Mit dem BRSG hat die Regierung ihre Arbeit an der bAV beendet, nun bauen die Versicherungsanbieter an Lösungen und Konzepten zur Zielrente. Bild: Haufe Online Redaktion

Nun gibt es die ersten Lösungen für eine Zielrente nach dem BRSG: R+V und Union Investment bieten ab sofort eine kapitalmartktorientierte Betriebsrente als Sozialpartnermodell an. Auch der Versicherer-Zusammenschluss zum „Rentenwerk“ hat sein Angebot zur Tarifrente auf dem Markt gebracht.

Das Sozialpartnermodell steht im Mittelpunkt der jüngsten Reform der deutschen betrieblichen Altersversorgung (bAV). Es sieht vor, dass sich die Sozialpartner (tarifgebundene Firmen und Gewerkschaften) gemeinsam auf die Einführung einer Zielrente als betriebliche Altersversorgung einigen. Das Besondere an der Altersversorgung durch die Tarifparteien: Der Arbeitgeber muss die Höhe der Rentenleistung nicht mehr garantieren. (Nähere Info zur Zielrente finden Sie in unserer News: "Betriebsrentenstaerkungsgesetz: Tarifrente ohne Garantien."

Für die Modellumsetzung dieser Zielrente können die Sozialpartner entweder selbst ein Versorgungswerk gründen oder Zielrenten-Produkte von Versicherungsanbietern wählen, die allerdings nach dem Inkrafttreten des BRSG erst noch geschaffen werden mussten. Nun sind die ersten Produkte auf dem Markt. 

Zielrenten-Modell der R+V und Union Investment über Pensionsfonds

Die genossenschaftlichen Finanzinstitute R+V Versicherung und Union Investment haben verkündet, ab sofort im Rahmen des Sozialpartnermodells eine kapitalmarktorientierte Betriebsrente über den Durchführungsweg der Pensionsfonds  anzubieten. Beim genossenschaftlichen Angebot übernimmt die R+V den Vertrieb und die Beratung, während die Union die Mittel aus der Betriebsrente investiert.

Das Angebot zeichnet sich durch eine hohe Kapitalmarktorientierung aus. Ein Spezialfonds der Union wird eingesetzt, bei der der Aktienanteil 24,1 Prozent beträgt. Neben Staatsanleihen aus den Industrieländern und den Schwellenländern (42,1 Prozent des Vermögens) investiert der Fonds noch in Unternehmensanleihen aus aller Welt (22,1 Prozent) sowie in Wandelanleihen (knapp sechs Prozent). Laut der Union erzielte der Fonds zwischen Mai 2009 und Mai 2017 eine jährliche Rendite von 4,8 Prozent.  

Zielrente: Tarifparteien vereinbaren Puffer zur Senkung des Risikos 

Um das Kapitalmarktrisiko zu vermindern, sieht das genossenschaftliche Modell noch einen mit den Tarifvertragsparteien zu vereinbarenden Puffer vor. Die Mittel dafür könnten sowohl aus den Fondserträgen stammen als auch aus einem Sicherungsbeitrag, sagte Rüdiger Bach, Vorstandschef der R+V Pensionsfonds AG. Dieser Beitrag soll vom Arbeitgeber finanziert werden und dient als Ausgleich für das Nichterreichen der Zielrente. Über die genauen Details des Beitrags müssten die Sozialpartner allerdings noch verhandeln.

Tarifrente auch für nicht tarifgebundene Unternehmen

Sinn der Betriebsrentenreform durch das BRSG war, die bAV weiter zu verbreiten. Ob das mit einer eine durch Tarifpartner zu vereinbarende Zielrente gelingen kann, wird von mancher Seite noch bezweifelt. R+V Vorstandschef Norbert Rollinger zeigt sich jedoch optimistisch, dass sich auch nicht tarifgebundene Firmen mit der Thematik der Tarifrente auseinandersetzen würden. Er räumt allerdings ein, dass die hohe Komplexität des Modells ein Hindernis darstellen könnte.

"Rentenwerk“ bringt Zielrente über Direktversicherung auf den Markt    

Sofort nach Verabschiedung des BRSG hatten auch Barmenia, Debeka, Gothaer, Huk-Coburg und Stuttgarter angekündigt, unter dem Namen „Das Rentenwerk“ ein gemeinsames Angebot für diesen Bereich auf den Markt zu bringen. Dieses Produkt zur Tarifrente als fondsgebundene Direktversicherung, die sich digital verwalten und flexibel anpassen lassen soll, ist nun ebenfalls auf dem Markt.

Weitere Durchführungswege für Zielrente möglich 

Mit dem neuen Produkt, so Dr. Normann Pankratz, stellvertretendes Mitglied der Vorstände der Debeka Versicherungen, gingen die Gespräche mit den Sozialpartnern nun in eine konkretere Phase. Neben der jetzt fertiggestellten fondsgebundenen Direktversicherung seien, so Pankratz, für die fünf Versicherer auch andere Lösungen denkbar, sollte das von den Sozialpartnern gewünscht sein.

Angebote zur Zielrente bei Talanx und Zurich geplant

Auch Talanx und Zurich wollen eine Konsortiallösung im Sozialpartnermodell anbieten  und planen dazu eine entsprechende Kooperation. Ziel sei, so die beiden Anbieter, zukünftig mehr Arbeitnehmern zu einer Betriebsrente zu verhelfen. Das geplante Konsortium soll den Namen "Die Deutsche Betriebsrente" tragen. Diese Kooperation bedarf allerdings noch der Genehmigung der Kartellbehörde. Ins Auge gefasst wird, wie beim Angebot von R+V und Union, eine Zielrentenlösung auf Basis des kapitalmarktbasierten Pensionsfonds.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di erwägt die eigene  Gründung eines Versorgungswerks.

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Schlagworte zum Thema:  Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

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