Ausbildungsinhalte noch zu wenig auf Digitalisierung und Industrie 4.0 ausgerichtet
Obwohl – oder gerade weil – der Azubi-Mangel die duale Ausbildung in den vergangenen Jahren stark beeinträchtigt hat, ist der Stellenwert der dualen Ausbildung in den Betrieben hoch. Das zeigt die aktuelle Studie "Azubi-Recruiting-Trends 2016": Zwei Drittel der befragten Ausbildungsverantwortlichen bewerten die finanziellen Ressourcen, die ihnen für die betriebliche Ausbildung zur Verfügung stehen, als „gut“ oder „sehr gut“. Die personellen Ressourcen sehen immerhin noch 59 Prozent als „gut“ oder „sehr gut“ an. „Chefsache“ ist die Ausbildung in immerhin 64 Prozent der befragten Betriebe.
Azubis fühlen sich für ihre berufliche Zukunft gut gerüstet
Auch die meisten Azubis sehen sich mit einer dualen Ausbildung gut für die berufliche Zukunft gerüstet. „Mit einer Ausbildung hat man etwas Handfestes und lernt nicht nur Theorie“, sagen 90 Prozent der Befragten. Der Aussage „Eine Ausbildung ist etwas Solides und studieren kann ich immer noch“ stimmen 88 Prozent zu. 59 Prozent sind außerdem der Meinung: „Mit einer Ausbildung bin ich mindestens genauso gut für meine berufliche Zukunft aufgestellt wie mit einem Studium.“
Ausbildungsinhalte: Zukunftsthemen spielen in der Ausbildung kaum eine Rolle
Zwar ist sich die Mehrheit der befragten Ausbildungsverantwortlichen einig darin, dass Digitalisierung und Industrie 4.0 die Anforderungen an die beruflichen Tätigkeiten und somit auch die Berufsausbildung verändern werden. Aber in der Praxis sind diese Veränderungen noch kaum angekommen. Bislang spielen die Themen „Industrie 4.0“ und „Digitalisierung“ nur in gut einem Drittel der Ausbildungsbetriebe (35 Prozent) eine Rolle.
62 Prozent der Befragten sind jedoch der Ansicht, dass im Zusammenhang mit diesen Themen andere Ausbildungsinhalte kommen werden. 49 Prozent sagen, dass „andere Ausbildungsinhalte“ notwendig werden, und 45 Prozent sind der Ansicht, dass „eine völlig andere Schulung der Ausbilder“ erforderlich wird. Nur in 17 Prozent der befragten Unternehmen sind die Ausbildungsverantwortlichen schon jetzt auf die entsprechenden Inhalte geschult.
Azubis beargwöhnen die zunehmende Automatisierung
Wie denken (angehende) Azubis über die mit Digitalisierung und Industrie 4.0 verbundenen Veränderungsprozesse? Sehen sie eher hoffnungsvoll oder angstvoll auf Veränderungen wie eine zunehmende Mensch-Maschinen-Kommunikation und verstärkte Digitalisierung? „Die Arbeitswelt wird immer stärker digitalisiert“ ist eine Entwicklung, die Schüler und Azubis vornehmlich mit dem Gefühl „Hoffnung“ verbinden (51 Prozent). Nur für 28 Prozent der Befragten ist diese Zukunftsprognose mit „Angst“ verbunden.
Anders sieht das aber bei Veränderungen aus, die im Kontext von Industrie 4.0 zu erwarten sind: „Einfache, sich wiederholende Tätigkeiten werden von Maschinen übernommen“, ist eine Entwicklung, die 52 Prozent der Befragten angstvoll antizipieren und nur 30 Prozent hoffnungsvoll betrachten. „In Zukunft werden Maschinen mit Maschinen kommunizieren“, ist eine Prognose, die 67 Prozent der Befragten mit „Angst“ und lediglich 20 Prozent mit „Hoffnung“ erfüllt.
Die eigene Ausbildung zukunftsfest machen
Für die doppelperspektivische Studie „Azubi-Recruiting-Trends 2016“ wurden 3.343 Azubi- Bewerber und Auszubildende sowie 1.295 Ausbildungsverantwortliche befragt. Fakt ist: Die Zukunftsthemen „Industrie 4.0“ und „Digitalisierung“, die der Initiator U-Form-Testsysteme auf Anfrage des Personalmagazins in die diesjährige Studie integrierte, berühren nicht alle Branchen von Maschinenbau über Verlagswesen bis Hotellerie und Gastronomie gleich stark. Wie die Studie jedoch zeigt, sind längst nicht alle Ausbildungsbetriebe, für die diese Themen relevant sind, auf die anstehenden Herausforderungen vorbereitet.
Eine Handlungsempfehlung für die Ausbildungsverantwortlichen derjenigen Betriebe, für die Digitalisierung und Industrie 4.0 relevante Themen sind, lautet deshalb: Gehen Sie in den Dialog mit den Personen, die für die strategische Ausrichtung des Unternehmens verantwortlich sind und leiten Sie daraus die Anforderungen an eine zukunftsfeste duale Ausbildung sowie die nötigen Folgeschritte ab. Betriebe, die schon jetzt ihre Ausbildungsinhalte zukunftsfest machen, erhalten damit wertvolle Argumente für die Güte ihrer Ausbildung und sollten diese auch in die Azubi-Kommunikation einfließen lassen.
Weitere Informationen zur Studie und Bestellmöglichkeit
-
Workation und Homeoffice im Ausland: Was Arbeitgeber wissen müssen
328
-
Acht rettende Sätze für schwierige Gesprächssituationen
294
-
Essenszuschuss als steuerfreier Benefit
253
-
BEM ist Pflicht des Arbeitgebers
201
-
Probezeitgespräche als Feedbackquelle für den Onboarding-Prozess
140
-
Mitarbeiterfluktuation managen
1354
-
Der große NLP-Bluff Teil I: Wie alles begann
1218
-
Das sind die 25 größten Anbieter für HR-Software
113
-
Warum Offboarding an Bedeutung gewinnt
110
-
Studie offenbart zu wenige Strukturen beim Onboarding
90
-
Elektronische Entgeltunterlagen ab 2027: So setzen Sie die neue BVV-Pflicht rechtzeitig um
13.07.2026
-
Zwei Formen der Resilienz
09.07.2026
-
Berufsorientierung auf Augenhöhe
08.07.2026
-
Deel: "Wir können 24/7-Support anbieten"
08.07.2026
-
"Wir sind noch nicht ganz papierfrei"
07.07.2026
-
Reformvorschläge zu Fehlzeiten: Symptombekämpfung statt Heilung
03.07.2026
-
Ergebnisorientierung bremst Entwicklung
02.07.2026
-
Mitarbeiterbindung beginnt bei der Gehaltsabrechnung
02.07.2026
-
So wird BGM vom Maßnahmenkatalog zum Steuerungsinstrument
30.06.2026
-
Von Inspiration zur Umsetzung: Warum sich die ZP Europe 2026 lohnt
29.06.2026