12.09.2016 | Resilire-Training

Online-Training zur Resilienzförderung

Dr. Christian Schlett, Universität Freiburg
Bild: Haufe Online Redaktion

Resilienz oder auch psychische Widerstandskraft ermöglicht es, mit hohen Arbeitsanforderungen erfolgreich umzugehen und daran sogar zu wachsen. Ein Instrument zur Förderung der Resilienz von Mitarbeitern können Online-Trainings sein, wie sie im Forschungsprojekt Resilire entwickelt wurden. Dr. Christian Schlett von der Universität Freiburg im Gespräch mit der Haufe-Arbeitsschutz-Redaktion.

Welche wissenschaftlichen Überlegungen liegen den Online-Trainings zugrunde?

Es gibt verschiedene Wege und Ansatzpunkte, um Resilienz zu trainieren. Bei dem Online-Training haben wir uns dafür entschieden, an bestimmten Fähigkeiten und geistigen Haltungen anzusetzen, die sich in der wissenschaftlichen Forschung immer wieder als wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung von Resilienz erwiesen haben. Konkret gesprochen regt das Training zu Achtsamkeit im Arbeitsalltag an, fördert die Überzeugung, arbeitsbezogene Herausforderungen erfolgreich bewältigen zu können, und stärkt den Optimismus. Wer mit diesen „personalen Ressourcen von Resilienz“, wie sie im Fachjargon genannt werden, gut ausgestattet ist, dem fällt es leichter, mit großen oder kleinen Rückschlägen bei der Arbeit resilient umzugehen.

Wie sind die E-Trainings denn konkret aufgebaut? Wird der Mitarbeiter nur mit Informationen zum Thema Resilienz versorgt, oder kann er auch selbst üben?

Beides. Die Trainings enthalten natürlich wichtige Informationen rund um das Thema Resilienz, dieser Teil wurde aber bewusst kurz gehalten. Wichtiger als die reine Wissensvermittlung war es uns, die Teilnehmer zur Reflektion über ihre eigene Resilienz bei ihrer Arbeit anzuregen und konkrete Übungen und Wege aufzuzeigen, wie sie ihre Resilienz trainieren können. Jede Trainingseinheit enthält daher eine oder mehrere konkrete Übungen, die in Form von Rätseln, Dialogfeldern, interaktiven Grafiken oder angeleiteten Audioübungen in das Training eingebunden sind. Zudem stehen für alle, die mehr tun wollen, am Ende jeder Trainingseinheit Vertiefungs-materialien mit weiteren Übungen und Anregungen zum Download bereit.

Wie laufen sie für den Mitarbeiter ab? Wie hoch ist der Aufwand für die Teilnahme?

Der Zeitaufwand ist mit 5-10 Minuten pro Einheit sehr gering. Und da es sich um ein Online-Training handelt, hat man alle Freiheiten darüber, wo und wann man eine Einheit belegen möchte.

Insgesamt umfasst das Training 3 Module à 5 Einheiten. Momentan erproben wir noch, welche Taktung für die meisten Teilnehmer am besten geeignet ist. Jeden Tag eine Trainingseinheit zu belegen stellt für viele Beschäftigte eine hohe zeitliche Anforderung dar, zudem bleibt nur wenig Zeit, um die Anregungen des Trainings wirken zu lassen und im Arbeitsalltag auszuprobieren. Daher raten wir insbesondere viel beschäftigten Teilnehmern dazu, die fünf Einheiten nicht alle in einer einzigen Woche zu belegen, sondern über einen Zeitraum von zwei oder notfalls auch drei Wochen zu verteilen. Viel länger sollte der Zeitrahmen allerdings nicht sein, da sonst der Faden leicht abreißt.

Sie haben die Online-Trainings bereits in Unternehmen eingesetzt? Gibt es bereits Erkenntnisse dazu?

