Küting/Weber, Handbuch der ... / a) Begriff und betriebswirtschaftliche Bedeutung
 

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Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Ursprünglich entstammt der Leasingbegriff dem Englischen "to lease", das wörtlich mit "mieten" respektive "pachten" zu übersetzen ist (vgl. Jürgens, U. 1988, S. 1; Maus, G. 1996, Rn. 1). Obwohl alle Leasingverhältnisse dadurch gekennzeichnet sind, "daß es sich um eine entgeltliche Gebrauchs- oder Nutzungsüberlassung von Wirtschaftsgütern handelt" (BFH-Urt. v. 26.01.1970, BStBl. II 1970, S. 266; vgl. auch Figge, H. 2000, S. 160), bereitet die Ableitung einer präzisen Definition des Begriffs "Leasing" im deutschen Sprachgebrauch einige Schwierigkeiten (vgl. Bieg, H. 1997, S. 425; Coenenberg, A. G. 2012, S. 79). Einerseits mangelt es dem Leasingverhältnis – im Gegensatz zu Miet- und Pachtverhältnissen – an einer Legaldefinition (vgl. Arthur Andersen & Co. GmbH 1991, S. 17; Brakensiek, S. 2001, S. 172; Engel, J. 1997, Rn. 2; Kussmaul, H. 1987, S. 182; Maus, G. 1996, Rn. 2), andererseits reicht die Diversifikation der Leasingvertragsgestaltungen von reinen Miet- bis in die Nähe von Ratenkaufverträgen (vgl. Glade 1995, Teil I, Rn. 767; Glaubig, J. 1993, S. 10; Helmschrott, H. 1997, S. 1f.; Förschle/Kroner, in: Beck Bil-Komm. 2012, § 246, Rn. 37; Küting, K./Hellen, H.-H./Brakensiek, S. 1998, S. 1465; vgl. zu den einzelnen Arten von Leasingverhältnissen auch HdR-E, Kap 6, Rn. 107ff.). Es überrascht daher nicht, dass sich in der Literatur eine Vielzahl verschiedener Begriffsbestimmungen findet (vgl. Büschgen 1998, § 1, Rn. 1, m. w. N.). Der BGH nimmt indes in seiner lfd. Rspr. durch die Qualifizierung des Leasingverhältnisses als atypisches Mietverhältnis einen eindeutigen Standpunkt ein (vgl. BGH-Urt. v. 08.10.1975, DB 1975, S. 2366ff.; v. 23.02.1977, DB 1977, S. 813; v. 23.02.1977a, DB 1977, S. 1137; v. 09.03.1977, DB 1977, S. 815; v. 05.04.1978, BB 1978, S. 682; v. 05.05.1978, DB 1978, S. 1337; v. 16.09.1981, DB 1982, S. 40; v. 28.10.1981, DB 1982, S. 480; v. 02.12.1981, DB 1982, S. 482; v. 29.11.1989, DB 1990, S. 271; v. 28.03.1990, DB 1990, S. 1228ff.; v. 10.07.1996, BB 1996, S. 1794).

Allg. formuliert handelt es sich bei Leasingverhältnissen um "besonders ausgestaltete Nutzungsüberlassungsverhältnisse, die sich an die Ausgestaltung von Miet- oder Pachtverträgen anlehnen, aber je nach Vertragstyp in wesentlichen Punkten von diesen abweichen" (Gelhausen, H. F./Henneberger, M. 2012, Rn. 1). Wie bei Miet- oder Pachtverträgen verbleibt auch bei Leasingverträgen das rechtl. Eigentum stets bei dem zur Sachleistung Verpflichteten (Leasinggeber).

 

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Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Aus der betriebswirts. Perspektive betrachtet, stellen Leasingverhältnisse für den Leasingnehmer eine Alt. zur Finanzierung von Investitionsprojekten dar. Im Vergleich zu anderen Finanzierungsmöglichkeiten nennen Küting, K./Figge, H. (1999, S. 361) insbes. folgende Vorteile des Leasing (ähnlich Gelhausen, H. F./Henneberger, M. 2012, Rn. 27ff.):

- ›Bereitstellung einer 100 %igen Finanzierung des Leasing-Objekts durch den Leasing-Geber, ohne Eigenkapital binden oder die Kreditlinien belasten zu müssen;
- Flexibilität beim Einsatz von Gütern, die einem schnellen technischen Veralterungsprozeß unterliegen, somit ein effizientes Asset Management bei gleichzeitiger Sicherung der erforderlichen Kapazitäten;
- Anpassung des Leasing-Ratenverlaufs an den erwarteten Nutzenverlauf aus den geleasten Kapazitäten unter Liquiditäts- und Erfolgsaspekten (pay-as-you-earn);
- Verwaltungskostensenkungen durch Übernahme von administrativen Aufgaben durch den Leasing-Geber;
- Partizipation an der Stellung des Partners (z. B. günstigere Einkaufskonditionen);
- Versorgung mit Beratungs-, Wartungs- oder sonstigen Dienstleistungen bei ausgeprägtem Kunden-, Branchen- und Objekt-Know-how;
- steuerliche Vorteile;
- Off-balance-sheet-Effekte/Bilanzneutralität.›

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