Kapitel 14: Konzernabschlus... / dd) Mögliche Fallgruppen
 

Tz. 184

Anerkannte Anwendungsfälle des Abs. 1 Nr. 2 sind Fälle externer höherer Gewalt wie

  • gravierende technische Probleme (z. B. Zusammenbruch der Datenverarbeitung; Vernichtung von Datenbeständen),
  • Streiks,
  • Naturkatastrophen,
  • Terroranschläge,
  • politische Behinderungen.

Mängel bei der internen Organisation des Rechnungswesens sind nicht relevant.[310]

 

Tz. 185

Der Erwerb eines Tochterunternehmens kurz vor/am Abschlussstichtag kann in Ausnahmefällen unter Abs. 1 Nr. 2 fallen, wenn hinsichtlich des Rechnungswesens umfangreichere Umstellungs- und Anpassungsmaßnahmen vorzunehmen sind.[311] Allerdings können hier unter Umständen weniger einschneidende Maßnahmen ergriffen werden (zwischenzeitlicher Verzicht auf die Vereinheitlichung abweichender Bewertungsmethoden, vgl. § 308 Abs. 2 Satz 4 HGB; Kapitalkonsolidierung auf Grundlage vorläufiger Wertansätze, vgl. § 301 Abs. 2 Satz 2 HGB; "Rumpfkonsolidierung" bereits im Jahre des Erwerbs)[312].

Bei Veräußerung eines Tochterunternehmens kurz nach dem Abschlussstichtag kann es in Einzelfällen zu unzumutbaren Verzögerungen bei der notwendigen Informationsbeschaffung kommen (vgl. Tz. 178).

 

Tz. 186

Bei einer Konsolidierung nach § 290 Abs. 2 Nr. 4 HGB auf Grundlage der Mehrheit der Chancen und Risiken (insbesondere bei Zweckgesellschaften), kann sich das so beherrschende Mutterunternehmen auf Abs. 1 Nr. 2 grundsätzlich nicht mit der Begründung berufen, dass es mangels Gesellschafterstellung die notwendigen Informationen nicht rechtzeitig erhält.[313]

[310] DRS 19.93 scheint demgegenüber auch diese in Ausnahmefällen zulassen zu wollen ("sie rechtfertigen keine längerfristige Anwendung").
[311] DRS 19.92; Kindler, in: GroßKo-HGB, § 296 HGB Rn. 11.
[312] Siehe dazu DRS 19.92 und Winkeljohann/Deubert, in: BeckBilKo, § 296 HGB Rn. 19 f.
[313] Siehe dazu Winkeljohann/Deubert, in: BeckBilKo, § 296 HGB Rn. 22.

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