Dr. Elke Eller, Präsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM), zeigt auf, wo sie den Verband hinführen möchte. Bild: BPM

BPM-Präsidentin Elke Eller geht dank ihrer einstimmigen Wiederwahl gestärkt in die nächste Amtszeit. Das Personalmagazin sprach mit ihr über die Bilanz ihrer bisherigen Verbandsarbeit und die neuen Ziele des Bundesverbands der Personalmanager in Zeiten der Digitalisierung.

Haufe Online-Redaktion: Als Sie vor zwei Jahren zur Präsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager gewählt wurden, waren Sie in der Personalerszene unbekannt. Jetzt wurden Sie von der Mitgliederversammlung wiedergewählt. Fühlen Sie sich in Ihrer Arbeit bestätigt?

Elke Eller: Ja. Natürlich habe ich darauf gehofft, dass der eingeschlagene Weg auch Bestätigung findet. Dass die Bestätigung dann allerdings einstimmig ausfiel, hat mich schlicht überwältigt. Ich freue mich darüber sehr.

Haufe Online-Redaktion: Als Sie das Amt übernommen hatten, folgten Sie auf Joachim Sauer, der als Gründungspräsident den Verband geprägt hat. Ihr Anspruch war es, ein Team zu formen, das den Verband führt. Ist Ihnen das gelungen?

Eller: Bei meiner Antrittsrede vor zwei Jahren habe ich gesagt, dass ich in große Fußstapfen trete und dass ich davor Respekt habe. Übrigens war das in meiner beruflichen Karriere immer so. Ich hatte Männer als Amtsvorgänger vor mir und folgte dann als erste Frau. Mein Ziel war es, aus dem Präsidium ein Team zu formen, das den Verband führen kann. Auf einer Klausurtagung haben wir anschließend je nach Schwerpunktinteressen Themenpatenschaften unter uns aufgeteilt. Jedes Mitglied hatte eine Aufgabe übernommen und war für dessen Zielerreichung verantwortlich. Das hat gut funktioniert, und zuletzt deshalb, weil wir uns jederzeit aufeinander verlassen konnten und mit viel Spaß und Freude bei der Sache waren.

Haufe Online-Redaktion: Was sehen Sie als weiteren Erfolg Ihrer zurückliegenden Amtszeit an?

Eller: Wir konnten den Verband inhaltlich neu positionieren. Heute wird der Verband als jung, frisch und modern wahrgenommen und als Ort zum Netzwerken. Das ist eines der Resultate aus unserer inhaltlichen Positionierungsarbeit. Auf unseren Kongressen bieten wir zudem nicht nur Toolboxen für Personalarbeit an, sondern hinterfragen stets die Rolle von HR innerhalb der digitalen Transformation. Nehmen Sie die Studie „Rethinking HR“ als bestes Beispiel dafür. In der Verbandsarbeit haben wir uns auf vier Themenschwerpunkte verständigt: Personalmanagement 4.0, Geschlechtergerechtigkeit, Zuwanderung und die eigene HR-Profession. Noch ist nicht alles rund, aber es wächst.


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Haufe Online-Redaktion: Bei der Vorstellung der Studie „Rethinking HR“ wurde gesagt, dass HR künftig neue Qualifikationen benötigt, beispielsweise für HR Analytics, und dass mehr HR-Leute einen cross-funktionalen Berufsweg einschlagen sollten. Was kann der Berufsverband dafür tun?

Eller: In meinem eigenen Unternehmen praktiziere ich das bereits und mache dabei gute Erfahrungen. Für die Restrukturierung des IT-Bereichs haben wir beispielsweise eine HR-Expertin eingesetzt, die bestimmte Erfahrungen hier einbringt, allerdings ist sie keine Personalerin. Diese fachübergreifende Zusammenarbeit bei Schnittstellenkompetenzen läuft sehr gut. Auch im Verband wird der cross-funktionale Berufsweg ein Thema werden, wie es sich allerdings genau ausgestalten wird, kann ich heute noch nicht sagen.

Haufe Online-Redaktion: Gibt es etwas, auf das Sie besonders stolz sind?

Eller: Ich habe den HR-Start-up-Award mit der Unterstützung der Beratung HKP Group ins Leben gerufen. Es geht dabei darum, dass Start-ups digitale Lösungen für HR vorstellen. Im vergangenen Jahr haben wir damit angefangen; in diesem Jahr ist die Veranstaltung erstmals richtig gut gelungen. Wir haben die Verleihung an das TV-Format „Höhle der Löwen“ angelehnt: Die Jury hat den Bewerbern kritische Fragen gestellt und zum Schluss hat das Publikum den Sieger per Akklamation bestimmt. Das Format ist beim Publikum sehr gut angekommen. Und für die Start-ups war das natürlich ganz großes Kino.

Haufe Online-Redaktion: Welche Ziele haben Sie sich für die neue Amtszeit gesteckt?

