Evakuierungsübungen: Planung und Durchführung

Zusammenfassung

 
Begriff

Wir hoffen alle, dass es nie passieren wird. Aber Brände, Explosionen und Unfälle mit Gefahrstoffen können plötzlich auftreten und uns jederzeit überraschen.

Große Probleme im Falle eines Brandes bereitet immer wieder die Evakuierung der Beschäftigten. Wenn sie nicht darauf vorbereitet worden sind, reagieren sie häufig falsch und begeben sich damit in große Gefahr. Entweder verlassen sie ihren Arbeitsplatz nicht oder versuchen, auf falschen Wegen zu flüchten, schlimmstenfalls mit dem Aufzug. Im Ernstfall kann dies zu erheblichen Schwierigkeiten, ernsten Verletzungen und Todesfällen führen.

Um dieses Szenario zu verhindern, müssen gut geplante Übungen zur Evakuierung der Beschäftigten durchgeführt werden. Die Praxiserfahrung zeigt, dass über 80 % der Fehler, die während einer Übung auftreten, durch vernünftige Vorarbeit und Planung hätten verhindert werden können.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Gemäß § 4 Abs. 4 Arbeitsstättenverordnung muss der Arbeitgeber einen Flucht- und Rettungsplan aufstellen und in angemessenen Zeitabständen Übungen durchführen.

1 Einführung

Wir hoffen alle, dass es nie passieren wird. Aber Brände, Explosionen und Unfälle mit Gefahrstoffen können plötzlich auftreten und uns jederzeit überraschen.

Große Probleme im Falle eines Brandes bereitet immer wieder die Evakuierung der Beschäftigten. Wenn sie nicht darauf vorbereitet worden sind, reagieren sie häufig falsch und begeben sich damit in große Gefahr. Entweder verlassen sie ihren Arbeitsplatz nicht oder versuchen, auf falschen Wegen zu flüchten, schlimmstenfalls mit dem Aufzug. Im Ernstfall kann dies zu erheblichen Schwierigkeiten, ernsten Verletzungen und Todesfällen führen.

Um dieses Szenario zu verhindern, müssen gut geplante Übungen zur Evakuierung der Beschäftigten durchgeführt werden. Die Praxiserfahrung zeigt, dass über 80 % der Fehler, die während einer Übung auftreten, durch vernünftige Vorarbeit und Planung hätten verhindert werden können.

1.1 Begriffsbestimmungen

Zur begrifflichen Trennung ähnlicher Sachverhalte, die jedoch unterschiedliche einsatztaktische Maßnahmen erfordern, werden 2 unterschiedliche Ausdrücke verwendet: Räumung bzw. Evakuierung.

Räumung ist das schnelle In-Sicherheit-Bringen von Personen aus einem akut gefährdeten Bereich.

Bei der Räumung (vorsorgliche Maßnahme) ist die Gefährdung abzusehen, die möglichen Schäden sind in ihrem Ausmaß begrenzt und beeinträchtigen die medizinische Versorgung nicht langfristig. Ein Gebäude oder Gebäudeteil wird vorübergehend frei geräumt, die Wiederbelegung des Gebäudes ist abzusehen und die Funktionsfähigkeit ist in kurzer Zeit wieder möglich.

Für den Fall einer akuten Bedrohung werden die betroffenen Personen aus einem Bereich oder Gebäude zu einer Sammelstelle geführt. Flucht- und Rettungswege sowie Sammelstellen müssen im Vorfeld festgelegt, entsprechend gestaltet und gekennzeichnet werden. Der Rettungseinsatz der Feuerwehr und der betrieblichen Helfer ist vorzubereiten.

Evakuierung ist das längerfristige Verbringen von Personen aus einem gefährdeten oder zerstörten Bereich in einen intakten Bereich mit gleichwertiger Versorgungsmöglichkeit, aufgrund einer übergeordneten Entscheidung.

Bei der Evakuierung (langfristige oder endgültige Maßnahme) ist die Gefährdung in ihrem Ausmaß nicht abzusehen. Der Schaden könnte unbegrenzt groß sein, er beeinträchtigt langfristig die medizinische Versorgung, eine Wiederbelegung des Gebäudes ist nicht abzusehen, die Funktionsfähigkeit des Gebäudes ist in kurzer Zeit nicht möglich.

Bei der Evakuierung werden die betroffenen Personen aus einem Bereich oder Gebäude oder von einer Sammelstelle in einen sicheren und intakten Bereich mit gleichwertiger Versorgung gebracht. Es ist zu klären, in welchen Bereichen eine gleichwertige Versorgung gewährleistet ist. Transportkapazitäten sind vorzuplanen.

2 Planung

Die Planung der Evakuierungsübung übernimmt i. d. R. der Unternehmer mit der ggf. vorhandenen Werkfeuerwehr, dem Brandschutzbeauftragten und der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Da der Betriebs- oder Personalrat in diesem Fall ein Mitbestimmungsrecht besitzt, muss er ebenfalls bei der Planung mit einbezogen werden (§ 87 BetrVG).

Ebenso kann die Feuerwehr bei der Übung miteinbezogen werden, um die Übung realistischer zu gestalten. Für die Feuerwehren ist es hilfreich, wenn sie ein Unternehmen nicht im Brandfall zum ersten Mal betreten. Durch eine Übung können sie sich bereits einen Überblick über die örtlichen Gegebenheiten, mögliche Gefährdungen und Ansprechpartner verschaffen.

Bei Berufsfeuerwehren dürfte die Beteiligung an der Übung kein allzu großes Problem darstellen. Schwieriger gestaltet sich diese Aufgabe bei der Zusammenarbeit mit freiwilligen Feuerwehren. Die Mitglieder dieser Feuerwehren sind ehrenamtlich tätig und gehen tagsüber meist anderen Beschäftigungen nach. Die wenigsten Arbeitgeber tolerieren es, wenn Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz wegen einer Übung verlassen. Aber auch dafür kann sicherlich in Absprache mit der Feuerwehr eine Lösung gefunden werden.

2.1 Flucht- und Rettungswege

Die Führungskrä...

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