Solange der Chef nichts sagt, ist es gut, oder?
Alles steht und fällt mit der Laune des Chefs, sagt Katharina Zöllner (Name geändert), die in einer PR-Agentur arbeitet. Wenn der schlecht drauf ist, geht das kleine Team in "Duckhaltung". Überstunden würden von der jungen Mutter verlangt, aber nicht bezahlt. "Darunter leidet dann total die Motivation", sagt Zöllner.
Wenn es keine Rückmeldung zum Geleisteten gibt, ist das ein gutes Zeichen, oder?
So geht es täglich vielen Angestellten. Oft sind sie schon froh, wenn keiner schimpft. Wenn aber doch das Telefon klingelt und der Chef dran ist, kann es unangenehm werden. In vielen Unternehmen fehlt es nicht an Kreativität, Know-how oder Fleiß, sondern an Anerkennung, sagen Experten.
Statt Anerkennung bekommen Angestellte Druck
Madeleine Leitner arbeitet als Karriereberaterin. In ihrem Beruf hat sie es nicht selten mit Vorgesetzten zu tun, die ihre Angestellten als reine Kostenfaktoren sehen. "Viele Führungskräfte haben wenig Ahnung davon, wie man mit Mitarbeitern umgeht", sagt sie.
Wenn Mitarbeiter innerlich kündigen, kann es an der fehlenden Anerkennung liegen
Druck führe keineswegs dazu, dass irgendwer schneller oder besser arbeitet, erzählt Motivationstrainer Dirk Schmidt. Im Gegenteil: "Die Mitarbeiter haben innerlich gekündigt". Von ihnen könne der Vorgesetzte in der Regel nur das Nötigste verlangen - auf keinen Fall aber Engagement oder freiwillige Überstunden.
Rund 60 % der Arbeitnehmer gaben 2011 bei einer repräsentativen Umfrage des Bürodienstleisters Regus an, dass ihnen die Wertschätzung ihrer Leistung für die eigene Zufriedenheit im Job wichtig ist - kein Punkt erreichte mehr Zustimmung.
Anerkennung im Beruf: Erster Schritt: Loben
Als Chef sei es einfach, seinen Mitarbeitern ein gutes Gefühl zu geben, sagt Motivations-Experte Schmidt. Sie müssten den Kollegen nur darauf ansprechen, wenn seine Arbeitsleistung positiv aufgefallen ist. Wichtig sei auch, dass Vorgesetzte den Angestellten unverzüglich ihre Anerkennung aussprechen - und sich für das Lob ausreichend Zeit nehmen.
Auch Kollegen sollten Anerkennung signalisieren
Wenn es nach Patrick Killmeyer geht, sollten aber nicht nur Vorgesetzte Anerkennung zeigen, sondern auch Kollegen untereinander. Der Österreicher hat das soziale Netzwerk "Kraftwerk Anerkennung" gegründet. Hier können sich Kollegen oder gleich ganze Unternehmen anmelden, um sich online gegenseitig auf ihre Stärken aufmerksam zu machen.
Gleichzeitig wollen die Macher des sozialen Netzwerks den Nutzern das Loben beibringen. Helfen soll dabei ein digitales Coaching, das beurteilt, wie effektiv sich die User gegenseitig auf ihre Stärken aufmerksam machen. Für Privatpersonen ist das soziale Netzwerk kostenlos. Aber auch Firmen können sich geschlossen bei dem Service anmelden - dann kostet der Dienst 10 EUR pro Monat und Teilnehmer.
Warum sollen sich Kollegen gegenseitig Anerkennung im Internet aussprechen und nicht gleich im Büro?
"Im Alltag geht das unter", erklärt Killmeyer. Dort hätten alle viel zu tun. Außerdem sei die Wertschätzung in Betrieben so selten geworden, dass die Angestellten sie erst wieder erlernen müssten - im Netz bliebe ausreichend Zeit, am Lob zu pfeilen.
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