0

| Digitalisierungsindex

Gewerbliche Wirtschaft in Deutschland hinkt bei Digitalisierung hinterher

Die Digitalisierung in Deutschland muss schneller und dynamischer vorangetrieben werden.
Bild: Haufe Online Redaktion

Laut Wirtschaftsindex "Digital" erreicht Deutschland beim Digitalisierungsgrad seiner gewerblichen Wirtschaft gerade einmal 49 von 100 möglichen Indexpunkten. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich nur auf Platz sechs.

Der Wirtschaftsindex "Digital" wird von TNS Infratest und dem ZEW im Auftrag des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erhoben und zeigt erstmals den Digitalisierungsgrad der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland nach Branchen differenziert auf.  Beobachtet werden elf Kernbranchen in fünf Digitalisierungsdimensionen.  Der Index gibt Auskunft darüber, wie weit die Digitalisierung in jedem Wirtschaftsbereich vorangeschritten ist, wie hoch das Digitalisierungstempo künftig sein wird und welche Hürden bestehen.

Deutschland bei Digitalisierung nur auf Platz sechs

Insgesamt erreichte die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland gerade einmal 49 von 100 möglichen Indexpunkten. Im Vergleich zum Vorjahr fiel Deutschland im Ländervergleich damit um einen Platz zurück und liegt jetzt auf Platz sechs. China verbesserte sich dagegen um 7 auf 55 Indexpunkte und rückt von Platz sieben zusammen mit Japan auf den vierten Rang vor. Die USA bleiben mit 80 Indexpunkten deutlicher Spitzenreiter vor Südkorea (66) und Großbritannien (57). Für 2020 prognostizieren die Unternehmen in Deutschland  einen verhaltenen Anstieg auf 56 Punkte.

IKT-Wirtschaft erreicht den höchsten Digitalisierungsgrad

Einzig die IKT-Wirtschaft erreicht mit 66 Indexpunkten derzeit den höchsten Digitalisierungsgrad und fällt damit in die Kategorie "stark überdurchschnittlich digitalisiert". Die IKT-Wirtschaft ist Vorreiter der digitalen Transformation in Deutschland. Prognostiziert wird diesem Wirtschaftsbereich für 2020 ein Wert von 71 Punkten.

Wissensintensive Dienstleister überdurchschnittlich, Handel nur durchschnittlich digitalisiert

Als überdurchschnittlich digitalisiert gelten wissensintensive Dienstleister mit heute 59 und in fünf Jahren 62 Indexpunkten. Finanz- und Versicherungsdienstleister erreichen heute 55 Indexpunkte und 2020 ebenfalls 62 Indexpunkte. Durchschnittlich digitalisiert zeigt sich mit 50 Indexpunkten im Jahr 2015 der Handel. Prognostiziert wird ihm eine Verbesserung um sechs Punkte. Die Energie- und Wasserversorgung (2015: 47 Punkte) verbessert sich um zwölf Punkte und soll in fünf Jahren 59 Indexpunkte erreichen.

Hohes Digitalisierungtempo im Maschinenbau und verarbeitendem Gewerbe

Unterdurchschnittlich digitalisiert sind und bleiben Verkehr und Logistik (2015: 40, 2020: 49 Punkte). Der Maschinenbau zeigt ein hohes Digitalisierungstempo (2015: 39 Punkte, 2020: 51 Punkte) und steigt 2020 in die nächst höhere Digitalisierungsdimension auf. Dagegen sind die Wirtschaftsbereiche Chemie und Pharma gegenwärtig unterdurchschnittlich digitalisiert (2015: 40 Punkte).

Gesundheitswesen gehört zu den Schlusslichtern bei der Digitalisierung

Stark unterdurchschnittlich digitalisiert sind und bleiben die Einrichtungen im deutschen Gesundheitswesen (2015: 36 Punkte, 2020: 44 Indexpunkte). Auch der Fahrzeugbau fällt gegenwärtig mit 37 Punkten in diese Kategorie, steigt aber 2020 mit 48 Punkten in den nächst höheren Digitalisierungsgrad auf. Ein sehr hohes Digitalisierungstempo hat das sonstige verarbeitende Gewerbe (2015: 36 Punkte, 2020: 50 Punkte), das sich bis 2020 sogar um zwei Digitalisierungsdimensionen zu „durchschnittlich digitalisiert“ verbessern wird.

Digitales Know-how der Beschäftigten ist wichtiger Erfolgsfaktor

Der Monitoring Report Wirtschaft Digital 2015 zeigt, welches die kritischen Erfolgsfaktoren sind, die einen nachhaltigen Digitalisierungsfortschritt der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland am stärksten fördern. Um den Geschäftserfolg durch Digitalisierung schnell voranzutreiben, sollten die Unternehmen ihre Anstrengungen vorrangig auf die Effizienzsteigerung interner Prozesse, Arbeitsabläufe und Ressourcen konzentrieren. Die Steigerung der Innovationsfähigkeit ist zweitwichtigster Treiber für eine beschleunigte Digitalisierung. Für die Schaffung digitalisierungsfördernder Rahmenbedingungen ist das digitale Know-how der Beschäftigten (61 Prozent) ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor.

Weitere Einflussfaktoren auf Digitalisierungsprozesse

Einen hohen Einfluss auf unternehmensinterne Digitalisierungsprozesse hat ferner die Wertschöpfungskette, sofern sie vollständig digitalisiert ist. Dies ist erst in 33 Prozent der Unternehmen der Fall, da digitale Informations- und Vertriebskanäle noch unzureichend genutzt werden. Das Angebot digitaler Kanäle zur Individualisierung von Produkten oder Services durch die Kunden, das erst in 34 Prozent der Unternehmen vollumfänglich vorhanden ist, gilt es zügig auszubauen. Kein anderer Faktor hat auf die digitale Kundenkommunikation einen so hohen Einfluss auf die Digitalisierung.

Ausbau der Fachkräfteförderung bringt Digitalisierung voran

Vordringlichste Forderung an die Poltik ist, die IT-Sicherheit zu fördern. 92 Prozent der im Rahmen des Wirtschaftsindex "Digital" befragten Unternehmen verlangen dies. Zweitwichtigste Aufgabe für die Politik sei aus Sicht der Befragten die „Förderung des Breitbandausbaus“ (90 Prozent). Auf Platz drei des Forderungskataloges folgen die Regelung des Datenschutzes und der „Ausbau der Fachkräfteförderung“ mit einer Zustimmungsquote von jeweils 78 Prozent.

Eine separate Analyse des Digitalisierungsgrads des deutschen Mittelstand folgt Ende November.


Mehr zum Thema:

Haufe Online Redaktion

Digitalisierung

Aktuell

Meistgelesen