Indirekte Kosten im Fokus der CFOs
Wird nach den wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland gefragt, nehmen die Sorgen vor einer Trendwende zu. Das hat zur Folge, dass sich die CFOs Gedanken über die Optimierung der indirekten Kosten machen. Zunehmende Personalkosten sowie steigende Regulierungsanforderungen haben in den letzten Jahren das Kostenniveau erhöht. Meist wird dieser Erhöhung mit Prozessautomatisierung und -standardisierung begegnet.
Fachkräftemangel ist wichtigster Faktor für Personalkostenanstieg
In schwierigen Zeiten wird besonders auf die Kosten geachtet. Aktuell beschäftigt die CFOs deshalb die Höhe der Vertriebs- und Verwaltungsgemeinkosten, teilweise aber auch der Produktionsgemeinkosten. Das zeigt sich bei der Frage, wie sich die indirekten Kosten in Relation zum Umsatz durch die zunehmende Digitalisierung im Unternehmen innerhalb der letzten drei Jahre entwickelt haben:
- 51% der Befragten antworteten, dass die Vertriebs und Verwaltungsgemeinkosten gestiegen seien.
- Dennoch konnten auch 20% der Teilnehmer eine Reduktion dieser Kosten verzeichnen (s. Abb. 1).
Eine Ursache für die steigenden Kosten sehen die CFOs vor allem in externen Faktoren. Allen voraus sind das die Personalkosten (79%) und Regulierungsanforderungen (48%). Ein Grund für den Personalkostenanstieg ist der Fachkräftemangel, der sich in den Unternehmen mehr und mehr abzeichnet, insbesondere jedoch im Handel und in der Technologiebranche.
Abb. 1: Entwicklung der indirekten Kosten
Optimierung von Unternehmensstruktur und Wertschöpfungsketten gehen ins Geld
Interne Faktoren für den Kostenanstieg sind nach Angabe der Befragten die wachsende organisatorische Komplexität sowie der erhöhte Umfang von planenden und steuernden Funktionen.
Maßnahmen zur Optimierung der indirekten Kosten genießen hohe Priorität
Knapp die Hälfte (47%) der CFOs behandelt die Optimierung der Gemeinkosten mit sehr hoher oder hoher Priorität. Interessanter Weise sieht gerade der Handel, der besonders vom Anstieg der indirekten Kosten betroffen ist, nur einen geringen Handlungsbedarf.
Um die steigenden indirekten Kosten optimieren zu können, veranlassen die CFOs verschiedene Maßnahmen, die sowohl traditioneller als auch innovativer Natur sind.
- Spitzenreiter ist laut der Studie die Prozess- und Systemstandardisierung. 21% der Teilnehmer sehen hier sehr großes Potenzial, 46% ein hohes Potenzial.
- Ähnliche Ergebnisse erzielt auch die Automatisierung transaktionaler Prozesse, in denen Robotic Process Automation mit einbezogen ist. In diesem Bereich sehen 18% ein sehr großes und 35% ein hohes Potenzial für die Reduktion der Kosten.
- Die Re-Organisation und damit insbesondere die funktionsübergreifende Zusammenarbeit und Aufgabenbündelung verfügt aus der Sicht von 43% der Teilnehmer über ein erhöhtes Potenzial, dagegen nur bei 6% der CFOs über ein sehr hohes Potenzial.
- Eher unbedeutend ist nach Ansicht der Probanden das Behavioral Nudging. Unter dem Begriff versteht man die Veränderung des menschlichen Verhaltens ohne explizite Verbote.
Eine genaue Auflistung aller Maßnahmen zeigt Abb. 2: Potenzial einzelner Maßnahmen zur Senkung indirekter Kosten.
Verfahren für das Gemeinkostenmanagement
Die Unternehmen setzen auf mehrere verschiedene Verfahren, wenn es um das Gemeinkostenmanagement geht. Allgemein kann festgehalten werden, dass laufende Verfahren einmaligen Verfahren vorgezogen werden.
- Das laufende Gemeinkostencontrolling beispielsweise ist besonders beliebt. 40% messen diesem Verfahren eine sehr hohe oder hohe Bedeutung zu.
- Auf Platz 2 folgt mit 34% sehr hoher oder hoher Bedeutung das Benchmarking, das mehrmals wiederholt wird.
- Den Advanced Cost Analytics, die auf digitalen Technologien beruhen, sprechen immerhin 11% eine sehr hohe bis hohe Bedeutung zu. Mittels dieser Methode können prozessbezogene Massendaten schneller analysiert, Simulationsrechnungen durchgeführt und Potenzialabschätzungen zur Kostensenkung erstellt werden. Im weiteren Verlauf der digitalen Transformation wird dieses Verfahren sicherlich an Bedeutung gewinnen.
Über die Studie
Die zum 14. Mal durchgeführte CF-Studie wurde im Zeitraum vom 4. bis 24. September 2018 online durchgeführt. Teilgenommen haben 180 CFOs die bei deutschen Großunternehmen, darunter hauptsächlich aus dem Maschinenbau, angestellt sind. Rund 35% der Unternehmen erzielen einen jährlichen Umsatz von über 1 Mrd. Euro, 50% mehr als 500 Mio. Euro. Hauptziel der halbjährlich durchgeführten Studie ist die Identifizierung von Trends und Trendbrüchen.
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