Förderung der Frauengesundheit am Arbeitsplatz
Im Fehlzeitengeschehen zeigen sich bereits Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Der Krankenstand liegt bei den Frauen mit 6,7 % etwas höher als bei den Männern mit 6,4 %. Frauen waren im Jahr 2023 mit einer AU-Quote von 67,0 % auch häufiger krankgemeldet als Männer (61,5 %). Frauen leiden häufiger als Männer unter Muskel-Skelett-Erkrankungen, wie Arthrose und Osteoporose. Zudem sind Frauen häufiger von psychischen Störungen, wie beispielsweise Depressionen, Angst- oder Essstörungen betroffen, als Männer.
Befragung zu Wechseljahrbeschwerden
Rumler und Memmert der HWR Berlin befragten im Jahr 2023 2.119 Frauen mit Wohnsitz in Deutschland zu ihren Erfahrungen mit den Wechseljahren im Arbeitskontext. Die Teilnehmerinnen arbeiteten zu 49,2 % in Vollzeit und zu 45,4 % in Teilzeit. Das Durchschnittsalter lag bei 51 Jahren. Fast ein Drittel der Frauen war aufgrund von Wechseljahressymptomen schon einmal krankgeschrieben gewesen oder hatte unbezahlten Urlaub genommen (n = 1.923). Darüber hinaus gaben 18,4 % der Befragten an, dass die Wechseljahresbeschwerden Einfluss auf die Entscheidung hatten, ihre Stelle zu wechseln. Lediglich 15 % stimmten der Aussage zu, dass ein Umfeld geboten wird, in dem sie im Prozess der Wechseljahre unterstützt würden und nur 4,2 % der Befragten gaben an, dass bei ihrem Arbeitgeber eine wechseljahresfreundliche Arbeitskultur etabliert sei. Somit erhielten 60 % keine Unterstützung. 52,3 % sagten, dass das Thema Wechseljahre ein Tabuthema am Arbeitsplatz sei und knapp 68 % wünschten sich eine offene Kommunikation zum Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz. Neben de Wechseljahren sollte auch die Menstruation enttabuisiert werden. Vielen Frauen fällt es schwer, am Arbeitsplatz über dieses Thema bzw. den damit verbundenen Beschwerden zu sprechen. Denn je nach Ausmaß von Menstruationsbeschwerden kann auch die Arbeitsleistung negativ beeinflusst werden.
Förderung der Frauengesundheit am Arbeitsplatz
Ein Projekt zur Förderung der Frauengesundheit am Arbeitsplatz könnte sich wie folgt zusammensetzen:
- Aufklärung/Informationsveranstaltungen: Im Rahmen von Informationsveranstaltungen (bspw. in Form von Webinarreihen) zu den Themen Hormone, Menopause und mentale Gesundheit sollte auf Herausforderungen von und den Umgang mit Wechseljahren im Unternehmen gesprochen und diskutiert werden.
- „Ruheraum“: Um besser mit Symptomen, wie Bauchkrämpfen, Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen – bedingt durch Menstruation, Menopause etc. - umzugehen, bieten Ruheräume eine optimale Gelegenheit, um sich kurz zurückziehen zu können
- Medizinische Checks: Ein Cardiocheck kann Werte ermitteln, um die Herzgesundheit zu überprüfen.
- Ernährungsberatung/Gewichtsmanagement: Da es beispielsweise während der Menopause zu Gewichtszunahmen kommen kann, empfiehlt sich die Einbindung von Maßnahmen zum Gewichtsmanagement. In diesem Zuge sind auch Messungen bzgl. Körperzusammensetzung sinnvoll, um Übergewicht zu erkennen.
- Entspannungsmaßnahmen (bspw. Yoga): Sie können bei der Bewältigung von Beschwerden bezüglich Menstruation, oder Menopause unterstützen.
Lebensphasenorientierte Personalpolitik
Frauengesundheit ist ein häufig vernachlässigtes Thema am Arbeitsplatz. Genau hier setzt eine lebensphasenorientierte Personalpolitik an: Arbeitnehmerinnen sollte die nötige Flexibilität verschafft werden, um die individuellen Herausforderungen im (Arbeits-)Alltag besser meistern zu können. Arbeitgeber sollten dafür Sorge tragen, dass ein offener Umgang mit Themen, wie Beschwerden bedingt durch Menstruation, Hormonschwankungen und Wechseljahre gepflegt und für eine Enttabuisierung durch Sensibilisierung der Belegschaft gesorgt wird.
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