| Sicherheit

Burnout-Prävention: Experten empfehlen betriebliche Sprechstunde

Psychische Belastungen sind hochindividuell und lassen sich entsprechend schlecht über Massenprogramme für alle Beschäftigten vermeiden. Experten der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) setzen auf die frühzeitige Hilfe für einzelne Mitarbeiter in Sprechstunden am Arbeitsplatz.

Frühzeitig, am besten bereits am Arbeitsplatz, sollten Betroffene Beratung und Hilfe bekommen, Fachärzte, Betriebe und Krankenkassen müssten dazu enger zusammenarbeiten, forderten die Experten bei der Vorstellung eines aktuellen Gutachtens in Berlin. Auch Vertreter von Krankenkassen und Unternehmen unterstützten dies.


Positive Erfahrungen mit psychosomatischer Ambulanz

Professor Harald Gündel (Uniklinik Ulm) berichtete von erfolgreichen Erfahrungen mit psychosomatischen Sprechstunden in Betrieben. "Nur 7,5 Prozent der Ratsuchenden erhielten keine Diagnose, bei den übrigen entsprach das Diagnosespektrum dem einer psychosomatischen Ambulanz. Dazu gehören affektive Störungen, Angst- und Anpassungsstörungen."

Bei der Hälfte der Betroffenen hatten die psychischen Belastungen vor allem arbeitsbezogene Ursachen. Auf die Beratungsgespräche folgte bei Bedarf eine Kurzzeittherapie mit zehn Sitzungen. Betriebs- und Fachärzte arbeiteten dabei Hand in Hand.

 

Sprechstunde im Betrieb als schnell erreichbares Angebot

Positiv bewertete Gündel, dass die Intervention auf diese Weise einsetze, bevor die Beschwerden chronisch werden, und dass sich mit 75 Prozent auch überdurchschnittlich viele Männer Hilfe suchten.

Die oft monatelangen Wartezeiten bei niedergelassenen Therapeuten schreckten viele Betroffene ab, sich dort Hilfe zu holen. Auch sei das Angebot für Laien häufig kaum überschaubar.

"Lange Wartezeiten verschlimmern die Erkrankung. Die Sprechstunde im Betrieb ist ein geeignetes Modell für eine bessere Erreichbarkeit psychotherapeutischer Hilfe", sagte DGPM-Vorsitzender Prof. Wolfgang Senf (Uniklinik Duisburg/Essen).

 

Employee Assistance Program: Zahlreiche Anbieter vorhanden

Arbeitgeber, die einen Ansprechpartner für psychische Belastungen im Unternehmen anbieten wollen, nutzen häufig ein sogenanntes "Employee-Assistance-Program" (EAP). Dahinter verbirgt sich eine externe Mitarbeiterberatung, die als Ansprechpartner für Mitarbeiter in allen Lebenslagen dient.

Das Konzept stammt aus den angelsächsischen Ländern, wo es schon seit Jahrzehnten eingesetzt wird. In Deutschland war EAP lange ein Nischenmarkt von wenigen Anbietern - das ändert sich jedoch gerade.

Genauer Informationen und Praxisbeispiele zum EAP hat das Personalmagazin in Ausgabe 06/2011 zusammengestellt.

Schlagworte zum Thema:  Psychische Belastung

Aktuell

Meistgelesen