Ja, die Resonanz auf das Training ist bisher sehr gut. Das zeigt sich unter anderem darin, dass ein reges Interesse an dem Resilienz-Training besteht und wir von den ca. 200 Beschäftigten, die bisher daran teilgenommen haben, überwiegend positives Feedback erhalten haben. In zwei Unternehmen, in denen das Training bereits großflächig eingesetzt wurde, bewertete etwa drei Viertel der Teilnehmer das Training als gut oder sehr gut und würde es weiterempfehlen. Mehr als die Hälfte derer, die regelmäßig daran teilgenommen haben, gab zudem an, bei dem Training viel gelernt zu haben.

Dies zeigte sich auch in objektiven Tests, in denen das Wissen über die Trainingsinhalte anhand von Quizfragen geprüft wurde: Nach dem Training beantworteten die Teilnehmer mehr Fragen richtig als zuvor. Auch in Bezug auf die Auswirkungen des Trainings auf die Resilienz und die psychische Gesundheit der Beschäftigen sind die ersten Ergebnisse vielversprechend. In einer der beiden Unternehmen führte die Teilnahme am Training zu einem deutlichen Anstieg der trainierten personalen Ressourcen, des resilienten Verhaltens und zu einer Reduktion der psychischen Beanspruchung. Diese Befunde stimmen uns optimistisch, dass das Training nicht nur unterhaltsam, sondern auch wirksam ist.

Gibt es die Möglichkeit, sich die E-Trainings anzusehen bzw. diese zu nutzen?

Ja, wenn Sie sich die Trainings im Detail anschauen und mehr dazu wissen möchten, bietet sich am 13.10. bei der Messe „Arbeitsschutz aktuell“ eine gute Möglichkeit. Im Rahmen der Messe findet ein Workshop zu Resilienzförderung statt, auf dem neben den Online-Trainings weitere Gestaltungs¬ansätze zur Förderung von Resilienz vorgestellt und diskutiert werden und darüber hinaus weitere praxisnahe Themen wie beispielsweise die Diagnose von Resilienz und die Integration von Resilienz fördernden Maßnahmen im Unternehmen angesprochen werden.

Momentan arbeiten wir zudem gemeinsam mit Haufe mit Hochdruck daran, die Online-Trainings gemeinsam mit Instrumenten zur Diagnose von Resilienz auf einer Resilienzplattform zu integrieren. Diese Online-Plattform soll es Interessierten zukünftig erleichtern, die Trainings und Instrumente für sich und ihr Unternehmen zu nutzen. Sobald diese Plattform fertiggestellt ist, werden wir darüber informieren.

Hintergrundinformationen

Resilienz oder auch psychische Widerstandskraft ermöglicht es, mit hohen Arbeitsanforderungen erfolgreich umzugehen und daran sogar zu wachsen. Für Unternehmen liegt der Wert von Resilienzförderung im Aufbau positiver Einstellungen, Verhaltensweisen und Denkansätze, die psychischen Belastungen und Gefährdungen beim Eintreten hoher Anforderungen vorbeugen und damit die Beschäftigten auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten.

In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekt „Resilire – Altersübergreifendes Resilienz-Management“ entwickeln die Partner Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, GALA e. V., Haufe Lexware GmbH, Volksbank Freiburg eG Instrumente zur Resilienzförderung (z. B. Online- und Präsenzcoachings, Train-the-trainer- und Multiplikatorenschulung) und erproben sie im betrieblichen Einsatz.
Die hier entwickelten Instrumente zur Resilienzförderung im Unternehmen werden im Rahmen eines halbtägigen Workshops auf der Arbeitsschutz Aktuell im Oktober 2016 in Hamburg vorgestellt. 

Siehe auch

Forschungsprojekt Resilire: Resilienz messen und verändern

Arbeitsschutz Aktuell 2016: Resilienz als Erfolgsfaktor

Schlagworte zum Thema:  Resilienz, E-training, Workshop

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