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| Ausbildungsberufe

Kaufmann sticht Fachinformatiker als Berufswunsch

Azubis haben laut Analyse der BA eher traditionelle Berufswünsche: Die Ausbildung zum Bürokaufmann steht auf Platz eins ihrer Berufswunschliste.
Bild: Fotolia LLC.

"Kaufmann oder Verkäufer": So lautet nach wie vor der Berufswunsch vieler Jugendlicher, die sich für eine Berufsausbildung interessieren. Das zeigt eine Analyse der Bundesagentur für Arbeit (BA). Ausbildungsberufe in Zukunftsbranchen wie der IT sind deutlich weniger gefragt.

Privat stehen sie auf Hightech: Sie chatten, spielen und lernen mit Handy, Tablet und Computer. Bei ihrer Berufswahl scheinen deutsche Jugendliche gemessen an ihren Lehrstellenwünschen dagegen eher traditionell zu ticken: Auf einer Liste der zehn beliebtesten Ausbildungsberufe in Deutschland rangieren weiterhin klassische Handel- und Kaufmannsberufe statt zukunftsweisender Informationstechnik-Jobs ganz oben. Das geht aus Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

Die zehn gefragtesten Ausbildungsberufe führte demnach Ende Juli der Kaufmannsberuf mit Schwerpunkt Büromanagement an. Von den 509.600 jungen Leuten, die sich in den vergangenen Monaten bei ihrer Lehrstellensuche an die Arbeitsagenturen wandten, sahen darin knapp 36.000 ihre Wunsch-Ausbildung.
Knapp 33.000 suchten eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, gefolgt von der Verkäufer-Ausbildung (29.800 Jugendliche). Für eine Lehrstelle zum Industriekaufmann interessierten sich rund 21 500 Jugendliche (Platz 6).

Ausbildung: Digitale Formate noch selten genutzt

Die traditionellen Vorlieben der angehenden Azubis bei der Wahl ihrer Ausbildungsberufe bedeuten natürlich nicht, dass Hightech in der Berufsausbildung und beim Azubi-Marketing fehl am Platz ist. Denn die Jugendlichen lassen sich durch digitale Lernformate in der Ausbildung gut motivieren. Das hat gerade einmal mehr der "Monitor Digitale Bildung" der Bertelsmann-Stiftung belegt.

Demnach nutzen Jugendliche viele digitale Medien, die in der Ausbildung zum Einsatz kommen könnten – wie Wikis, Videos, Chat-Dienste, elektronische Tests und soziale Netzwerke –, regelmäßig privat. Allerdings setzen bisher nur wenige Ausbilder auf das Lernen mithilfe dieser Medien. Vielerorts scheitert das digitale Lernen der Bertelsmann-Studie zufolge sogar schon an der Internetverbindung.

Digitalisierung schafft neue Ausbildungsberufe

Ausbilder in Betrieb und Berufsschule sollten also umdenken und versuchen, die jungen Leute mit modernen Technologien zum Lernen zu motivieren. Gute Beispiele gibt es dafür schon: Manche Unternehmen setzen etwa schon Augmented Reality in der Berufsausbildung ein. Andere machen sich aktuelle Trends wie gerade das Handy-Spiel Pokémon Go oder 360-Grad-Videos im Azubi-Marketing zunutze.

Studien zur Zukunft der Arbeitswelt zeigen, dass künftig auch bei den jungen Leuten ein Umdenken bei der Berufswahl gefordert sein dürfte: So hat etwa eine Befragung von Samsung Electronics unter 200 Entscheidern ergeben, dass die Digitalisierung die Ausbildung und Ausbildungsberufe im Mittelstand in den letzten fünf Jahren stark verändert hat. Außerdem sind demnach viele neue Stellenprofile entstanden.

Viele Ausbildungsstellen noch unbesetzt

Trotz der großen Nachfrage sind laut Bundesagentur-Statistik eineinhalb Monate vor Beginn der meisten Berufsausbildungen noch viele Lehrstellen für angehende Kaufleute und Verkäufer frei. So steht auf der Liste der Ende Juli noch immer unbesetzten Ausbildungsplätze die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann mit 12.800 Stellen auf Platz eins, gefolgt von knapp 11.400 Verkäuferstellen.

Beste Aussichten haben auch junge Leute mit Spaß am Kochen: die Gastronomie sucht derzeit noch mehr als 6.200 Nachwuchsköche - ein Ausbildungsberuf, der damit auf Platz drei rangiert. Gute Chancen haben junge Leute auch als Büromanagement-Kaufmann (5.300 freie Stellen), Bäckerei-Fachverkäufer (4.600 freie Stellen), als Handelsfachwirt (4.500 freie Stellen), als angehender Hotelfachmann (4.400 freie Stellen), als Friseur (4.300 Stellen), als Restaurant-Fachkraft (4.100 Stellen) und als Logistik-Fachkraft (Platz 10/3900 Stellen).

Ausbildungsverträge der örtlichen Arbeitsagentur melden

Um noch unvermittelte Bewerber schneller in eine Ausbildung zu bringen, rief unterdessen Bundesagentur-Vorstandsmitglied Raimund Becker Bewerber und Betriebe dazu auf, erfolgreiche Vermittlungen sofort den örtlichen Arbeitsagenturen zu melden. "Wir wollen alle Kapazitäten für die tatsächlich unversorgten Bewerber und noch offenen Stellen einsetzen", sagte Becker der Deutschen Presse-Agentur. Damit werde vermieden, dass sich junge Leute auf bereits vergebene Lehrstellen bewerben.

Wie die jüngsten Daten Bundesagentur für Arbeit zeigen, entwickelt sich der Ausbildungsmarkt immer mehr zu einem Bewerbermarkt: Zwar hatten Ende Juli noch rund 148.000 junge Männer und Frauen noch keine Lehrstelle gefunden; dies sind rund 6.600 oder 4,2 Prozent weniger als zum selben Zeitpunkt des Vorjahrs. Ihnen standen aber noch 172.200 unbesetzte Ausbildungsplätze gegenüber. Das entspricht einem Plus von mehr als 8.900 Lehrstellen (plus 5,5 Prozent). Die Situation sei aber von Region zu Region sehr unterschiedlich, betont die BA immer wieder.

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dpa/Haufe Online Redaktion

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