Arbeitszimmer, Anerkennung ... / 6.2 Häuslicher Behandlungsraum oder häusliches Arbeitszimmer

Voraussetzung ist immer, dass der Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich zu betrieblichen und/oder beruflichen Zwecken genutzt wird. Das bedeutet, dass die Abgrenzung nicht immer ganz einfach ist. Obwohl der für Notfälle eingerichtete Behandlungsraum einer Ärztin nicht vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer Arbeiten dient, hat das Finanzgericht Münster entschieden, dass es sich um ein häusliches Arbeitszimmer handelt. Nach Auffassung des Finanzgerichts Münster dürfen die Aufwendungen, die für den Behandlungsraum entstehen, nicht als Betriebsausgaben abgezogen werden. Der Raum erfüllt nicht das Merkmal der "leichten Zugänglichkeit". Aus diesem Grund nimmt das Finanzgericht eine schädliche private Mitnutzung an.

 

Praxis-Beispiel

Erreichbarkeit eines Raums bei Publikumsverkehr

Eine Augenärztin, die an einer Gemeinschaftspraxis beteiligt ist, hat zur Behandlung von Notfällen im Keller ihres privaten Wohnhauses einen Behandlungsraum eingerichtet. Der Raum ist nur vom Flur des Wohnhauses aus erreichbar. Die Klägerin wollte die Kosten für den Behandlungsraum als Sonderbetriebsausgaben im Rahmen der Feststellungserklärung der Gemeinschaftspraxis geltend machen. Das Finanzamt lehnte dies ab, weil der Raum ein häusliches Arbeitszimmer darstelle.

Das Finanzgericht ließ den Betriebsausgabenabzug nicht zu, weil eine schädliche private Mitnutzung vorliege. Denn die Patienten müssen, um in den Notbehandlungsraum im Keller zu gelangen, zunächst den Eingangsbereich des Hauses und einen Teil des Flures im Erdgeschoss durchqueren. Es gibt nur eine Haustür, die ohne gesonderten Flur in das Erdgeschoss führt, wo sich außer der Treppe zum Keller das Schlafzimmer der Klägerin, das Wohnzimmer, die Küche und ein Gäste-WC befinden. Nach dem Betreten des Flures im Erdgeschoss müssen die Patienten, um in den Notbehandlungsraum zu gelangen, die Treppe zum Keller benutzen und im Keller nochmals einen Flur durchqueren, der nicht nur zum Notbehandlungsraum führt, sondern zu weiteren privat genutzten Räumen.

Bei einer Werkstatt, einem Tonstudio und einem Warenlager spielt es keine Rolle, wie der abgeschlossene Raum erreicht wird. Eine private Mitnutzung scheidet aus, weil hier anders als bei einer ärztlichen Notfallpraxis kein Publikumsverkehr stattfindet. Das Finanzgericht stellt also bei einer Tätigkeit mit Publikumsverkehr entscheidend auf die leichte Zugänglichkeit ab.

 

Praxis-Tipp

Einspruch ist sinnvoll

Eine Einschränkung, wie sie das Finanzgericht vornimmt, macht das BMF nicht. Das Finanzgericht hat die Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassen (Az. beim BFH: VIII R 11/17). Das bedeutet, dass gegen eine ablehnende Entscheidung des Finanzamts immer vorgegangen werden sollte. Bis zur Entscheidung durch den BFH sollte der Fall daher offengehalten werden.

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