Eller: Es wird keine disruptive Entwicklung in der Verbandsarbeit geben, vielmehr haben wir uns vorgenommen, die Ziele und Erfolge aus den vergangenen Jahren jetzt sukzessive weiterzuentwickeln. Aber soviel sei schon einmal verraten: Die Einflüsse der Digitalisierung auf die HR-Profession werden uns weiter beschäftigen. Wir wollen bei allen technologiegetriebenen Debatten den Menschen mit seinen Lebens- und Arbeitsbedürfnissen in den Mittelpunkt rücken. Konkret wird das neue Präsidium sich im September innerhalb seiner Klausurtagung dieser Themen annehmen und inhaltlich eine Jahresagenda verabschieden.


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Haufe Online-Redaktion: Welche Impulse wollen Sie zum Thema Digitalisierung setzen?

Eller: Erinnern Sie sich daran, dass auf Kongressen meist die Best Practises präsentiert werden? Diese Blaupausen, an die sich jeder anlehnen kann, gibt es in der Digitalisierungsphase nicht. Wir möchten uns daher für die "First Practises" stark machen. Also Akteuren der ersten Stunde die Chance darauf geben, ihre Cases zu zeigen. Das geht von Zalando über Google bis zum Noname-Anbieter. Wichtig ist der Lerneffekt. Der Verband stellt gegenwärtig eine Liste mit Literaturhinweisen, Internetlinks und Ansprechpartnern zu wichtigen Themen im Umfeld der Digitalisierung zusammen, um unsere Mitglieder ganz praktisch zu unterstützen. Ein typisches Verbandsmitglied ist 45 Jahre alt, weiblich, kommt aus Nordrhein-Westfalen und arbeitet in einem mittleren Unternehmen. In der Regel hat es keine Mitarbeiter in Stabsstellen, die ihm zuarbeitet, sondern braucht konkrete Hilfestellungen, um neue Dinge umzusetzen. Wir wollen aber auch den Verband noch besser digitalisieren.


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Haufe Online-Redaktion: Was heißt das konkret?

Eller: Die BPM-App für die Mitglieder ist der erste Schritt, aber wir müssen weitermachen, hier personifizierte Services und echte User Experience bieten. Auch im Netz ist der Verband noch zu wenig präsent. Doch das wollen wir ändern. Wir starten mit einem Projekt zum Guerilla-Marketing, darauf freue ich mich. Denn wir müssen schon jetzt in jedem Fall die digitalen Wege berücksichtigen, über die wir die Jugend erreichen können.

Haufe Online-Redaktion: Wie hat sich die Mitgliederzahl in den vergangenen zwölf Monaten entwickelt?

Eller: Wir haben fast 4.400 Mitglieder und sind im vergangenen Jahr um 1,3 Prozent gewachsen.

Haufe Online-Redaktion: Das ist ganz gut, die DGFP hat im selben Zeitraum Mitglieder verloren.

Eller: Mit den 1,3 Prozent Wachstum bin ich zwar zufrieden, aber ich hoffe, dass wir in den nächsten Jahren die 5.000er-Marke knacken (lacht). Das ist für mich ein sportlicher Anspruch.

Haufe Online-Redaktion: Haben Sie untersucht, was Ihre Mitglieder von Ihnen erwarten?

Eller: Ja, in der Tat, das haben wir abgefragt. Das Überraschende ist, dass Netzwerken erst an dritter Stelle steht. Auf Platz eins der Bedürfnisse mit über 90 Prozent steht Information. Auf Platz zwei folgt die Weiterbildung.

Haufe Online-Redaktion: Wie erklären Sie sich, dass Netzwerken erst an dritter Stelle steht?

Eller: Das ist für mich ganz klar. Denn wenn ein Mitglied zukunftsweisende Entscheidungen treffen muss, braucht es die richtige Informationsgrundlage und möchte sich gegebenenfalls auch im Thema weiterbilden. Der Kontakt zu anderen wird meist erst im Anschluss daran gesucht. Allerdings gehören für die Verbandsmitglieder die Aspekte Informationen, Weiterbildung und das Netzwerken auch untrennbar zusammen.

Haufe Online-Redaktion: Wie bewerten Sie den diesjährigen Kongress? Was ist für Sie die Hauptbotschaft?

Eller: Der Kongress hat mir gezeigt, die Personaler sind bei sich selbst und ihren neuen Herausforderungen angekommen. Der Kongress hat nochmals manifestiert, wie sie ihren Job ausgestalten sollen, sei es im Hinblick auf die Arbeitsansprüche der Gen Y, sei es im Schulterschluss mit dem Management oder sei es durch innovative Schützenhilfe aus dem Start-up-Lager.


Zur Person:

Dr. Elke Eller wurde 2015 erstmals zur Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager gewählt und 2017 wurde sie einstimmig wiedergewählt. Sie ist Arbeitsdirektorin der Tui Group.


Das Interview führte Reiner Straub, Herausgeber Personalmagazin.


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Schlagworte zum Thema:  Verband, Digitalisierung

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