Kapitel 1: Einführung in di... / b) Zukunftsorientierte bzw. kapitaltheoretische Bilanztheorien
 

Tz. 207

Die zukunftsorientierten bzw. kapitaltheoretischen Bilanztheorien unterstellen, dass es Aufgabe der Bilanz ist, das zukunftsorientierte Erfolgskapital (Zukunftserfolgswert) auszuweisen, das als Summe der abgezinsten zukünftigen Einzahlungsüberschüsse der Unternehmung bis zum Planungshorizont definiert wird.[291] Die zukünftigen Zahlungsströme müssen vom Bilanzierenden geschätzt werden. Als Ziel der Rechnungslegung wird die Festsetzung jener Einkommenszahlungen an die Eigenkapitalgeber angesehen, die maximal und dauerhaft jährlich geleistet werden können, ohne die Ertragskraft der Unternehmung zu beeinträchtigen. Dieser sogenannte ökonomische Gewinn entspricht somit dem jährlichen Anwachsen des Erfolgskapitals. Er stellt eine auf der Gesamtwertbetrachtung basierende subjektive und zukunftsbezogene Größe dar. Weil allerdings ökonomischer Gewinn und handelsrechtlicher Periodengewinn in der Regel voneinander abweichen, gilt das auf dem Vorsichtsprinzip basierende "Prinzip des doppelten Minimums", nachdem in jeder Periode nur der niedrigere der beiden Periodengewinne auszuschütten ist. Allerdings haben die zukunftsorientierten bzw. kapitaltheoretischen Bilanztheorien wegen des erheblichen Prognoseproblems keinen Eingang in das geltende Recht gefunden.

[291] Honko, The Annual Income of an Enterprise and its Determination, Helsinki 1959; Hansen, The Accounting Concept of Profit, Kopenhagen 1962; D. Schneider, ZFhF 15 (1963), 457.

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