Digitales Monitoring belastet viele Beschäftigte
Innerhalb der letzten Jahre haben die Generierung und Speicherung von Daten aller Arbeitsprozesse zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dadurch ist für die Unternehmen ein „digitales Monitoring“ aller Arbeitsplätze und Beschäftigten möglich geworden. Die durch digitales Monitoring gewonnenen Daten können von den Betrieben somit unter anderem zur Leistungsbewertung und -kontrolle verwendet werden. So kann beispielsweise anhand von tragbaren Geräten die Pickrate, d. h. die Anzahl entnommener Packstücke pro Zeiteinheit, in Warenhäusern erfasst und ausgewertet werden. Mittels der digitalen Überwachungstechnologien könnten stark verringerte Handlungsspielräume während der Arbeit und neue gesundheitliche Belastungen für die Beschäftigten („digitaler Stress“) entstehen.
Ausmaß des Monitorings
In einer Umfrage in 160 deutschen Großbetrieben (ab 500 Beschäftigte) in den Jahren 2018/19 wollte die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) wissen, inwiefern diese Entwicklungen tatsächlich schon eingetreten sind. Die Ergebnisse der Befragung von insgesamt 4.391 Beschäftigten wurden im Januar 2023 veröffentlicht. Dabei gaben 40 Prozent der Befragten an, dass alle Daten an ihren Arbeitsplätzen und ihrer Arbeitsschritte automatisch gespeichert werden. Große Unterschiede gab es hinsichtlich der beruflichen Qualifikation der Befragten. So gaben rund 45 Prozent der Beschäftigten in Helfer- und Anlerntätigkeiten sowie in fachlich ausgerichteten Tätigkeiten an, dass Daten und Informationen zu ihrer Arbeit gespeichert werden. Bei Beschäftigten mit hochkomplexen Tätigkeiten traf dies nur auf 31 Prozent zu.
Überwachung und Stress
Mehr als ein Drittel der Beschäftigten fühlte sich durch das Monitoring und die automatische Datenspeicherung überwacht, insbesondere auf Angestellte in Helfer- und Anlerntätigkeiten traf dies zu. 55 Prozent der Beschäftigten mit automatischer Datenspeicherung berichteten von wenig Autonomie bei ihrer Arbeit, verglichen mit 39 Prozent der Beschäftigten ohne automatische Datenspeicherung. Eine Verletzung der Privatsphäre wurde jedoch von Beschäftigten deutlich seltener erlebt (11 Prozent). Zudem berichteten Beschäftigte, deren Arbeitsschritte automatisch gespeichert werden, etwas häufiger von einer eher schlechten mentalen/geistigen Gesundheit (44 Prozent vs. 38 Prozent). Wesentlich deutlicher zeigten sich die Unterschiede bei der Bewertung, inwiefern sich Datenspeicherung und Monitoring positiv auf eine Leistungssteigerung bzw. effizientere Arbeitsgestaltung auswirke. Lediglich 27 Prozent betrachteten die Datenspeicherung als Chance zur effizienteren Arbeitsgestaltung.
Hinweis:
Hier kann der BAuA-Bericht "Automatische Datenspeicherung von Arbeitsschritten und das Wohlbefinden von Beschäftigten. Ergebnisse einer Befragung in deutschen Großbetrieben" heruntergeladen werden.
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