Modernes Betriebliches Gesundheitsmanagement integriert Themen wie Gesundheitsförderung, Arbeitsschutz, BEM und Unternehmensattraktivität. Bild: PHOTOMORPHIC PTE. LTD.

Bestimmten früher Gesundheitstage und Präventionskurse die Gesundheitsaktivitäten in den Unternehmen, so muss sich ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) heute einer größeren Bandbreite von Herausforderungen stellen. Die Haufe Redaktion sprach mit Kristin Hunsicker und Oliver Walle von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement über Trends und Qualität im BGM, aber auch über dessen Nutzen für Mitarbeiter und Unternehmen.

Die Themen heute im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) sind Senkung der Krankenstände, Erhalt der Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter bis zur Rente, Erhöhung der Unternehmensattraktivität nach innen und außen und Stärkung der Work-Life-Balance.

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Trendthema 2017 im Betrieblichen Gesundheitsmanagement: Digitales BGM

Haufe Online Redaktion: Frau Hunsicker, zu Beginn dieses Jahres haben Sie und Herr Walle in einem Onlineseminar über die Trends im BGM in 2017 referiert. Aus Ihrer Sicht stehen das Digitale BGM bzw. digitale Lösungen dieses Jahr hoch im Kurs. Ist Ihre Prognose eingetroffen?

Kristin Hunsicker: Bereits die BGM-Bereiche der Personalmessen sowie die Corporate Health Convention im Mai in Stuttgart standen unter dem Motto „Digitales BGM“, und viele Aussteller dort präsentierten digitale Lösungen und referierten darüber in den Vorträgen. Schaut man sich im Internet zu BGM-Themen um oder betrachtet die Inhalte von Kongressen, so taucht stets parallel zu Arbeiten 4.0 auch Digitales BGM auf und ist demzufolge das Trendthema in 2017 im BGM.

Digitales Betriebliches Gesundheitsmanagement - Praxis hängt dem Trend noch hinterher

Haufe Online Redaktion: Wie sieht die Umsetzung aus? Setzen Unternehmen bereits digitale Lösungen ein?

Kristin Hunsicker: Die Praxis hängt dem Trend sicherlich noch hinterher. Viele Unternehmen sind interessiert, können jedoch den Nutzen noch nicht einschätzen. Geht es bei einem BGM um die Reduktion von Krankenständen, werden Apps mit Tipps zur gesunden Ernährung und die Teilnahme an Challenges eher weniger hilfreich und zielführend sein. Geht es eher um die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität, insbesondere bei Arbeitnehmern und Bewerbern der Generation Y sowie zukünftig auch Z, gehören digitale Lösungen in einem BGM auf jeden Fall dazu. Nicht zu vergessen ist dabei die Tatsache, dass die Einhaltung des Datenschutzes sowie technische Hürden sowohl für Unternehmen, als auch für Mitarbeiter nach wie vor eine Herausforderung darstellen.

Zentrales Element des Betrieblichen Gesundheitsmanagements: Umsetzung der psychischen Gefährdungsbeurteilung

Haufe Online Redaktion: Welche Themen sind denn bei Unternehmen von Bedeutung, die auch nutzbringend sind?

Oliver Walle: Dies hängt von der Ausgangslage eines Unternehmen ab. Dominieren Probleme wie zu hohe Krankenstände, zu viele bzw. ungelöste BEM-Fälle und kämpft man mit den Herausforderungen des demografischen Wandels, werden sehr spezifische Analysen und zielgruppenbezogene oder sogar individualisierte Maßnahmen erforderlich sein. Viele Unternehmen sind noch in der Umsetzung der gesetzlich geforderten psychischen Gefährdungsbeurteilung bzw. stehen erst am Anfang. Neben der Frage nach den richtigen Methoden ist auch die Bestimmung von Grenzwerten, also die Frage danach, ab wann eine erfasste psychische Belastungen als gelb oder sogar rot eingestuft werden, essentiell. Letztere erfordert nach der Logik im Arbeitsschutz das sofortige Handeln.

