Stress ist auf Baustellen weit verbreitet. Auch in der Bauwirtschaft sind die Beschäftigten von Zeit- und Termindruck betroffen. Und viele empfinden das als Belastung.

Der Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnische Dienst (ASD) der BG BAU befragte mehr als 5.600 Beschäftigte aus allen 24 Berufsgruppen der Bauwirtschaft und des Reinigungsgewerbes zu psychischen Belastungen im Arbeitsalltag. Am häufigsten wurde Zeit- und Termindruck genannt. Doch auch monotone Arbeit und fehlende Anerkennung machen das Arbeiten schwer.

Eine falsche Selbsteinschätzung kann die Gesundheit gefährden

Seit einigen Jahren wird bei der Gefährdungsbeurteilung auch eine Bewertung der psychischen Belastungen verlangt. Doch noch immer wird dieses Thema eher stiefmütterlich behandelt. Auch in der Baubranche wird nicht gerne darüber gesprochen. Die „starken Jungs und Männer“ haben es nicht so mit dem „Psychokram“. Allerdings kann gerade eine falsche Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsvermögens eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit und ein erhöhtes Unfallrisiko darstellen. Darauf weist auch der ASD im Zusammenhang mit der von den Befragten durchschnittlich gut bewerteten eigene Gesundheit trotz überdurchschnittlich schlecht bewerteten Arbeitsbedingungen hin.

Überstunden und lange Arbeitszeiten

  • Immerhin 61 % aller Befragten gaben an, dass sie von Zeit- und Termindruck bei der Arbeit betroffen sind. Und fast die Hälfte davon empfindet diesen Druck als Belastung.
  • Besonders betroffen sind die 35- bis 45-Jährigen, also die, die in der Lebensphase stecken, in die auch Kindererziehung, Hausbau sowie die Übernahme von Führungsaufgaben fallen.
  • Vor allem Bau- und Objektleiter klagen über Zeit- und Termindruck, die sich oft in Überstunden und lange Arbeitszeiten auswirken.

Teamarbeit

Bei Bau- und baunahen Berufen spielt Teamarbeit eine entscheidende Rolle. Interessant ist hier, dass diese sehr unterschiedlich bewertet wird.

  • Tiefbauer, Zimmerer und Steinmetze erleben die Arbeit im Team überdurchschnittlich oft positiv.
  • Baumaschinen- und Kranführer sowie Gerüstbauer und Mauerer bewerten die Zusammenarbeit mit den Kollegen dagegen eher schlecht.

Monotonie, Überforderung und fehlende Anerkennung

  • Maurer und Gerüstbauer empfinden ihre Arbeit mehr als der Durchschnitt monoton.
  • Während sich viele Maurer vom Arbeitsaufkommen und den Anforderungen überfordert fühlen, leiden Gerüstbauer am hohen Maß an Konzentration und der Verantwortung, die ihre Arbeit verlangt.
  • Bei den Gerüstbauern kommen als Belastung oft noch unklare Anweisungen sowie mangelnde Anerkennung durch Vorgesetzte hinzu.
Schlagworte zum Thema:  Psychische Belastung, Baugewerbe