Das Interview für die ICV Ideenwerkstatt führten Karl-Heinz Steinke und Dr. Jan Christoph Munck mit Christina Kotzur, Financial Professional der TRUMPF Venture GmbH in Ditzingen.

Kurzbeschreibung des Unternehmens

Die TRUMPF Venture GmbH unterstützt als Corporate Venture Capital Investor innovative und kapitalsuchende Start-Ups, die die Industrie 4.0 aktiv mitgestalten wollen und bietet dabei einen Zugang zur TRUMPF Welt.

Als Corporate-Venture-Capital-Einheit versteht sich TRUMPF Venture als strategischer Partner und Venture-Capital-Investor. Mit Netzwerk, Erfahrung in der industriellen Produktion und Technologie-Know-how werden die Gründer unterstützt, ihren Pioniergeist weiterzuentwickeln und sich auf dem Markt nachhaltig zu platzieren.

Frau Kotzur, würden Sie sich bitte kurz vorstellen und uns das TRUMPF Venture Set-Up beschreiben?

Christina Kotzur: Als Financial Professional bei der TRUMPF Venture GmbH begleite ich Start-Ups auf ihrem vielversprechenden Weg von der Gründeridee zum wettbewerbsfähigen Geschäftskonzept. Darüber hinaus setze ich meine persönliche Erfahrung aus dem Finanzsektor bei der Evaluierung der Gründerideen ein. TRUMPF Venture hat als Corporate Venture Capital Investor in einem ersten Fonds 40 Mio. EUR für die Finanzierung junger Technologie-Start-Ups vom Mutterunternehmen zur Verfügung gestellt bekommen. Nach aktuellem Plan werden wir uns an ca. 10-15 Start-Ups beteiligen (s. Abb. 22).

Abb. 22: Das TRUMPF Venture Setting

Was ist die Kernidee dieser Initiative? In welche Felder, Branchen oder Technologien lohnt es sich für Sie zu investieren?

Kotzur: TRUMPF ist Marktführer in den Bereichen Maschinenbau für Blechbearbeitung und Laser-Technologie. Innovationen bilden den Motor unseres Geschäfts. Die "Inhouse Innovation" dient dazu, die Geschäftsbereiche auszubauen. Ergänzend werden von der "Venture-Einheit" Weiterentwicklungen am Markt verfolgt. Aktuell konzentriert sich unsere Suche insbesondere auf Beteiligungen in den Bereichen "Advanced Photonics" und "Smart Factory". Die Suchfelder werden analysiert und die neuesten Entwicklungen beobachtet. Besonders interessant sind auch die Bereiche Sensors & Automation, Connectivity & Compute oder Industrial Software Systeme (s. Abb. 22).

Abb. 23: Aktuelle Technologie-Suchfelder der TRUMPF Venture GmbH

Wie genau machen Sie diejenigen Start-Ups ausfindig, in die Sie investieren möchten? Wie gestaltet sich die Suche genau?

Kotzur: Wir besuchen primär Messen. Darüber hinaus bieten wir auf ausgesuchten Veranstaltungen Start-Ups die einzigartige Möglichkeit, uns kennenzulernen und zu überzeugen. Im Vorfeld werden unsere aktuellen Suchfelder veröffentlicht. Aus der regelmäßig sehr großen Anzahl eingehender Bewerbungen werden diejenigen herausgefiltert, denen wir ein erstes Kennenlernen auf der Veranstaltung anbieten. Natürlich besuchen wir initiativ und selektiv auf diesen Veranstaltungen auch sehr viele Start-Ups an ihrem Stand. Im Anschluss an die jeweiligen Treffen werten wir unsere Erkenntnisse aus und vereinbaren ggf. weitere Schritte. Eine alternative Vorgehensweise auf der Suche nach vielversprechenden Start-Ups haben wir im vergangenen Jahr ins Leben gerufen: Mit unserem Inhouse Venture Forum wird gezielt die Aufmerksamkeit von Start-Ups auf TRUMPF gelenkt. Die "besten" 15 Start-Ups werden von uns auf den Campus nach Ditzingen eingeladen, um sich mit den Geschäftseinheiten austauschen zu können. Abschließend wird über eine Kooperation, eine Partnerschaft als innovativer Zulieferer oder ein Investment in einzelne Start-Ups entschieden.

Wie viele Start-Ups haben Sie bisher schon gesehen? Mit wie vielen haben Sie gesprochen und wie gestaltet sich der Auswahlprozess?

Kotzur: Letztes Jahr haben wir über 500 Start-Ups gesichtet. Letztlich wurde nur in zwei Start-Ups investiert. Grundsätzlich ist unser Auswahlverfahren anspruchsvoll und unterscheidet sich nicht von dem eines institutionellen Investors, obwohl wir ein Corporate Venture Capital Investor sind. Insbesondere die Due Diligence wird im gleichen Umfang und mit großer Intensität durchgeführt

Wie hoch ist das durchschnittliche Investment pro Start-Up?

Kotzur: Das durchschnittliche anfängliche Investment beträgt 0,5 bis 1 Mio. EUR. In Abhängigkeit von der Entwicklung des Start-Ups sind in Folgefinanzierungsrunden Investitionen von bis zu 5 Mio. EUR möglich.

Abb. 24: Das aktuelle TRUMPF Venture Portfolio

Sie hatten erwähnt, dass TRUMPF sehr nah am Kerngeschäft investiert. Achten Sie auch auf Wachstums- und Wertsteigerungspotenziale oder nur auf besondere technologische Aspekte? Was sind die wesentlichen Kriterien, die als Maßstab für eine Beteiligung dienen?

Kotzur: Wir berücksichtigen eine Vielzahl an Kriterien. Besonders wichtig ist, dass ein hoher Innovationsgrad gegeben ist. Außerdem sollte ein strategischer Fit zum Kerngeschäft von TRUMPF gegeben sein. Da wir als Risikokapitalgeber operieren, müssen risikoadäquate finanzielle Erträge definitiv möglich sein – ohne funktioniert es nicht.

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