Küting/Weber, Handbuch der ... / b) Leasingformen
 

Rn. 107

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Wie bereits erwähnt, stellt "Leasing" den Oberbegriff für eine Fülle verschiedenartiger Vertragstypen dar, die sich anhand unterschiedlichster Kriterien systematisieren lassen (vgl. hierzu ausführlich Büschgen 1998, § 1, Rn. 13ff.; Wöhe, G. 1997, S. 242). Man unterscheidet die Verträge dabei häufig nach folgenden Merkmalen (vgl. auch Bieg, H. 1997, S. 426):

- Art des Leasingobjekts;
- Stellung des Leasinggebers im Leasingvertrag;
- Verpflichtungscharakter des Leasingvertrags.
 

Rn. 108

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Auf Basis des Unterscheidungskriteriums "Art des Leasingobjekts" ist zwischen Leasingkontrakten über bewegliche (Mobilienleasing) und über unbewegliche VG (Immobilienleasing) zu differenzieren. Neben Grundstücken und Gebäuden werden auch Kontrakte über an einen festen Betriebsstandort gebundene Maschinen, deren wirtschaftliche Nutzung nur als Sachgesamtheit möglich ist, unter Immobilienleasingverträge gefasst. Man spricht in diesem speziellen Fall auch vom sog. "plant-Leasing" (vgl. Büschgen 1998, § 1, Rn. 31; Fahrholz, B. 1979, S. 7f.).

 

Rn. 109

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Ordnet man die Gesamtheit der anzutreffenden Leasingvertragsgestaltungen nach der Stellung des Leasinggebers im Leasingvertrag, so unterscheidet man das direkte und das indirekte Leasingvertragsverhältnis. Während beim direkten Leasing der Leasingkontrakt unmittelbar zwischen dem Hersteller des Leasingobjekts und dem Leasingnehmer geschlossen wird, ist beim indirekten Leasing der Vertragspartner des Leasingnehmers eine Leasinggesellschaft (vgl. Andersons, A. 1998, S. 5f.; Fahrholz, B. 1979, S. 7).

 

Rn. 110

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Mit Blick auf die bilanzrechtl. Würdigung von Leasingverhältnissen ist insbes. die Systematisierung nach dem Verpflichtungscharakter des Vertrags von Bedeutung, da die Zuordnung des wirtschaftlichen Eigentums am Leasingobjekt zum Leasinggeber oder zum Leasingnehmer auf dieser Abgrenzung basiert (vgl. hierzu HdR-E, Kap 6, Rn. 126ff.). Nach dem Verpflichtungscharakter des Vertrags unterscheidet man zunächst global zwischen Operating- und Finanzierungsleasing (vgl. zur Abgrenzung des Operating- vom Finanzierungsleasing stellvertretend ADS 1995, § 246, Rn. 386; Brakensiek, S. 2001, S. 174f.; Büschgen 1998, § 1, Rn. 14ff.; Engel, J. 1997, Rn. 138ff.; Gelhausen, H. F./Henneberger, M. 2012, Rn. 2ff.; Jürgens, U. 1988, S. 6ff.; Lenz, P. 1997, S. 7; Spittler, H.-J. 1999, S. 9f.; Wöhe, G. 1997, S. 242ff.).

 

Rn. 111

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Operating-Leasingverhältnisse sind, gemessen an der ND des Leasingobjekts, i. d. R. durch kurze Vertragslaufzeiten gekennzeichnet. Daneben besteht regelmäßig für beide Vertragsparteien ein kfr. Kündigungsrecht. Von zentraler Bedeutung sind zum einen der Verbleib sowohl des Sach- als auch des Investitionsrisikos beim Leasinggeber und zum anderen die damit verbundene Dispositionsmöglichkeit des Leasinggebers über die Anschlussnutzung des Leasingobjekts nach Ende der Vertragslaufzeit. Der Leasinggeber ist v. a. deshalb an einer Anschlussnutzung interessiert, weil die vom Leasingnehmer während der Laufzeit des Vertrags gezahlten Leasingraten die aufgewendeten AHK und ggf. angefallene Neben- und Finanzierungskosten nicht decken. Da der Sinn und Zweck des Operating-Leasings in der kfr. Nutzungsüberlassung des Leasingobjekts zu sehen ist, handelt es sich bei den im Weg des Operating-Leasings zur Verfügung gestellten Gegenständen um "Wirtschaftsgüter, die ein hohes Maß an Fungibilität aufweisen" (Brakensiek, S. 2001, S. 175).

 

Rn. 112

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Das Finanzierungsleasing ist im Gegensatz zum Operating-Leasing durch lfr. Vertragslaufzeiten gekennzeichnet. Während der sog. Grundmietzeit, die regelmäßig einen erheblichen Teil der betriebsgewöhnlichen ND des Leasinggegenstands umfasst, besteht normalerweise weder für den Leasinggeber noch für den Leasingnehmer die Möglichkeit zur Kündigung des Kontrakts. Das Finanzierungsleasing zeichnet sich durch die Überwälzung des mit dem Leasingobjekt verbundenen Sach- und Investitionsrisikos auf den Leasingnehmer aus. Mit Blick auf die Höhe der vom Leasinggeber während der Vertragslaufzeit vereinnahmten Leasingraten lassen sich Finanzierungsleasingverhältnisse weiter in Voll- und Teilamortisationsverträge aufgliedern.

 

Rn. 113

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Während bei Vollamortisationsverträgen ("Full-pay-out-Verträge") die vom Leasingnehmer an den Leasinggeber über die Grundmietzeit entrichteten Leasingraten die AHK des Leasingobjekts zzgl. angefallener Finanzierungs- und Verwaltungskosten zumindest ausgleichen, gewährleisten Teilamortisationsverträge ("Non-full-pay-out-Verträge") nur eine partielle Kostendeckung. Die Vollamortisationsverträge lassen sich weiter unterteilen in solche mit und ohne Optionsrecht des Leasingnehmers. Wird bei Vertragsschluss auf die Vereinbarung eines Optionsrechts verzichtet, ist der Leasingnehmer nach Ablauf der Grundmietzeit verpflichtet, das Leasingobjekt an den Leasinggeber zurückzugeb...

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