Wie lässt sich die Bleibelastung noch zuverlässiger bestimmen?
Es kann bei der Arbeit mit Blei und bleihaltigen Produkten zu Bleianreicherungen im Körper kommen, die teilweise zu schweren gesundheitlichen Folgen führen können. Um Beschäftigte zu schützen und entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen ableiten zu können, muss die Belastung durch Blei genau und schnell ermittelt sowie beurteilt werden. Aktuell wird die individuelle Bleibelastung eines Beschäftigten lediglich anhand der Ermittlung des Bleigehaltes im (Voll-)Blut beurteilt. Die akute Exposition und die Wirksamkeit von Arbeitsschutzmaßnahmen können dadurch nicht wirklich zuverlässig überprüft werden. In einer aktuellen Studie hat ein Forscherteam der BAuA daher untersucht, ob durch zusätzliche Messverfahren und der Berücksichtigung weiterer Indikatoren die Bleiexposition genauer, aktueller und zuverlässiger dargestellt werden kann.
Studiendurchführung
Im Rahmen des Projektes wurden drei Messmethoden erprobt. Erstens wurde der Bleigehalt der Luft durch Einatmen (Messung der einatembaren Partikelfraktion, sowohl ortsfest als auch personenbezogen), zweitens die Expositionswege über die Haut (dermale Exposition der Hände gemessen durch Wischprobe) und drittens neben der Bleiermittlung im Vollblut weitere Biomonitoring-Parameter (Blutplasma, Urin) gemessen. Alle diese Messungen wurden in fünf Betrieben während zwei Messkampagnen durchgeführt. Am Biomonitoring nahmen 43 (M1) bzw. 42 Beschäftigten (M2) teil. Die dermale Belastung wurde mittels Wischproben von den Händen der Beschäftigten bestimmt. Insgesamt wurde ein breites Spektrum von Arbeitsplätzen mit jeweils sehr unterschiedlichen Arbeitsbedingungen und umgesetzten Arbeitsschutzmaßnahmen berücksichtigt.
Ergebnisse
Bleikonzentration: Bei den Luftmessungen an den Arbeitsplätzen wurden in den fünf Betrieben teilweise sehr unterschiedliche Bleikonzentrationen festgestellt. Dabei wurde der „Maximale Arbeitsplatz-Wert“ (MAK-Wert, 0,004 mg/m³) in 83 % der Fälle überschritten, der neue Verbindliche Arbeitsplatzgrenzwert der EU (BOELV, 0,03 mg/m³) in immerhin 68 % der Fälle. In 24 % der Fälle lagen die Messwerte sogar oberhalb des alten BOELV-Werts von 0,15 mg/m³.
Dermale Exposition: Die dermale Exposition der Hände wies sowohl innerhalb der einzelnen Betriebe als auch von Betrieb zu Betrieb eine sehr große Spannweite auf. Zwar konnten für Betrieb A ähnlich wie bei den Arbeitsplatzmessungen nur geringfügige Veränderungen in den Lage- und Streuungsmaßen ermittelt werden, Betrieb B wies jedoch in Messkampagne 2 einen deutlich erhöhten Median der dermalen Messwerte im Vergleich zu Messkampagne 1 auf. Für die Betriebe C und E zeigte sich in Messkampagne 2 jeweils ein geringfügig niedrigerer und für Betrieb D ein deutlich niedrigerer Median.
Biomonitoring: Große Spannweiten bei den Bleikonzentrationen fanden sich auch bei den Messwerten von Blut, Plasma und Urin. Diese Unterschiede seien, so die Forscher, teilweise auf unterschiedliche Tätigkeiten, unterschiedliche Arbeitsschutzmaßnahmen (technisch, organisatorisch, persönlich) und vermutlich auch auf individuelles Verhalten zurückzuführen.
Bleiexpositionsschutz nicht ausreichend
Laut dem Forschungsteam der BAuA lassen sich derzeit keine ganz sichere Biomonitoring-Parameter ableiten, die eine zuverlässige Aussage zur akuten Exposition ermöglichen. Die Ergebnisse zeigten aber, dass die Bestimmung von Blei im Urin eine praktikable Alternative zur bisherigen Methode darstellen könne. Dies liegt daran, dass die Konzentration von Blei im Urin sehr eng mit der Konzentration von Blei im Vollblut korreliert. Bei der dermalen Exposition könne man wiederum nicht klar sagen, ob dabei eine Hand-Mund-Kontamination oder die Absorption von Blei durch die Haut eine größere Rolle spielt als bisher angenommen. Weitere Untersuchungen seien daher in allen Bereichen des Forschungsprojekts notwendig. Eines sei laut den BAuA-Wissenschaftlern aber sicher: Die bisherigen Arbeitsschutzmaßnahmen an den meisten Arbeitsplätzen mit Bleiexposition sind nicht ausreichend.
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