New Work in Controlling und Finance: Mindset, Tools & Transformation
New Work ist ein Triathlon
Die ursprüngliche Bedeutung von New Work ist auf den kürzlich verstorbenen Sozialphilosophen Prof. Dr. Frithjof Bergmann zurückzuführen. Im Zuge der Corona-Pandemie hat der Begriff einen neuen Stellenwert in der Arbeitswelt und wird in vielen Facetten definiert. Im Kontext dieses Artikels umfasst New Work die Disziplinen Leadership, mobiles Arbeiten und Arbeitsplatzgestaltung sowie unternehmensweite Zusammenarbeit und Tools:
Leadership: Vertrauensbasierte und empathische Führung
Vertrauen und Inspiration getrieben durch Werte und Sinnhaftigkeit sind die entscheidenden Elemente der intrinsischen Motivation und Loyalität. Führungskräfte sind sich ihrer Vorbildunktion bewusst und handeln gemäß dem Motto „walk the talk“. Zudem sind sie gute Zuhörer und sehen ihr Team als Expertengruppe, auf die es sich zu verlassen lohnt. Teammitglieder treffen eigenständige Entscheidungen, jedoch steht die Führungskraft jederzeit als Sparringpartner bereit. Stetiges konstruktives Feedback ist fest im Arbeitsalltag verankert, sodass eine konstante und transparente Kommunikation zwischen Teamleader und Teammitglied gewährleistet ist. Somit sind in Zeiten von Remote/Hybrid Leadership neuartige Kompetenzen notwendig, die insbesondere auf die Motivation der Teammitglieder abzielt. Diese können in der Rolle als Sinnstifter, Vorbild, Enabler und Personalentwickler zusammengefasst werden.
Mobiles Arbeiten und Arbeitsplatzgestaltung: Zweiklang des hybriden Arbeitsmodells
In diesem Arbeitsmodell haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Flexibilität, mobil oder im Büro zu arbeiten. Im Büro sind die Arbeitswelten so gestaltet, dass Arbeitnehmer zwischen Konzentrations- oder Kollaborationsräumen wählen und eine kleine Kaffeepause mit Kolleginnen und Kollegen abhalten können. Hier sind entsprechende Flächen-, Ausstattungs- und Organisationskonzepte essentiell.
Der Finanzbereich bietet darüber hinaus, gemäß seiner Arbeitsprozesse, die Möglichkeit, vollständig mobil zu arbeiten, sofern das Mindset, also die innere Einstellung, passt. Mitarbeiter sind nicht mehr an Standorte gebunden, sondern können sich ortsunabhängig entsprechend ihrer privaten Präferenz niederlassen und ihrer Arbeit nachkommen. Unternehmen können andererseits aus einem weltweiten Talentpool interne Stellen besetzten.
Können Arbeitnehmer flexibel zwischen mobilem Arbeiten und Hybrid-Work-Modellen wählen, ist dies ein erfolgversprechendes Instrument für Unternehmen, ihre Arbeitgeberattraktivität zu steigern. Je nach Lebensmodell und Lebensphase kann die Präferenz der Mitarbeitenden unterschiedlich sein. Ich wage die Prognose, dass die Mehrheit der Belegschaft im Finanzbereich sich für das Hybrid-Work-Model entscheiden würde und nur vereinzelt für das rein mobile Arbeitsmodell.
Unternehmensweite Zusammenarbeit zur Überwindung von Silo-Mentalitäten
Eine globale Plattform ermöglicht die technische Voraussetzung für eine einheitliche Arbeitsweise sowie eine funktionsübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Insbesondere durch Funktionalitäten der synchronen und asynchronen Kommunikation ist eine Kollaboration über Standort- und Ländergrenzen hinweg möglich. Neben der reinen Implementierung von Tools ist ein Schulungsangebot unabdingbar, da die aktive Nutzung von digitalen Lösungen die gewohnte Arbeitsweise grundlegend ändert.
Eine unternehmensweite Zusammenarbeit ermöglicht darüber hinaus Projektteams divers zu besetzten, sodass die Teammitglieder über unterschiedliche Kompetenzen verfügen und ihre gemeinsame Expertise zum Projekterfolg führt. Diversität inkludiert zahlreiche Facetten, an dieser Stelle möchte ich jedoch ermutigen, jungen Menschen die Projektleitung zu übertragen. Oftmals wird Berufserfahrung überschätzt und erfahrene Mitarbeitende sind nicht immer der Treiber von Wandel. Motivation und Neugierde schlägt Erfahrung.
Um diese Sichtweise zu fördern, sind neben einem reinen Appell entsprechende Ziele in der Incentivierung der Führungskräfte zu verankern. Diese Ziele sollten neben Diversität eine unternehmensweite Zusammenarbeit forcieren, sodass sich der Blickwinkel der Führungskräfte von der eigenen Kostenstelle hin zu den übergeordneten Unternehmenszielen erweitert, denn diese lassen sich nur gemeinsam erreichen.
Unternehmen durchlaufen somit durch New Work einen kulturellen Transformationsprozess, in dem der Mensch in den Mittelpunkt gestellt wird. Vanessa Jobst-Jürgens fasst dies sehr passend zusammen:
Es geht nicht darum “New Work zu machen” – es geht darum, New Work zu fühlen. Und dann zu machen. New Work impliziert, dass sich jeder Mensch in seinem Arbeitsumfeld wohl fühlt, Sinnhaftigkeit in seiner Aufgabe erkennt sowie Passion und Kompetenz zusammenbringen kann. Diese neue Art zu arbeiten verfolgt die zentralen Werte Selbstständigkeit, Freiheit und die Teilhabe an der Gemeinschaft.
Zur Autorin:
Pia Burkarth bereitet in ihrer aktuellen Rolle die Finanzabteilung von thinkproject im Rahmen von Finance Excellence auf die Zukunft vor. Die Finanztransformation beinhaltet die Bereiche Standardisierung, Digitalisierung und Automatisierung. Nebenberuflich ist sie als Dozentin an der Hochschule Fulda tätig.
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