28.09.2016 | Mitarbeiterbefragung

Wertvolles Analyseinstrument im BGM

Mitarbeiterbefragungen sind ein wertvolles Analyseinstrument im BGM.
Bild: Veer Inc.

Die Mitarbeiterbefragung ist im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) ein wertvolles Instrument zur Analyse der Ausgangssituation sowie zur Ableitung von Handlungsempfehlungen für die weitere Gestaltung des BGM. Gleichzeitig dient sie langfristig der Erfolgsmessung, insbesondere weicher Faktoren, wie Arbeitszufriedenheit, Führungsbewertung oder Fragen zur Gesundheitssituation.

Die anonyme Mitarbeiterbefragung ist ein klassisches Analyseinstrument im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Neben der Fehlzeitenstatistik, der Arbeitsplatz- und Tätigkeitsanalyse sowie weiteren Methoden zur Sammlung von Informationen, nimmt die Mitarbeiterbefragung eine besondere Stellung ein.

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Risiken erkennen und Maßnahmen ableiten

Um Potenziale der "Schwachstelle Mensch" freizusetzen, ist es im BGM von zentraler Bedeutung, gesundheitsbeeinträchtigende Belastungsfaktoren sowie Risiken für einen Ausfall bzw. Leistungsminderung zu kennen und auf dieser Basis die richtigen Maßnahmen abzuleiten. Eine Mitarbeiterbefragung liefert dafür wertvolle Informationen.

Obwohl der Gesetzgeber in § 5 Arbeitsschutzgesetz lediglich die Beurteilung der Arbeitsbelastung fordert, macht es im BGM durchaus Sinn, weitere Informationen zu generieren. Ausgehend davon, dass die Belastungssituation und die Arbeitsbedingungen im Betrieb zunächst für alle Beschäftigten gleich sind und die Auswirkungen und Folgen von den persönlichen Voraussetzungen und Kompetenzen des Einzelnen abhängen, sollten diese zentralen Elemente auch bei der Gestaltung einer Mitarbeiterbefragung berücksichtigt werden. Eine Befragung konzentriert sich dabei auf die subjektive Erfassung der Arbeitssituation (Belastung) und deren unmittelbaren sowie kurz- und langfristige Folgen (Beanspruchung). Aufgrund ihrer hohen Aussagekraft bildet sie ein Kernelement der Gesundheitsanalyse und trägt zur Ursachenfindung komplexer Themen bei. Sie sollte jedoch in jedem Fall mit anderen Instrumenten kombiniert zum Einsatz kommen.

Besteht im Betrieb keine konkrete Herausforderung (z. B. ein zu hoher Krankenstand oder der Anstieg psychischer Erkrankungen), dient die Mitarbeiterbefragung der aktiven Beteiligungsform. Dieser partizipative Ansatz ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor im BGM (vgl. Luxemburger Deklaration, 2007) und kann dazu genutzt werden, Verbesserungsvorschläge und Erwartungen abzufragen und Mitarbeiter bei der Auswahl und Gestaltung der Maßnahmen von Beginn an mit einzubeziehen.

Formen von Mitarbeiterbefragungen

Im Gesundheitsmanagement kommen hauptsächlich folgende Varianten zum Einsatz:

  • schriftliche Befragung in Papierform,
  • Online-Befragung.

Die Vorteile dieser beiden Formen liegen auf der Hand: Da bei einer anonymen schriftlichen oder Online-Befragung zum selben Zeitpunkt eine größere Gruppe (eine Teilgruppe oder alle Beschäftigten) befragt werden kann, resultiert daraus ein geringerer Zeitaufwand, verbunden mit weniger Kosten.

Die Online-Befragung ist dabei noch schneller umzusetzen, da Daten per Mausklick gespeichert und exportiert werden können. Ausgaben für Druck und Verteilung entfallen. Allerdings muss bei der Online-Form sichergestellt werden, dass keine Rückverfolgung auf einzelne Personen möglich ist. Im Idealfall läuft die Befragung über einen separaten Server (am besten über eine externe, unternehmensunabhängige Person). Wenn dieser Schutz nicht gewährleistet werden kann, ist die klassische Papierform zu empfehlen, denn das Vertrauen der Mitarbeiter sollte in dieser frühen Phase des BGM unter keinen Umständen gefährdet werden.

Kritische Punkte

Kritisch anzumerken ist bei Mitarbeiterbefragungen im BGM, dass

  • aufgrund der Komplexität des Zusammenhangs zwischen Arbeit und Gesundheit nicht alle Dimensionen vollständig erfasst werden können. Die Aussagekraft des Fragebogens ist also teilweise eingeschränkt;
  • der wissenschaftliche "Gold-Standard" nicht immer realisiert werden kann. Zur Wahrung der Anonymität und zur bestmöglichen Nutzung der Daten müssen oftmals einfache wissenschaftliche Forschungsdesigns angewendet werden.

Hinzu kommt, dass einige Betriebe in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Mitarbeiterbefragungen gemacht haben. In der Praxis wird häufig berichtet, dass Vorbereitungen mangelhaft waren, Führungskräfte zu wenig eingebunden wurden oder die Anonymität aufgrund vorgefertigter Fragebögen nicht gesichert werden konnte. Weiterhin beklagen einige Ansprechpartner, dass auf individuelle Bedürfnisse und Voraussetzungen im Betrieb wenig eingegangen wurde und für die Entwicklung eigener Fragebögen notwendige Kenntnisse und Erfahrungen fehlten.

Umso wichtiger ist es, sich im Vorfeld einer Befragung gut zu informieren, gängige Verfahren und wissenschaftliche Modelle zu recherchieren und bei Bedarf Unterstützung durch eine Fachkraft bzw. eine externe Beratung einzuholen.

Kombination mit anderen Instrumenten

Die alleinige Anwendung einer Mitarbeiterbefragung liefert keine vollständigen Informationen zur Ableitung von Maßnahmen. Durch eine sinnvolle Kombination mit anderen Instrumenten (z. B. Fehlzeitenstatistik, Arbeitsplatzanalyse und Gesundheitszirkel) können objektive und subjektive Faktoren erfasst, Ergebnisse verglichen und umfassendere Bewertungen vorgenommen werden. Die Auswahl und Zusammensetzung der Methoden hängt dabei u. a. von der Unternehmensgröße ab.

Organisation einer Befragung

Wie man eine Mitarbeiterbefragung richtig organisiert, durchführt und analysiert, erfahren Sie im Fachbeitrag  Organisation, Auswertung und Interpretation einer Mitarbeiterbefragung im BGM im neuen Haufe Betriebliches Gesundheitsmanagement Office.

Schlagworte zum Thema:  Betriebliches Gesundheitsmanagement, Analyse, Befragung, Interview, Psychische Belastung

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