Burnout ist für jeden zweiten Deutschen zu einer realen Bedrohung geworden: Fast 90 % der Deutschen fühlen sich gestresst. Und rund 50 % fühlen sich von Burnout bedroht, so die Ergebnisse einer Umfrage der pronova BKK. Angesichts dieser Zahlen stellt sich die Frage, welche Rolle der Arbeitgeber bei der Burnout-Prävention spielt und auf welche Warnsignale Arbeitnehmer achten sollten.

Nicht nur innere Anspannung und anhaltende Erschöpfung können Anzeichen für Burnout, eine Zusatzdiagnose zur Depression sein. Auch Rückenschmerzen, Lustlosigkeit oder Schlafstörungen können im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung auftreten. Und über einzelne dieser Symptome klagen in Deutschland über 60 % ab und zu, 23 % sogar häufig.

Innere Anspannung und Grübeln lassen schlecht schlafen

Von den Befragten sagten ...

59 %, dass sie sich manchmal innerlich angespannt fühlen.

54 %, dass sie über ihre Arbeit grübeln,

53 %, dass sie schlecht schlafen.

Stress führt zu Erschöpfung und Burnout

Für die Studie "Betriebliches Gesundheitsmanagement 2018" befragte pronova BKK online 1.650 Beschäftigte. Dabei wurden 4 Hauptgründe für das Gefühl der völligen Erschöpfung genannt:

  • Termindruck z. B. durch Abgabefristen, Kunden- oder Chefwünsche,
  • emotionaler Stress durch Kunden oder Patienten,
  • Überstunden und
  • schlechtes Arbeitsklima.

Führt die Digitalisierung zu Burnout?

Aber auch die zunehmende Digitalisierung lastet den Beschäftigten im wahrsten Sinne des Wortes auf der Seele:

  • 15 % gaben an, durch die zunehmende Digitalisierung um ihren Arbeitsplatz zu fürchten.
  • 8 % fühlen sich durch den Einsatz von Robotern und die schnellere Kommunikation unter Druck.
  • Mit 25 % ist das Thema ständige Erreichbarkeit dagegen leicht rückläufig. Medien-Auszeiten werden öfter als Normalität angesehen.

Arbeitgeber hat keine Zahlen zu Burnout im Unternehmen

Da ein Arbeitgeber anhand der Krankmeldung eines Mitarbeiters nicht erkennen kann, was die Ursache seiner Erkrankung ist, bleiben psychische Belastungen und ihre negative Folgen oft lange unerkannt. Allerdings kann der Arbeitgeber bei der Krankenkasse erfragen, aus welchen Gründen seine Mitarbeiter sich insgesamt krankmelden. Die Ergebnisse erhält er dann für alle Mitarbeiter anonymisiert. Zeigt sich, dass besonders viele wegen psychischen Problemen ausfallen, sollte sich das Unternehmen externe Hilfe holen.

Der Arbeitgeber muss psychische Belastungen ermitteln und darauf reagieren

Laut Arbeitsschutzgesetz muss der Arbeitgeber bei Gefährdungsbeurteilungen auch psychische Belastungen ermitteln. Diese können z. B. durch Lärm im Großraumbüro entstehen, durch mangelnde Wertschätzung oder durch ständige Störungen etwa durch Kollegen, Kunden und Vorgesetzte. Wer selbst mittendrin steckt, kann zwar vielleicht das Problem benennen, aber noch lange keine Lösung entwickeln. Auch deshalb ist professionelle Unterstützung von Vorteil.

Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen und Krankheitssymptomen wird zu spät erkannt

Wenn psychische Belastungen dauerhaft stattfinden, kann dies irgendwann zur Überforderung führen. Wann genau weiß niemand. Und so passiert es, dass Betroffene oft zu spät einen möglichen Zusammenhang zwischen der psychischen Belastung und den Symptomen erahnen. Bei Anzeichen wie Unruhe, schlechtem Schlaf, langanhaltenden Nacken- oder Rückenschmerzen sollte beim Hausarzt abgeklärt werden, ob keine körperlichen oder organischen Ursachen dafür verantwortlich sind.

Burnout: Betriebsrat kann zu betriebsinternen Lösungen beitragen

Wurde eine Erschöpfung diagnostiziert, sollte der Betroffene das Gespräch mit einem ausgebildeten Coach, Psychotherapeuten oder dem Betriebsrat suchen. Der Kontakt mit dem Betriebsrat kann vor allem auch dazu dienen, dass nach betriebsinternen Lösungen gesucht wird, wenn mehrere Beschäftigte im Unternehmen unter psychischen Belastungen leiden.

Beispiele, wie psychischen Belastungen und Burnout begegnet werden kann

  • Mitarbeiter mit Führungsfunktion zum Coaching anmelden,
  • Führungskräfte im gesunden Umgang mit Mitarbeitern schulen,
  • Feedback und Wertschätzung in den Arbeitsalltag integrieren,
  • Aufgaben im Betrieb umverteilen,
  • Personal aufstocken oder
  • flexiblere Arbeitszeiten einführen.
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