Ausbildungsmarketing und Berufsorientierung trotz Corona
Im Juni 2020 suchten laut dem Institut der Wirtschaft gerade einmal rund 417.000 junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Das ist ein Rückgang von etwas 43.000 Bewerbern (rund neun Prozent) im Vergleich zum Vorjahr. Wie kann es einem Unternehmen auch bei dem stark sinkenden Angebot an potenziellen Kandidaten dennoch gelingen, passende Azubis für sich zu gewinnen?
Junge Menschen wünschen sich realistische Einblicke in den Beruf
Die Antwort lautet Ausbildungsmarketing. Doch damit dies die Zielgruppe auch erreicht, muss ein Arbeitgeber zunächst wissen: Wie ticken Jugendliche heute? Welche Vorstellungen haben sie von ihrem beruflichen Weg? Wie sollten Botschaften richtig verpackt werden, damit sie junge Menschen ansprechen?
Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat das hessische Ausbildungsunternehmen Provadis das Markt- und Sozialforschungsinstitut Sinus mit einer Befragung der eigenen Auszubildenden beauftragt. Ein zentrales Ergebnis ist, dass sich junge Menschen authentische Botschaften und einen realistischen Einblick in den Ausbildungsalltag wünschen, bevor sie sich für ein Unternehmen entscheiden.
Ausbildungsmarketing: Die Botschaften von Azubis kommen an
Provadis hat darauf reagiert und zunächst seinen Webauftritt Schritt für Schritt neu konzipiert – mit weniger Text und mehr Fotos von eigenen Azubis an realen Ausbildungsorten. Ein Online-Tagebuch, geschrieben von Azubis unterschiedlicher Berufe, und die Youtube-Miniserie "Die Azubis", umgesetzt von angehenden Fachelektronikern, sind Beispiele der neuen Maßnahmen für das Ausbildungsmarketing. Das Ergebnis sind konstante Bewerberzahlen für kaufmännische, produktionstechnische, IT- und Laborberufe, trotz des rückläufigen Azubimarkts.
Berufsorientierung: Auch Gymnasiasten erhalten Praxiseinblicke
Zusätzlich zum Ausbildungsmarketing hat Provadis neue Berufsorientierungsangebote für verschiedene Branchen und Bewerberzielgruppen eingeführt. Da es in Gymnasien bisher wenig Angebote zur Berufsorientierung gibt, entwickelte der Anbieter das Programm "Praxiswochen": Anfang des Jahres hatten Gymnasialschüler bei diesem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bundesinstitut für Berufliche Bildung geförderten Modellprojekt erstmals die Möglichkeit, eine Woche in verschiedene Ausbildungsberufe der Chemie hineinzuschnuppern.
Für Schüler in Haupt- und Realschulen ist das Projekt "Technik erleben". In diesen Schulformen gibt es zwar eine große Bandbreite an Orientierungsangeboten, allerdings finden diese selten kontinuierlich statt. Diese Lücke will "Technik erleben" schließen und fortlaufende Einblicke in technische Berufe gewähren.
Live-Programme und virtuelle Formate
Die Programme und Maßnahmen für das Ausbildungsmarketing werden auch während der Corona-Pandemie weiterverfolgt. "Auch in Zeiten von Corona sollten wir nicht damit aufhören, sondern intelligente Wege nutzen, um virtuell oder unter hohen Hygienestandards auch in Präsenzform diese Angebote fortzuführen", betont Dr. Karsten Rudolf, Leiter Marketing sowie Bildungs- und Forschungsprojekte bei Provadis.
In den Sommerferien 2020 konnten Schülerinnen unter Pandemie-Schutzvorkehrungen an "MINT Girls Camps" an verschiedenen Standorten teilnehmen. Das Berufsorientierungsangebot "MINT – die Stars von morgen" wird dagegen bis auf weiteres virtuell durchgeführt. Zuhause am Bildschirm können die Jugendlichen unter Anleitung von Mitarbeitern der hessischen Science Center in zweistündigen Workshops verschiedene Experimente durchführen und herausfinden, ob sie an einem MINT-Beruf Spaß haben.
In Kürze sollen die "Hessischen Gesundheitscamps" mit einem virtuellen Konzept an den Start gehen. Hier erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich in bis zu 14 Bausteinen à zwei Stunden am heimischen Bildschirm über ein breites Spektrum an Pflege- und Gesundheitsberufen zu informieren.
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