Die Weiterbildungsunternehmen müssen nun gute Lernkonzepte aufstellen, um digitale Kompetenzen zu vermitteln. Bild: mauritius images / Denis Putilov / Alamy

Beschäftigte äußern Bedenken, dass aktuelle Weiterbildungsangebote sie nicht ausreichend auf die digitalisierte Produktion vorbereiten. Weiterbildungsanbieter sollten sich gegenseitig austauschen, um ihre Kunden dabei unterstützen zu können.

Auf Roboter und künstlicher Intelligenz in Werkshallen und Büros fühlt sich die große Mehrheit der Arbeitnehmer in Deutschland offenbar nur unzureichend vorbereitet. In einer internationalen Umfrage im Vorfeld der Robotik- und Automationsmesse Automatica in München gaben lediglich 16 Prozent der 1.000 Befragten in Deutschland ihrem Arbeitgeber die Schulnote eins oder zwei für Aus- und Weiterbildungsprogramme. Nur gut ein Fünftel der Arbeitnehmer in Deutschland hat demnach den Eindruck, dass ihr Arbeitgeber entsprechende Angebote vorantreibt.

Deutschland liegt bei digitaler Weiterbildung hinten

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland damit schlechter ab als der Rest Europas, Asiens und den USA.  Im Durchschnitt der sieben Länder - befragt wurden insgesamt 7.000 Personen - befand ein knappes Viertel der Arbeitnehmer, dass solche Ausbildungsangebote bei ihren Arbeitgebern bereits erfolgreich etabliert seien.

Dabei sehen die Befragten die Job-Aussichten in der Industrie 4.0 durchaus positiv.  Etwa die Hälfte der Befragten in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Japan hofften auf mehr qualifizierte und besser bezahlte Jobs, in China und den USA sind es sogar 80 Prozent.

Mehr Aus- und Weiterbildung gefordert

Gewerkschaften und Politik fordern dafür vermehrte Anstrengungen in Aus- und Weiterbildung. Zumindest in der Metall- und Elektroindustrie aber stagniere die Weiter- und Ausbildungsquote, hatte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann kürzlich in einem auf der Homepage der Gewerkschaft veröffentlichten, internen Interview beklagt. Solange die Auftragsbücher in den Betrieben voll seien und die Personaldecke knapp bemessen bleibe, werde allenfalls das Notwendigste qualifiziert. Das sei ein kurzfristiges Denken zu Lasten der langfristigen Perspektiven der Beschäftigten.

Studie empfiehlt Hilfe von Weiterbildungsunternehmen

Wer den Unternehmen dabei helfen kann, ihre Belegschaften auf die digitale Arbeitswelt vorzubereiten, hat kürzlich eine vom Hessischen Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie „Wirtschaft digital“ ermittelt. Betriebe, die unsicher sind, welche Veränderungen die Digitalisierung für sie mit sich bringt oder deren Belegschaften wenig aufgeschlossen für den digitalen Wandel sind, sollten sich demnach von Weiterbildungsunternehmen begleiten lassen. Geeignet seien vor allem solche Anbieter, die selbst schon weit im Digitalisierungsprozess vorangekommen seien, sagte Oliver Lauxen, einer der Autoren der Studie.

Passende Lernkonzepte wichtiger denn je

Ebenfalls wichtig sei das passende Lernkonzept. Externe Seminarangebote seien weniger gefragt, dafür sei das in den Arbeitsprozess integrierte, auf Abruf oder individualisierte Lernen im Kommen, für das im betrieblichen Alltag Freiräume geschaffen werden sollten.

Die Studie empfiehlt außerdem, den Erfahrungsaustausch zwischen Weiterbildungsanbietern zu verstärken. Weiterbildner, die der Digitalisierung und modernen Lernformen sehr skeptisch gegenüberstehen, sollten von Weiterbildnern lernen, die bereits selbst hochdigitalisiert seien.


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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Weiterbildung

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