.2016 | Fehlzeiten

Erst gefeiert - dann krank?

Zu viel Fastnachtstrubel kann die Arbeitsmoral senken. Doch längst nicht jeder Mitarbeiter, der sich jetzt krank meldet, macht tatsächlich blau.
Bild: Willi Doerr ⁄

Gerade in der Fastnachtszeit häufen sich die Krankmeldungen – und schnell wird vermutet, dass mancher Mitarbeiter nicht nur heftig gefeiert, sondern anschließend auch krank gefeiert hat. Eine Umfrage zeigt, inwieweit das Misstrauen begründet ist.

Tatsächlich, so zeigt eine Befragung von mehr als 1.000 deutschen Arbeitnehmern, die das Marktforschungsinstitut Harris Interactive im Auftrag von Glassdoor durchgeführt hatte, bekennen sich rund zehn Prozent der deutschen Arbeitnehmer zum vereinzelten „blau machen“. Wobei der Anteil der simulierenden Männer mehr als doppelt so hoch wie der der Frauen ist: Fast vierzehn Prozent der männlichen Arbeitnehmer, aber nur knappe sechs Prozent der Frauen gaben in der Studie an, bereits jetzt zu planen, dass sie im nächsten Monat einen Tag krankfeiern wollen.

Extrazeit wird erschlichen zum Shoppen oder für Besuche

Die Gründe für das unerlaubte Fernbleiben von der Arbeit sind weitgehend die gleichen: 60,7 Prozent der Befragten  geben als Motiv an, schlicht eine Pause machen zu wollen, 38,7 Prozent rechtfertigen das Krankfeiern damit, dass sie hart gearbeitet und es daher verdient hätten. Interessant: 10,7 Prozent geben zu, dass sie den „unverhofft“ freien Tag zum Shopping nutzen wollen – 18,2 Prozent  für den Besuch von Freunden oder Familie.

Jüngere Arbeitnehmer machen eher blau

Im Vergleich der Generationen zeigt sich dass die jüngeren Altersgruppen anfälliger für eine zu  großzügige Auslegung der Anwesenheitspflicht sind: Etwa jeder Siebte unter 24 Jahren (15,7  Prozent) plant trotz guter körperlicher Verfassung in der Erkältungssaison einmal blauzumachen. Bei den über 55-Jährigen ist so ein Verhalten eher eine seltene Ausnahme. In dieser Altersgruppe würde nicht einmal jeder Zwanzigste (4,7 Prozent) einen Tag aussetzen, wenn die Gesundheit ihn nicht dazu zwingt.

Krank zur Arbeit aus Angst vor Jobverlust

Doch auch das Gegenteil kommt vor – mit ebenfalls nachteiligen Folgen für das Unternehmen: Viele Arbeitnehmer in Deutschland gehen lieber zur Arbeit, als sich zu Hause auszukurieren (Präsentismus).  28,4 Prozent der Befragten geben an, aus Angst um den Job auch krank am Arbeitsplatz zu erscheinen. Bei einer Erkältung bleibt sogar weniger als jeder Zweite der Arbeit fern. Wie die Ergebnisse der Befragung zeigen, gönnen sich rund 60 Prozent der Deutschen bei Husten, Schnupfen und Heiserkeit nicht einmal einen Tag Erholung.

Männer bleiben bei Erkältungen eher zu Hause als Frauen

Und auch hier lassen sich wieder Generationsunterschiede feststellen: Junge Arbeitnehmer neigen eher dazu, bei einer Erkältung auch einmal nicht zur Arbeit zu erscheinen (48,7 beziehungsweise 41,3 Prozent), während die Gruppe der älteren Arbeitnehmer im Generationenvergleich offenbar am meisten einstecken kann. Nur 29,7 Prozent der 55-64-Jährigen bleiben erkältet der Arbeit fern. Im Geschlechtervergleich werden Klischees bestätigt: Männer (43 Prozent) scheinen unter Erkältungssymptomen heftiger zu leiden als Frauen (35,4 Prozent) und nehmen sich eher einmal einen Erholungstag.

 

Schlagworte zum Thema:  Krankheit, Präsentismus

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