Ein Fahrzeugkauf wird oft von Aspekten wie Preis, Leistung, Abmessungen, Nutzlast oder Eignung für Sondereinsätze bestimmt. An die Fahrerinnen und Fahrer, ihre Sicherheit beim Erreichen des Führerhauses und beim Aufenthalt darin sowie an ihre ergonomischen Bedürfnisse, wird oft erst zu spät gedacht. Dieses Kapitel soll helfen, dass Ihnen so etwas nicht passiert.

Rechtliche Grundlagen

 

Weitere Informationen
  • DGUV Information 214-083 "Der sicherheitsoptimierte Transporter"
  • DGUV Information 215-530 "Klima im Fahrzeug"
  • BG Verkehr, Studie, "Kamera-Monitor-Systeme (KMS) zur Vermeidung von Abbiegeunfällen"
  • IFA-Broschüre "Informations- und Kommunikationstechnologie an Fahrerarbeitsplätzen"

 

Gefährdungen

Beim Ein- und Aussteigen aus dem Führerhaus, beim Fahren wie auch beim Aufenthalt im Führerhaus bei stehendem Fahrzeug können folgende Gefährdungen auftreten:

  • Abrutschen und Abstürzen beim:

    • Ein- und Aussteigen in das bzw. aus dem Fahrzeug
    • Reinigen der Windschutzscheibe
    • Einstellen des Frontspiegels
  • Fahrfehler durch:

    • Überforderung
    • Ablenkung
    • Unaufmerksamkeit
    • Auswirkungen hoher Innenraumtemperaturen
    • Ermüdung aufgrund schlechter räumlicher und klimatischer Bedingungen beim Verbringen der Pausen und Ruhezeiten im Führerhaus
  • Fehlbelastungen des Muskel-Skelett-Systems
Maßnahmen

Das Führerhaus ist Hauptaufenthaltsort für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der täglichen Arbeit. Defizite machen sich hier schnell bemerkbar. Achten Sie deshalb bei der Beschaffung eines Fahrzeuges vor allem auf folgende Merkmale:

Einstiege

Einstiege ins Führerhaus müssen sicher und ergonomisch optimal gestaltet sein. Achten Sie auf folgende Punkte:

  • Auftritte müssen gut erreichbar, großflächig und trittsicher sein.
  • Außenliegende Auftritte müssen Öffnungen oder einen Verdrängungsraum aufweisen, damit z. B. Schnee oder Eis durchgedrückt werden können (Roste, Lochbleche).

Abb. 14

Großflächige, trittsichere Auftritte

Abb. 15

Ergonomisch gut gestaltete Haltegriffe

  • Mehrere Trittstufen sollten in einer Flucht (nicht versetzt) übereinanderliegen, gleiche Abstände aufweisen und die jeweils darunterliegende Stufe, treppenähnlich, etwas weiter herausragen (Abbildung 14).
  • Haltegriffe müssen gut erreichbar, griffgünstig angebracht und sicher gestaltet sein (Abbildung 15).
  • Beim Öffnen der Türen sollten Stufen und Innenraum automatisch beleuchtet werden.
  • Türen sollten sich möglichst weit öffnen lassen.

3.3.2 Besteigen, Verlassen und Begehen von Fahrzeugen: Sicheres Verhalten beim Ein- und Aussteigen

Aufstieg zur Reinigung der Frontscheibe

Für das sichere Fahren ist eine saubere Frontscheibe notwendig. Um hartnäckigen Schmutz wie festklebende Insekten und Eis bzw. Reif entfernen zu können, muss das Fahrpersonal dicht an die Scheibe heran. Beträgt der Abstand vom Boden zur Oberkante der Windschutzscheibe mehr als 2 m, sind für ein sicheres Erreichen der Scheibe im Frontbereich folgende Voraussetzungen (Abbildung 16) erforderlich:

  • mindestens eine ausreichend große und tiefe Auftrittsöffnung,
  • zugehörige Haltegriffe, deren Abstände nicht mehr als 1,8 m zum Boden bzw. 1,0 m bis 1,4 m zu den jeweiligen Auftritten betragen,
  • rutschhemmende Trittflächen, wie bei Führerhausauftritten.

Abb. 16

Aufstieg zur Reinigung der Frontscheibe

Ergonomische Sitze

Ein ergonomisch gestalteter und individuell einstellbarer Sitz kann einerseits die körperlichen Belastungen reduzieren. Andererseits trägt er dazu bei, vorzeitige Ermüdung zu vermeiden. Der Sitz muss einen Verstellbereich haben, der möglichst allen Fahrerinnen und Fahrern eine bequeme und ergonomische Sitzposition ermöglicht (Abbildung 17). Zu dicht hinter dem Sitz positionierte Trenn- bzw. Rückwände oder Liegen schränken den Verstellbereich oft ein.

Abb. 17

Ergonomische Sitzposition

Sitze sollten folgende Eigenschaften haben:

  • Verstellmöglichkeit des gesamten Sitzes in Längsrichtung
  • Höhenverstellbarkeit
  • Neigung der Rückenlehne einstellbar, falls vorhanden auch der Armlehnen
  • Neigung der Sitzfläche einstellbar
  • Seitenhalt, wie Seitenwangen der Lehne und des Sitzkissens einstellbar
  • Verstellbarkeit der Sitztiefe
  • Lendenwirbelstütze
  • Höhenverstellung für den Gurt
  • Verstellbarkeit der Kopfstütze
  • Vertikaldämpfung einstellbar
  • Intuitiv bedienbare Einstellelemente durch unterschiedliche Form und Haptik der Schalter und Griffe, die ergonomisch optimal platziert sind
  • Luftfederung
  • Sitzbelüftung
  • Sitzheizung

Eine Sitzbelüftung kann das Schwitzen im Rückenbereich reduzieren. Durch eine Sitzheizung kann das Tragen dicker Jacken im Winter entbehrlich sein, denn diese können die Wirkung des Sicherheitsgurtes stark einschränken.

Manche klappbaren Beifahrersitze erfüllen die vorgenannten ergonomischen Kriterien nicht, auch wenn sie für den Straßenverkehr zugelassen sind. Laut Herstellern dienen diese Sitze nur der gelegentlichen Mitnahme von Personen. Gel...

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