Küting/Weber, Handbuch der ... / 3. Factoring mit teilweisem Übergang des Delkredererisikos
 

Rn. 45

Stand: EL 28 – ET: 05/2019

Die traditionelle Unterscheidung von echtem und unechtem Factoring geht davon aus, dass das Delkredererisiko ganz oder gar nicht auf den Factor übergeht. Es kommen in der Praxis jedoch auch Gestaltungen vor, bei denen die Factoring-Vereinbarung einen teilweisen Rückbehalt des Bonitätsrisikos durch den Factoring-Kunden in Bezug auf jeweilige Einzelforderung vorsieht. Die Frage, ob hiermit der Übergang des wirtschaftlichen Eigentums auf den Factor verhindert wird, hängt von der Bedeutung bzw. vom Umfang des Rückbehalts ab (vgl. Rimmelspacher/Hoffmann/Hesse, WPg 2014, S. 999 (1003)). Ist der Rückbehalt als unwesentlich einzustufen, d. h. der ganz überwiegende Teil des Bonitätsrisikos geht dennoch auf den Factor über, ist von echtem Factoring und damit dem Abgang der Forderung bei Abtretung an den Factor auszugehen.

 

Rn. 46

Stand: EL 28 – ET: 05/2019

Wie bedeutsam sich das zurückbleibende Bonitätsrisiko darstellt, ist mangels allgemeingültiger Wesentlichkeitsgrenzen nach den Verhältnissen des jeweiligen konkreten Einzelfalls zu beurteilen. Entspricht der in der Factoring-Vereinbarung geregelte Rückbehalt jedoch dem typischen Selbstbehalt von Kreditversicherungsverträgen (bis zu 10 % des Forderungsbetrags), kann davon ausgegangen werden, dass dies in Bezug auf den Forderungsabgang unschädlich ist (vgl. WP-HB (2019), Rn. F 1345; Rimmelspacher/Hoffmann/Hesse, WPg 2014, S. 999 (1003)). Liegt der vereinbarte Rückbehalt aber bspw. bei 25 %, der statistisch belegte historische Ausfall in Bezug auf die betreffenden Forderungen jedoch nur bei durchschnittlich 15 %, ist davon auszugehen, dass das Bonitätsrisiko materiell beim Factoring-Kunden verbleibt.

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