Warum braucht unser Unterne... / 10 Praxisbeispiel: Einführung einer neuen Ankertechnik

Für die Errichtung einer Tunnelstrecke muss eine neue Ankertechnik erprobt und eingeführt werden. Anker werden im Tunnelbau zur Absicherung des Gebirges gegen Einsturz verwendet. Bisher kommt überwiegend eine spezielle Dübel-Technik zum Einsatz. Zum Einbringen der Dübel werden bis zu 6 m tiefe Löcher in das Gebirge gebohrt. Darin wird ein Spreizdübel aus Metall eingesetzt und die Ankerstange verschraubt. Bei dieser Technik wird nicht immer die gewünschte Haltbarkeit erreicht. Das ist abhängig von der Art des Gebirges. Bei weichem Gestein lösen sich einzelne Anker oder sie lassen sich erst gar nicht festschrauben. Kosten und zeitintensives Nacharbeiten und das Setzen zusätzlicher (Sicherheit) Anker ist bei der Technik regelmäßig erforderlich. Auch ist die Zahl von Unfällen aufgrund von herabfallendem Gestein überdurchschnittlich hoch.

Da in dem zu errichtenden Tunnel ein besonders poröses Gebirge angetroffen wurde, ist das Risiko von Störungen und Unfällen besonders hoch. Es soll daher eine gänzlich neue Klebetechnik erprobt werden. Die Hersteller der Klebeanker und die Tunnelbauer waren gleichermaßen um ein gutes Ergebnis bemüht.

Folgende Anforderungskriterien galt es zu erfüllen:

  • der sichere Sitz im Gebirge muss durch den Kleber gewährleistet werden;
  • die Belastbarkeit der Anker sollte sich erhöhen;
  • der Arbeitsablauf sollte vereinfacht und Nacharbeit vermieden werden;
  • der zeitliche Aufwand war zu minimieren;
  • eine gefahrlose Verwendung des Klebers musste möglich sein;
  • sauberer Einbau ohne Auslaufen von Kleber und schnelle Abbindung;
  • gefahrloser Transport und sichere Lagerung;
  • problemlose Entsorgung von Resten und Gebinden;
  • keinerlei Transport- und Lagerbeschränkungen;
  • keine zusätzlichen Brandgefahren;
  • Herstellergarantien zur langfristigen Haltbarkeit;
  • keine zu erwartenden Umweltbelastungen bei sachgerechter Verwendung.

Ein junger Ingenieur wird zum Projektmanager benannt. Zur Einhaltung der Gesamtbauzeit werden für die Testphase 3 Monate vorgegeben. Das Projektteam besteht aus je einem Mitarbeiter der Bereiche Logistik/Einkauf, Technik/Projektmanager, Produktion, Betriebssicherheitsmanagement, Hersteller der Klebeanker.

Folgende Arbeitsteilung wurde in der ersten Sitzung des Projektteams festgelegt:

Projektmanager:

  • Leiten des Projektes und Verantworten des Ergebnisses,
  • Führen des gesamten Schriftwechsels und der Protokolle,
  • Anleiten der Ausführung vor Ort,
  • Abstimmung mit dem Lenkungskreis,
  • Verfolgen des Ablaufplans,
  • Auswertung aller Ergebnisse.

Logistik:

  • Liefergarantien,
  • Preisverhandlungen,
  • Liefermengen,
  • Lieferzeiten,
  • Abnahmeverpflichtung,
  • Herstellergarantien,
  • Anlieferung,
  • Transport zum Einbauort,
  • Zwischenlagerung,
  • Lagerung vor Ort,
  • Belieferungsabstände,
  • Rücktransporte,
  • Entsorgung,
  • Größen der Gebinde.

Technik:

  • Projektmanagement,
  • Erstellen der Verfahrensanweisung,
  • Durchführung der Tests,
  • Prüfung der Festigkeiten,
  • Technische Bewertung der Ergebnisse.

Produktion:

  • Einbau der Anker in die erstellten Bohrlöcher,
  • Herrichten des Arbeitsplatzes einschließlich Be- und Entlüftung,
  • Bewertung des Arbeitsablaufes,
  • Erfüllen des vorbeugenden Brandschutzes,
  • Schulung der Ausführenden,
  • Beschaffung der Persönlichen Schutzausrüstung,
  • Aushändigen der Betriebsanweisungen, Verfahrensanleitung und Gefahrstoffmerkblätter nach Erläuterung an die Mitarbeiter,
  • Durchführen der Arbeitsschutzunterweisung,
  • Unterstützen der einbezogenen Fachbereiche.

Betriebssicherheitsmanagement:

  • Moderation der Projektsitzungen,
  • Beratung der Projektmitglieder in allen Fragen,
  • Prüfung aller vom Hersteller übergebenen Unterlagen,
  • Durchführen und Auswerten der Risikoanalyse,
  • Durchführen und Auswerten der Arbeitsplatzmessung,
  • Erstellen der Betriebsanweisungen,
  • Koordination der erforderlichen Schulungen,
  • Abstimmung mit den Behörden für Arbeits- und Umweltschutz,
  • Abklären aller brandschutz- und lüftungstechnischen Fragen,
  • Überprüfung der sicheren Arbeitsweise,
  • Durchführen eines Kurzworkshops zur Prozessoptimierung,
  • Einarbeitung ins Betriebssicherheitshandbuch.

Diese Auflistung ist nicht abschließend. Sie zeigt jedoch, wie mit einer konsequenten Arbeitsteilung effizient gearbeitet werden kann. Das Projekt wurde pünktlich abgeschlossen. Die Linienverantwortlichen waren nur für die endgültigen Entscheidungen gefordert. Sie hatten ansonsten Zeit für ihre alltäglichen Aufgaben. Durch das Betriebssicherheitsmanagement wurden alle Beteiligten optimal vernetzt und unterstützt. Unnötige Absprachen wurden vermieden. Die Aufgabenstellung war nach 4 Projektsitzungen erfolgreich abgeschlossen. Die gemeinsam durch die technische- und kaufmännische Abteilung ermittelte Kosteneinsparung für den ersten Tunnelkilometer wurde mit 168.000 EUR beziffert. Das System findet inzwischen eine breite Anwendung.

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