Kapitel 9: Umsatzerlöse und... / b) Entstehungsgeschichte
 

Tz. 3

Das Realisationsprinzip hat seine Wurzeln in der Aktienrechtsnovelle von 1884. In dieser wurde zur Ermittlung eines entziehbaren Gewinns die Bewertungsobergrenze für Vermögensgegenstände auf ihre Anschaffungs- oder Herstellungskosten festgelegt. Rechtsformunabhängig umgesetzt wurde das Realisationsprinzip in seiner heutigen Form 1986 mit Inkrafttreten des BiRiLiG in § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB.[1] Zielsetzung des Realisationsprinzips war und ist die Ausschüttungsvermeidung bewertungsbedingter, subjektiver Gewinne, die noch nicht durch eine dritte Partei, z. B. über einen Verkaufsakt, bestätigt wurden.[2]

Die Abgrenzung von Umsatzerlösen wurde erstmalig im Aktiengesetz von 1965 in § 158 Abs. 2 AktG a. F. aufgenommen und mit der Umsetzung von Art. 28 der 4. EG-Richtlinie von 1978 in leicht modifizierter Form in § 277 Abs. 1 HGB übernommen.[3] Mit BilRUG wurde 2015 die EU-Bilanzrichtlinie 2013/34/EU umgesetzt und der Umsatzbegriff in die gegenwärtige umfassendere Weise geändert.

[1] Vgl. Moxter, Entziehbarer Gewinn?, in: Ballwieser/Moxter/Nonnenmacher (Hrsg.), Festschrift für Hermann Clemm zum 70. Geburtstag, München 1996, 230 (237 ff.).
[2] Vgl. Hoffmann/Lüdenbach, DStR 2004, 1758.
[3] Vgl. ADS, § 277 HGB, Rn. 1, 3.

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