21.05.2015 | Arbeitsschutzmanagement

Wenn Sicherheitsaudits zu Verstößen verleiten

Nach dem Audit ist vor dem Audit
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Der Mensch ist lernfähig und clever. Fast jeder weiß, wenn es gerade eine Kontrolle gegeben hat, vergeht meist längere Zeit bis zur nächsten. Bis dahin nimmt die Wahrscheinlichkeit ab, dass Verstöße erkannt werden. Und genau diese Denkweise kann dazu führen, dass Sicherheitsaudits nicht zwangsläufig die Sicherheit erhöhen.

Wer etwas produziert, hat Vorgaben was oder wie viel bis wann fertig sein muss. Nur durch solche Zielvorgaben kann ein Unternehmen wirtschaftlich kalkulieren und erfolgreich sein. Sicherheitsmaßnahmen können dazu führen, dass sich Arbeitsabläufe verlangsamen. Umgeht man die Sicherheitsvorgaben, steigt die Produktivität – allerdings auch das Fehler- und Unfallrisiko.

Kontrollen für mehr Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sind notwendig

Sicherheitsmaßnahmen sollen für mehr Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sorgen. Doch sie sind nicht immer beliebt. Deshalb ist es wichtig, dass immer wieder kontrolliert wird, ob sie eingehalten, aber auch warum sie umgangen werden.

Wann kommt es zu Regelverstößen durch Sicherheitsaudits?

Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum hat interessante Aspekte aufgedeckt, wann und warum es zu Regelverstößen kommen kann.

So erhöht sich nach Sicherheitsaudits die Bereitschaft, einen Regelverstoß zu begehen. Der Grund: Man fühlt sich sicher, nicht dabei erwischt zu werden, denn man geht davon aus, dass nicht direkt wieder ein Audit stattfinden wird.

Besser ab und zu 2 Sicherheitsaudits hintereinander

Damit sich dieses Verhalten nicht etabliert, raten die Psychologen, die das Experiment durchgeführt haben, ab und zu kurz zwei Sicherheitsaudits hintereinander durchzuführen.

Warum kommt es noch zu Regelverstößen?

Die Psychologen haben aber auch noch eine andere wichtige Erkenntnis gemacht und nennen auch dazu einen Lösungsvorschlag.

Den Studienteilnehmern wurde an einem Bildschirm mitgeteilt, wie viel sie vom Produktionsziel bereits erreicht haben bzw. wie hoch ihr Rückstand ist. Nach der negativen Mitteilung waren die Teilnehmer schneller bereit, Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen.

Die Wissenschaftler empfehlen deshalb, besser den Produktionsfortschritt zu kommunizieren als den Rückstand. Denn Erfolgsmeldungen scheinen zu motivieren, auch weiterhin sicher zu arbeiten.

Interne Audits, Verhaltenshinweise für Auditoren

Weitere Tipps und Hinweise, wie bei der Durchführung von internen Audits vorgegangen werden sollte, finden Sie in der Haufe-Checkliste "Interne Audits, Verhaltenshinweise für Auditoren".

Schlagworte zum Thema:  Arbeitsschutzmanagement, Audit, Risiko, Compliance

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