Grundsatz

Bei Steuerpflichtigen, die bereits einen steuerfreien Arbeitgeberbeitrag zu ihrer Altersversorgung erhalten haben, wird dieser von dem Betrag, der sich nach Anwendung des jeweils gültigen Prozentsatzes ergibt, wieder abgezogen.[1] Der Arbeitgeberanteil wird damit zunächst im Rahmen der zu berücksichtigenden Beiträge hinzugerechnet[2], anschließend mindert er aber zulasten des Steuerpflichtigen die maximal abziehbaren Sonderausgaben.[3]

Damit erhalten rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer im Jahr 2021 einen über den steuerfreien Arbeitgeberanteil hinausgehenden Sonderausgabenabzug von 84 % ihres eigenen Arbeitnehmeranteils zur gesetzlichen Rentenversicherung. Wenn der Arbeitnehmer darüber hinaus noch weitere Beiträge an eine private Basisrentenversicherung zahlt, werden diese im Jahr 2021 als Sonderausgaben berücksichtigt, wenn der Höchstbetrag von 25.787 EUR (2021) nicht überschritten wird. Der innerhalb des Höchstbetrags anzusetzende Beitrag wird dann mit 92 % bei der Ermittlung der Sonderausgaben berücksichtigt. Dieses führt dazu, dass in Fällen, in denen vom Arbeitgeber mehr als 50 % des Gesamtbeitrags steuerfrei nach § 3 Nr. 62 EStG gezahlt werden (z. B. Knappschaft), für den Arbeitnehmer nur noch ein geringeres Sonderausgabenabzugsvolumen verbleibt.

Sonderfall: Pauschale Arbeitgeberanteile

Pauschale Arbeitgeberanteile zur gesetzlichen Rentenversicherung, die der Arbeitgeber im Rahmen von geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen (Minijob) leistet, sind zwar nach § 3 Nr. 62 EStG steuerfrei. Sie werden jedoch nur auf Antrag des Steuerpflichtigen den zu berücksichtigenden Beiträgen hinzugerechnet.[4] Ergänzend hierzu ist in § 10 Abs. 3 Satz 7 EStG geregelt, dass die steuerfreien Pauschalbeiträge des Arbeitgebers von dem nach Anwendung des gültigen Prozentsatzes abziehbaren Betrag nur abgezogen werden, wenn der Steuerpflichtige die Hinzurechnung dieser Beiträge zu den Altersvorsorgeaufwendungen nach § 10 Abs. 1 Nr. 2 Satz 7 EStG beantragt hat. Im Fall der Zusammenveranlagung ist dieses Verfahren entsprechend anzuwenden, wenn die Ehegatten/Lebenspartner eine Hinzurechnung der Arbeitgeberbeiträge beantragen. Eine Einzelbetrachtung der Ehegatten/Lebenspartner ist dabei nicht vorzunehmen. Der insgesamt zu berücksichtigende Abzugsbetrag für Altersvorsorgeaufwendungen ist folglich um die Summe der für einen oder beide Ehegatten/Lebenspartner erbrachten steuerfreien Arbeitgeberleistungen nach § 3 Nr. 62 EStG oder diesen gleichgestellten steuerfreien Zuschüssen des Arbeitgebers zu mindern. Die Kürzung führt nicht zum Ansatz eines negativen Werts. Vor diesem Hintergrund sollte daher im Einzelfall genau geprüft werden, ob ein Antrag auf Hinzurechnung vorteilhaft ist.

 
Praxis-Beispiel

Einbeziehung pauschaler Arbeitgeberanteile

Der Steuerpflichtige ist Angestellter. Sein Arbeitslohn beträgt im Jahr 2021 30.000 EUR. Daraus werden Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung entrichtet (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil jeweils 2.790 EUR). Seine mit ihm zusammenveranlagte Ehefrau ist geringfügig beschäftigt. Sie erhält einen jährlichen Verdienst von 5.400 EUR (12 × 450 EUR). Sie lässt sich von der Rentenversicherungspflicht befreien, deshalb entfällt der von ihr zu zahlende Eigenanteil von 3,6 %. Der Arbeitslohn der Ehefrau wird daher pauschal besteuert. Der Arbeitgeber zahlt einen Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Rentenversicherung i. H. v. 810 EUR (15 % v. 5.400 EUR). Einen eigenen Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlt sie nicht.

Würden die Ehegatten die Einbeziehung des pauschalen Arbeitgeberanteils zur gesetzlichen Rentenversicherung nach § 10 Abs. 1 Nr. 2 Satz 7 EStG beantragen, könnten sie folgende Beträge im Rahmen der Basisvorsorge ansetzen:

 
Arbeitnehmerbeitrag 2.790 EUR  
Steuerfreier Arbeitgeber­beitrag Ehemann + 2.790 EUR  
Steuerfreier Arbeitgeber­beitrag Ehefrau + 810 EUR  
Summe 6.390 EUR  
Höchstbetrag 51.574 EUR  
Anzusetzen ist der niedrigere Betrag
6.390 EUR
 
Davon für das Jahr 2021 92 %   5.879 EUR
Abzüglich steuerfreier Arbeitgeberanteil Ehemann   - 2.790 EUR
Abzüglich steuerfreier Arbeitgeberanteil Ehefrau BITTE "-810 EUR" nach rechts rücken - 810 EUR  
Zusätzlich abziehbare Altersvorsorgeaufwendungen BITTE den Wert nach rechts rücken 2.279 EUR

Würden die Ehegatten auf eine Einbeziehung des pauschalen Arbeitgeberanteils zur gesetzlichen Rentenversicherung nach § 10 Abs. 1 Nr. 2 Satz 7 EStG verzichten, könnten sie folgende Beträge im Rahmen der Basisvorsorge ansetzen:

 
Arbeitnehmerbeitrag 2.790 EUR  
Steuerfreier Arbeitgeber­beitrag Ehemann + 2.790 EUR  
Summe 5.580 EUR  
Höchstbetrag 51.574 EUR  
Anzusetzen ist der niedrigere Betrag
5.580 EUR
 
Davon für das Jahr 2021 92 %   5.134 EUR
Abzüglich steuerfreier Arbeitgeberanteil Ehemann   - 2.790 EUR
Zusätzlich abziehbare Altersvorsorgeaufwendungen   2.344 EUR

Variante: Die Ehefrau hat sich entschieden, nicht auf die Rentenversicherungspflicht zu verzichten. Als rentenversicherungspflichtige Minijobberin erwirbt sie vollwertige ...

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