Was die psychische und körperliche Leistungsfähigkeit betrifft, so verläuft der Alterungsprozess komplex und individuell sehr unterschiedlich. Das kalendarische Alter sagt daher wenig über die tatsächliche Leistungsfähigkeit aus, sie ist u. a. abhängig von bisher ausgeübten Tätigkeiten und dem Lebensstil.

I. d. R. nehmen mit zunehmendem Alter u. a. folgende Merkmale (Stärken bzw. Chancen) zu:

  • Erfahrungs- und Fachwissen,
  • soziale Kompetenz,
  • Zufriedenheit mit der Tätigkeit,
  • Zuverlässigkeit,
  • Gelassenheit.

Auf der anderen Seite treten körperliche Beschwerden, chronische Erkrankungen und damit verbundene längere Fehlzeiten bei älteren Beschäftigten häufiger auf. Der Alterungsprozess kann u. a. Hörvermögen, Sehkraft, Muskelkraft und Ausdauer betreffen.

 
Praxis-Beispiel

Beispiele für die Veränderung der Leistungsfähigkeit in Abhängigkeit vom Alter[1]

Ab einem Lebensalter von ca. 40 Jahren:

  • Die Hörwahrnehmung nimmt wegen altersbedingter Veränderungen der Haarzellen im Innenohr und wiederholter Lärmeinwirkungen im Durchschnitt ab. Die Hörschwelle sowie zeitliche und räumliche Hörauflösung und Tonhöhenunterscheidung verschlechtern sich; dies beginnt bei den hohen Tönen.
  • Muskelmasse, Muskelkraft und -flexibilität sowie Kraftausdauer nehmen ab. 65-Jährige verfügen im Durchschnitt über 75 bis 90 % ihrer maximalen Muskelkraft.

Ab ca. 45 Jahre: Verschlechterung der Sehfähigkeit setzt ein.

Und regelmäßig überlange Arbeitszeiten sowie zu wenige Pausen wirken sich negativ auf Leistungsfähigkeit, Gesundheit, z. B. körperliche Erschöpfung, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, und soziales Leben aus.

Erfahrung, Training und eine ergonomische Arbeitsgestaltung oder Hilfsmittel können viele altersbedingte Veränderungen ausgleichen. Bei feinmotorischen Tätigkeiten können z. B. ausreichend Zeit (kein Zeitdruck) sowie Erfahrung und Wissen Alterseffekte verringern. Hier setzt die alter(n)sgerechte Gefährdungsbeurteilung an. Sie ist die Basis für eine alters- und alternsgerechte Arbeitsgestaltung.

 
Wichtig

Alters- oder alternsgerecht?

Die altersgerechte Arbeit orientiert sich an den besonderen Fähigkeiten und Bedürfnissen der jeweiligen Altersgruppe, Maßnahmen sind v. a. kompensatorisch und lebensphasenorientiert. Die alternsgerechte Arbeitsorganisation berücksichtigt den Alterungsprozess der Mitarbeiter ganzheitlich, Maßnahmen sind v. a. präventiv und zukunftsorientiert.

[1] Quelle Beispiele: Alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung: Grundlagen und Handlungsfelder für die Praxis, BAuA.

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