Die Belastungsgrenze der Schulleiter ist endgültig erreicht
Viele Schulleitungen haben keine Zeit für Pausen, können nicht abschalten und gehen krank zur Arbeit, so das Fazit der GEW. 75 % der befragten Leitungskräfte gaben an, den ganzen Tag in einem hohen Tempo zu arbeiten. Dennoch konnten 70 % ihre Pausenzeiten nur selten oder nie einhalten. Damit ist die Belastung für das schulische Leitungspersonal größer als in vielen anderen vergleichbaren Arbeitsbereichen.
Studiendesign und Stichprobe
Mit 7.364 teilnehmenden schulischen Leitungskräften aus 14 Bundesländern war die GEW-Studie die bislang umfangreichste Umfrage unter Schulleitungen, bei der spezifische Belastungen des Jobs erfasst wurden. Dabei wurden Leitungskräfte von rund 23.000 Schulen befragt.
Hohes Tempo, wenig Pause, Arbeiten trotz Erkrankung
Die Belastung der Befragten wurde insbesondere an den Indikatoren „Hohes Tempo“, „Einhalten von Pausen“ sowie „Arbeiten trotz Erkrankung“ festgemacht. 59 % der Befragten gaben an, dass ein hohes Tempo oft ihren Arbeitsalltag prägt, 22 % erlebten in ihrer Schule immer ein hohes Tempo. Pausen konnten 38 % nur selten einhalten, 32 % nie. Lediglich 1 % der Befragten konnte regelmäßig Pause machen. Arbeiten trotz Erkrankung sei bei schulischen Leitungskräften besonders verbreitet. Auf einer Skala von 0 bis 100 wurden hier 58 Punkte erreicht. Zum Vergleich: Bei Lehrkräften, die nicht zum Leitungspersonal gehören, sind es 48 Punkte, in der öffentlichen Verwaltung 37 – und im Schnitt aller Berufe 40.
Vergleich mit anderen Berufen
Im Vergleich zu Durchschnittswerten anderer Berufsgruppen seien sowohl die quantitativen Anforderungen, bspw. Arbeitsvolumen, Tempo und Zeitdruck, als auch die emotionalen Anforderungen, etwa Work-Life-Konflikte und eine Entgrenzung von Beruf und Privatleben, bei Schulleitungen deutlich erhöht. Speziell die quantitativen Anforderungen lägen mit 73 % nochmals 10 Punkte über dem bereits erhöhten Wert für Lehrkräfte mit 64 Punkten. Der Durchschnitt aller Berufe in Deutschland betrug laut GEW hier 54 Punkte, der Wert für die öffentliche Verwaltung 55 Punkte.
Positives gleicht Negatives nicht aus
Zwar betrachteten Schulleitungen ihre berufliche Rolle als bedeutend, fühlten sich auch stark mit ihrer Schule verbunden und schätzen zudem die Entwicklungsmöglichkeiten sowie die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Insgesamt reichten für die allermeisten Befragten aber die positiven Aspekte dennoch nicht aus, um die stetig steigenden Belastungen auszugleichen. Die GEW fordert daher weitere Maßnahmen wie eine rigidere Arbeitszeiterfassung, mehr Personal für Unterricht und Verwaltung, Entlastungsstunden sowie eine regelmäßige Gefährdungsbeurteilung. „So kann es nicht weitergehen“, mahnte Ralf Becker, GEW-Vorstandsmitglied Berufliche Bildung und Weiterbildung. Die Länder müssten jetzt mit den Landesverbänden der GEW und den Personalräten Gespräche aufnehmen, damit rechtliche Grundlagen und Verfahren geschaffen würden, um die Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes umzusetzen.
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