Sieben Todsünden der Auslandsentsendung
Auslandsprojekte verschlingen im Unternehmen viele Ressourcen, insbesondere Personal und Geld. Umso schlimmer, wenn die Entsendung scheitert. Helmut Berg, Geschäftsführer der RSB Deutschland GmbH, nennt die schlimmsten Fehler, die ihm in der Entsendepraxis deutscher Unternehmen begegnet sind.
Todsünde Nummer 1: Das Touristenvisum
Mitarbeiter mit einem Touristenvisum mal eben so quasi nebenbei in das Zielland zu entsenden, kommt immer noch viel zu häufig vor. Dabei sind die Risiken enorm: Hohe Strafen für die Firma und auch für den Mitarbeiter, möglicherweise ein Beschäftigungsverbot sowie besonders strenge Beaufsichtigung der Firma machen die Arbeit insgesamt nicht einfach. Compliance, also die strikte Einhaltung gerade auch der Einreise-, Visa- und Aufenthaltsbestimmungen sind ein absolutes Muss.
Todsünde Nummer 2: Learning by Doing
Learning by Doing ist ein viel zu teurer Weg, um zu erfahren, wie Entsendungsprozesse gestaltet werden sollten. Viele Firmen sind überrascht, welche Hürden bei der Beschäftigung im Ausland bestehen und verfügen häufig nicht über ausreichend Personal und Know-how in den Personalabteilungen.
Todsünde Nummer 3: Vernebelte Kostenschätzung
Zu Beginn des Projekts wird häufig mit unrealistischen Annahmen im Kostennebel herumgestochert. Arbeitgeber registrieren erst im Nachhinein, dass ihnen Informationen und Know-how fehlen, um die wahren Kosten über den Gesamtzeitraum der Entsendung abzuschätzen.
Todsünde Nummer 4: Zu enger Blickwinkel
Eine Entsendung ist keine Urlaubsreise. Der Stress, den der Wechsel in eine fremde Kultur verursacht, wird vielfach unterschätzt. Von einer Entsendung ist auch fast nie nur eine Person betroffen. Ein Wechsel der Perspektive bei der Planung und Koordination der Entsendung verhilft zu der Erkenntnis, dass oft nicht nur eine Person entsendet wird, sondern eine Gruppe, eine Familie, von denen nur eine Person der Stelleninhaber ist. Hier sollten Personaler den Leitspruch "A Family Makes or Breaks an Assignment“ beachten.
Auch im Interesse des Arbeitgebers und des Projekterfolgs ist eine gründliche interkulturelle Vorbereitung für den Mitarbeiter und seine Familie unbedingt erforderlich – auch wenn die Kultur im Zielland recht nah erscheinen mag.
Todsünde Nummer 5: Komplexität wird unterschätzt
Eine Auslandsentsendung ist ein komplexes System mit vielen voneinander abhängigen individuellen Variablen. Die erhöhte Fürsorgepflicht gegenüber dem Arbeitnehmer bedeutet, die Wechselwirkungen von Steuer-, Sozialversicherungs-, Arbeits- und Immigrationsrecht aktiv zu managen und sich mögliche negative Folgen bewusst zu machen.
Todsünde Nummer 6: Image der Entsendung verbrennen lassen
Fühlt sich die zu entsendende Person mit ihren Fragen und Problemen alleingelassen, wird sie schnell unzufrieden und eine Auslandsentsendung bekommt in der Firma einen schlechten Ruf. Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen, in denen entsendungswillige Fachkräfte rar sind, gilt es, die interne Rekrutierung sorgfältig zu planen. Die Unternehmensleitung muss dafür sorgen, dass die Herausforderung einer örtlichen Veränderung für potenzielle Expats attraktiv bleibt.
Todsünde Nummer 7: Rückkehr wird nicht ordentlich geregelt
Nach Todsünde Nummer 1 kann dieser Punkt das Unternehmen am meisten kosten. Wenn Enttäuschungen bei der operativen oder emotionalen Wiedereingliederung ins Unternehmen erlebt werden, wird die Entsendung im Rückblick als wenig positiv angesehen. Verlassen solche erfahrenen Mitarbeiter anschließend das Unternehmen, bedeutet das nicht nur einen hohen finanziellen Verlust und einen Verlust an Know-how, sondern es sendet auch ein verheerendes Signal an die anderen Mitarbeiter. Diese könnten sich für den sicheren Weg entscheiden und verharren lieber am festen heimischen Arbeitsplatz. Dieser Fachkräftemangel macht dann eventuelle weitere Expansionspläne zunichte.
Hinweis: Welche Probleme entstehen können, wenn bei Auslandsentsendungen insbesondere bei der Sozialversicherung des Arbeitnehmers Fehler passieren, lesen Sie im Beitrag "Kleine Fehler mit fatalen Folgen" im nächsten Personalmagazin (Ausgabe 09/2014).
-
Workation und Homeoffice im Ausland: Was Arbeitgeber wissen müssen
631
-
Essenszuschuss als steuerfreier Benefit
501
-
BEM ist Pflicht des Arbeitgebers
374
-
Probezeitgespräche als Feedbackquelle für den Onboarding-Prozess
262
-
Ablauf und Struktur des betrieblichen Eingliederungsmanagements
204
-
Acht rettende Sätze für schwierige Gesprächssituationen
199
-
Vorlage: Leitfaden für das Mitarbeitergespräch
191
-
Mitarbeiterfluktuation managen
1804
-
Warum Offboarding an Bedeutung gewinnt
150
-
Das sind die 25 größten Anbieter für HR-Software
149
-
Wie der berufliche Wiedereinstieg gelingt
20.03.2026
-
HR-Kosten steigen trotz Sparzwang
19.03.2026
-
"Wir wollen Transformation in Echtzeit abbilden"
18.03.2026
-
Warum Organisationen eine Talent Roadmap brauchen
18.03.2026
-
Fünf Tipps für erfolgreiche HR-Software-Projekte
18.03.2026
-
Warum mehr Tools oft zu mehr Aufwand führen
18.03.2026
-
Psychopathische Chefs – Mythos oder Realität?
18.03.2026
-
Hilfe für Mitarbeitende im Krisengebiet
17.03.2026
-
In sechs Schritten zum Mobilitätskonzept
17.03.2026
-
Steuerfreier Sachbezug: Ein strategisches HR-Instrument
16.03.2026