Umsetzung der psychischen Gefährdungsbeurteilung – wie kann man vorgehen

Haufe Online Redaktion: Gibt es dazu eine Lösung?

Oliver Walle: Es gibt gute Leitlinien und Empfehlungen über die Vorgehensweise, wie eine Bewertung psychischer Belastungen bzw. Fehlbelastungen erfolgen kann. Zudem bieten Autoren einiger Instrumente, oftmals Fragebögen, auch eine Hilfestellung zur Auswertung und Bestimmung von Risikobereichen. Daher ist es ratsam, bei der Auswahl von Methoden und Instrumenten immer auch die Auswertungsmöglichkeiten mit zu prüfen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) wird erwachsen – ein Wertewandel ist erkennbar

Haufe Online Redaktion: Arbeitnehmer diskutieren immer mehr über eine unzureichende Work-Life-Balance und wünschen sich von ihrem Arbeitgeber flexiblere Arbeitszeitmodelle. Ist dies auch ein Trendthema?

Kristin Hunsicker: Für bestimmte Mitarbeitergruppen, insbesondere die jüngeren, auf jeden Fall. Hier zeigt sich durchaus ein Wertewandel in der Betrachtung der Arbeit. Während früher der Arbeit und dem damit verbundenen Gehalt deutlich mehr Bedeutung beigemessen wurde, wünschen sich Arbeitnehmer der Generation Y und Z eine Balance zwischen Arbeit und der Freizeit bzw. der Familie. In vielen Betrieben dominieren aber noch die Generationen X und Babyboomer, und der Begriff Work-Life-Balance ist dort oftmals seitens der Unternehmen auch negativ besetzt.

Welche Rolle kann das Betriebliche Gesundheitsmanagement in Zukunft spielen

Haufe Online Redaktion: Werden diese Unternehmen ihre Einstellung ändern müssen, und welche Rolle kann das BGM dabei spielen?

Oliver Walle : Unternehmen mit Fachkräftemangel stellen sich bereits auf diese veränderten Jobanforderungen der Bewerber ein. Sich im Unternehmen wohlzufühlen, wahrgenommen und einbezogen zu werden, eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erreichen sowie gesundheitsförderliche Arbeitsbedingen vorzufinden sind mittlerweile ebenso Entscheidungskriterien für Bewerber wie Stellenprofil, Gehalt und regionale Lage des Unternehmens. Und genau diese Benefits sind auch Teilbereiche des BGM. Insofern lohnt sich ein solches nicht nur bei höheren Krankenständen, sondern zunehmend auch zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität. BGM wird so langsam erwachsen und bietet mehr als nur Gesundheitstage und Präventionskurse.

Praxistipps zum Aufbau eines nachhaltigen Betrieblichen Gesundheitsmanagements

Haufe Online Redaktion: Derzeit sind Sie bundesweit mit Kurzseminaren zum Praxiswissen BGM in 7 Städten unterwegs, so z.B. am 27.06. in München und 28.06. in Stuttgart. Gehen Sie dort auch auf Trendthemen und Benefits ein?

Kristin Hunsicker: Wir bieten an einem Tag 4 Vorträge zu Themen an, die einerseits Trend sind, so natürlich auch zu digitalen Lösungen. Aber wir gehen auch auf den strategischen und auf Nachhaltigkeit angelegten Aufbau eines BGM, die Motivation von Führungskräften und Beschäftigten zur Teilnahme an einem BGM sowie auf Kennzahlensysteme ein. Das bisherige, sehr positive Feedback der Teilnehmer zeigte, dass wir mit dieser Auswahl genau richtig gelegen haben.

Schlagworte zum Thema:  Betriebliches Gesundheitsmanagement, Gesundheitsförderung, Gesundheitsmanagement, Gesundheitssystem

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