Alter(n)sgerechte Gefährdun... / 2.3 Handlungshilfe für die Praxis

Auf Initiative des Verbandes für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit (VDSI) und in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) sowie dem Demografie-Experten e. V. (DEx) haben Experten im Arbeits- und Gesundheitsschutz in einem Konsensverfahren eine Übersicht über alter(n)sspezifische Gefährdungen und Belastungen erstellt (vgl. Tab. 1). Sie beschreibt mögliche demografiespezifische Maßnahmen zu deren Bewältigung. Ergänzend zu den Gefährdungsfaktoren nach GDA wurde die Kategorie "Grundlegende organisatorische Faktoren des Arbeits- und Gesundheitsschutzes" eingefügt; dazu gehören u. a. Unterweisungen, Betriebsanweisungen sowie die Benutzung von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Die Übersicht soll eine Handlungshilfe für die betriebsspezifische Erstellung der Gefährdungsbeurteilung sein.

Keine alter(n)sspezifischen Unterschiede sehen die Autoren v. a. bei den Gefährdungsfaktoren mechanische und elektrische Gefährdungen sowie Gefährdungen durch Brände/Explosionen. Bei den übrigen Faktoren haben Alter und Altern jedoch einen Einfluss, spezifische Maßnahmen sind dann erforderlich.

 
Nr. Gefährdungsfaktor Alter(n)sspezifische Unterschiede Mögliche spezifische Maßnahme
1 Grundlegende organisatorische Faktoren des Arbeits- und Gesundheitsschutzes
1.1 Personenbezogene Unterweisungen
  • Unterweisungen sind immer altersgemäß durchzuführen,
  • diese Bedeutung steigt aber nicht mit zunehmendem Alter,
  • Ältere sind ggf. risikobewusster.
Methodik dem Alter und der Didaktik der Betriebserfahrung anpassen. Älteren Beschäftigten fällt es leichter, am praktischen Beispiel zu lernen.
1.2 Tätigkeitsbezogene Betriebsanweisungen keine keine
1.3 Delegieren und Koordinieren von Arbeiten (innerbetrieblich, Fremdfirmen) keine keine
1.4

Gefährliche Arbeit

z. B.: Höhenarbeitsplätze, Kranführer, Führen von Flurförderfahrzeugen, Arbeit unter Vollschutz, Stich- und Schnittverletzungen, Arbeiten unter elektrischer Spannung, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
  • Erfahrung nimmt mit dem Alter zu und damit auch die Qualifizierung,
  • die Zuverlässigkeit nimmt mit dem Alter zu,
  • gesundheitliche Fitness kann nachlassen (z. B. Tragen von Atemschutz, Arbeiten mit Kranen).
Spezifische Angebote zur Erhaltung von Fitness und Gesundheit
1.5 Benutzen persönlicher Schutzausrüstungen (PSA)
  • Erfahrung und Einsicht, PSA zu verwenden, nehmen mit dem Alter zu,
  • Akzeptanz von PSA kann aber auch abnehmen, da diese eher als störend empfunden wird (z. B. Gehörschutz),
  • die physische Belastung durch PSA ist ggf. höher.
  • Gewicht und Belastungen durch persönliche Schutzausrüstung beachten (z. B. Strahlenschutz, Atemschutzmasken),
  • ggf. Fitnessprogramme/-training anbieten.
1.6 Erste-Hilfe-Systeme Viele Gesundheitsprobleme sind altersbedingt (Herz-Kreislauf, Diabetes, vermehrte Knochenbrüche). Erste-Hilfe-Einrichtung anpassen, z. B.: Defibrillator, Blutzucker-Messgerät, Sauerstoffspender
1.7 Alarm- und Rettungsmaßnahmen Ältere Beschäftigte sind erfahrener als jüngere. "Alte Hasen" eignen sich gut als Evakuierungshelfer.
1.8 Hygiene Infektionsgefahr und daraus resultierende Erkrankungsschwere nehmen zu.
  • Keine Maßnahmendifferenzierung nach Alter, Beratungsinhalte auf individuelle Empfänglichkeit anpassen,
  • Impfungen gegen z. B. Grippe und Pneumokokken häufiger indiziert.
1.9 Arbeitsschutzorganisation keine keine
1.10 Prüfpflichten von Arbeitsmitteln keine keine
1.11 Beschäftigungsbeschränkungen Im Alter treten häufiger körperliche Einschränkungen auf. Individuelle körperliche Einschränkungen bei Maßnahmenumsetzung berücksichtigen.
1.12 Berufliches Wiedereingliederungsmanagement Häufigere Langzeiterkrankungen bei älteren Beschäftigten. Bereitstellung einer bedarfsgerechten Anzahl von Arbeitsplätzen für leistungsgewandelte Beschäftigte
2 Mechanische Gefährdungen
2.1 Ungeschützt bewegte Maschinenteile keine keine
2.2 Teile mit gefährlicher Oberfläche keine keine
2.3 Transportmittel keine keine
2.4 Unkontrolliert bewegte Teile keine keine
3 Elektrische Gefährdungen
3.1 Grundsätze keine keine
3.2 Gefährliche Körperströme keine keine
3.3 Lichtbögen keine keine
4 Gefährdung durch Stoffe
4.1 Gesundheitsschädigende Wirkung von Gasen, Dämpfen, Aerosolen, Stäuben, flüssigen und festen Stoffen
  • Empfindlichkeit nimmt zu,
  • häufiger bereits Vorschädigungen,
  • Wahrnehmungsschwelle steigt mit dem Alter.
  • Angepasste Fristen für arbeitsmedizinische Vorsorge,
  • Minimierung der Belastung,
  • gezielte Unterweisung.
4.2 Hautbelastungen Empfindlichkeit nimmt zu, häufiger bereits Vorschädigungen.
  • Angepasste Fristen für arbeitsmedizinische Vorsorge,
  • optimierte Hautschutzpläne.
4.3 Sonstige Einwirkungen (Gerüche/Sauerstoffmangel) Mit dem Alter ansteigende Reizschwelle.
  • Technische Warneinrichtungen,
  • Lüftungstechnik kleinräumig planen, um individuelle Anforderungen besser berücksichtigen zu können.
5 Biologische Gefährdung
5.1 Gezielte Tätigkeiten Infektanfälligkeit und Schwere der Erkrankung steigt mit dem Alter. Eher Impfungen sinnvoll und erforderlich
5.2 N...

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