Einfacharbeit: Für die Beschäftigten alles andere als einfach
Einfacharbeit bezeichnet Tätigkeiten, vor allem im Handel, in der Reinigung und der Logistik, für die keine formale Ausbildung erforderlich ist und die meist schnell erlernbar sind. Dabei handelt es sich bei dieser prekären Beschäftigungsform um ein Arbeitsmarktsegment, das stetig zunimmt. Denn in Deutschland sind aktuell allein 2,86 Millionen junge Menschen unter 35 Jahren ohne Ausbildung und somit auf diese Helferjobs angewiesen. Das zeigt der Entwurf des neuen Berufsbildungsberichts für die neue Bundesregierung.
Zahl der Menschen ohne Berufsausbildung steigt
Daraus geht auch hervor, dass im Jahr 2024 erneut 259.000 junge Menschen nach der Schule in den sogenannten „Übergangsbereich“ gewechselt sind, 8.200 mehr als im Vorjahr. Unter allen OECD-Staaten hat Deutschland damit mittlerweile einen der höchsten Anteile an Menschen ohne formale Berufsausbildung bei den unter 35-Jährigen – noch vor 20 Jahren war genau das Gegenteil der Fall.
BAuA-Studie
Aber wie wirken sich diese „einfachen“ Tätigkeiten auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten aus? Der Bericht „Arbeits- und Gesundheitssituation von Erwerbstätigen in der Einfacharbeit“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) liefert nun erstmals umfassende Erkenntnisse zu Anforderungen, Belastungen und gesundheitlichen Auswirkungen.
Dabei beruhen die ausgewerteten Daten zunächst auf den Erhebungswellen 2024, 2018, 2012 und 2006 der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung, bei der in regelmäßigen Abständen eine repräsentative Querschnittsbefragung von rund 20.000 Erwerbstätigen durchgeführt wird. Weitere Erkenntnisse wurden aus der Umfrage „Digitalisierung und Wandel der Beschäftigung“ (DiWaBe), einer computergestützten telefonischen Befragung (CATI) aus dem Jahr 2019 gewonnen, welche die BAuA gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) durchführte.
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen: Einfacharbeit ist nicht nur körperlich fordernd, sondern auch die psychischen Anforderungen, unter anderem durch die Digitalisierung verursacht, sind größer geworden. Über körperliche Beschwerden wie Muskel-Skelett-Erkrankungen berichten Einfacharbeitende häufiger als Beschäftigte in Fach- oder hochqualifizierter Arbeit. Auch Erwerbsunterbrechungen, beispielsweise durch Arbeitslosigkeit, und ein vorzeitiger Renteneintritt sind in der Einfacharbeit häufiger als bei anderen Erwerbsgruppen.
Digitalisierung und Belastungen
Weitere Anforderungen entstehen durch die zunehmende Digitalisierung und Anwendung digitaler Technologien (IKT), die sich immer mehr auch auf die Einfacharbeit auswirken. Von den befragten Beschäftigten in Einfacharbeit nutzt bereits mehr als die Hälfte (56,6 %) immer oder häufig digitale Technologien.
Diese führten zwar laut Informanten auch in diesen Tätigkeitsfeldern einerseits zu mehr Handlungsspielraum bei der Arbeitsorganisation, andererseits nehmen psychische Belastungen, ausgelöst unter anderem durch Multitasking, deutlich zu. Von nennenswerten körperlichen Entlastungen durch die neuen Technologien berichtete dagegen nur eine Minderheit der Befragten. Die Analyse der Studienmacher erkannte ebenfalls keine signifikanten Zusammenhänge zwischen der IKT-Nutzung und körperlichen Anforderungen, wie dem Heben und Tragen schwerer Lasten oder dem Arbeiten in unangenehmer Körperhaltung.
BAuA-Empfehlungen
Um Erwerbsverläufe zu stabilisieren und die Gesundheit bis ins hohe Alter zu fördern, so die BAuA-Forscher, brauche es für die „Einfacharbeiter“ gezielte Maßnahmen. Sie schlagen daher eine gesundheitsförderliche Gestaltung von Einfacharbeit vor, wozu Maßnahmen zur Reduktion arbeitsbedingter Belastungen über psychologische Unterstützungsangebote bis hin zu zusätzlichen beruflichen Qualifizierungen zählen. So könnten Motivation, Beschäftigungsfähigkeit und die Arbeitsmarktchancen langfristig gesichert werden.
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